Kultur

“Ideen brauchen einen Boden”

16.02.2021 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Rheindorf“ vom walktanztheater war 2020 zu sehen. Heuer wird ein Jubiläum gefeiert.<span class="copyright"> Sarah Mistura</span>
„Rheindorf“ vom walktanztheater war 2020 zu sehen. Heuer wird ein Jubiläum gefeiert. Sarah Mistura

Keine Veranstaltungen bis Ostern: Schwierigkeiten einer Alternative

Seit gestern ist Gewissheit, was Kulturschaffende und Veranstalter schon vermutet haben. Kein Theater, Kino, keine Veranstaltungen bis „rund um Ostern“, so die vage Aussage von Bundeskanzler Sebas­tian Kurz. Am 1. März wolle man weitere Schritte prüfen, mit einer Öffnung im selben Monat rechnet niemand mehr. Die pandemische Situation ist anzuerkennen, doch gibt es Kritik am Umgang mit der Kulturbranche, etwa von Mirjam Steinbock. Im Gespräch mit der Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg ging es nicht nur um den aktuellen Stand der Fördermaßnahmen von Bund und Land, sondern auch um die Schwierigkeiten, mit denen etwa Theaterschaffende zu kämpfen haben, die alternative Formate realisieren wollen.

Mirjam Steinbock. <span class="copyright">Niklas Koch</span>
Mirjam Steinbock. Niklas Koch

Steinbock kritisierte zudem, dass trotz aller vergangenen Beteuerungen der Informationsfluss vage und diffus bleibe. Fragen zu konkreten Problemstellungen würden weiterhin unbeantwortet bleiben. Bezüglich Informationen würden die Veranstalter „von der Hand in den Mund leben“, so Steinbock. Verärgert zeigt sie sich von dem „Förderdschungel“ für Non-Profit-Organisationen, derer es in der Kulturlandschaft zahlreiche gibt. Sie hätten im Vergleich zu gewinnorientierten Einrichtungen immer noch das Nachsehen. Kulturschaffenden in Not rät sie, wenn möglich auch die neu beschlossenen Förderungen des Landes, wie etwa das Atelierstipendium, zu beantragen.

Kostenfaktor

Was die Interessenvertreterin zu bedenken gibt: Wer sich ständig um seine Existenz kümmern muss, kann nur schwerlich neue Formate auf den Weg bringen. „Es braucht einen Boden für neue Ideen“, sagt Steinbock. Vielen Kulturschaffenden würden Zeit, Kraft und andere Ressourcen fehlen. Nicht zu unterschätzen sei der Kostenfaktor: Wer etwa ein hochwertiges Streaming anbieten möchte, das neu produziert werden muss, braucht das technische Equipment und Know-how dafür. Das Thema „Fair Pay“ bleibe dabei allzu oft auf der Strecke.

“Kunst und Kultur müssen sichtbar sein”

Brigitte Walk, Theaterschaffende

Dass viele politische Akteure den Wert des kulturellen Lebens unterschätzen, ist Steinbocks Eindruck. Sie plädiert nicht nur für eine finanzielle Förderung, sondern für eine Projektentwicklungsförderung, wie sie etwa gerade im Land Kärnten ausgeschrieben wurde: Hier gehe es um ein zukunftsorientiertes Arbeiten, dass die Potenziale der freien Szene nutzbar machen würde, erklärt die IG-Chefin. Die Bemühungen, auch in Zeiten von Corona Kulturarbeit zu ermöglichen, wären jedenfalls noch ausbaufähig. Früher oder später brauche zudem die darstellende Kunst wieder das Publikum.

Jubiläum

„Kunst und Kultur müssen sichtbar sein“, sagt auch die Feldkircher Theaterschaffende Brigitte Walk. Ihr walktanztheater feiert dieses Jahr das 20-jährige Bestehen. Walk hat mehrere Ideen für die aktuelle Zeit parat. Ob eine für März geplante Schaufensterperformance stattfinden kann, ist noch ungewiss. Sicher sei aber, dass das Projekt zu Hannah Arendt realisiert werde, so Walk. Die Premiere ist Ende April geplant.