Kultur

Vorsichtige Vorfreude auf die Tänzer

24.02.2021 • 19:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Aufführung von "Chapter 3" der L-E-V Dance Company war schon 2020 geplant.<span class="copyright"> Ursula Kaufmann</span>
Die Aufführung von "Chapter 3" der L-E-V Dance Company war schon 2020 geplant. Ursula Kaufmann

Bregenzer Frühling soll schon Ende März eröffnet werden.

Ambitioniert und nicht ohne Risiko für weitere Absagen ist das diesjährige Programm der Bregenzer Festspiele, das gestern bekannt gegeben wurde. Bereits am 26. März soll die erste Tanzcompagnie im Bregenzer Festspielhaus auftreten – ob gerade dieser erste Termin zu halten ist, weiß auch Kulturamtsleiterin Judith Reichart nicht. Für sie ist das Programm „ein Signal, dass wir nicht gleich das Handtuch werfen“, meint sie im Gespräch. Die Tänzer seien sehr bemüht, dem Publikum wieder etwas zeigen zu können, auch der Kulturservice habe in den vergangenen Wochen engagiert am Programm gefeilt. Doch schlussendlich sei man von den kommenden Verordnungen des Bundes abhängig. Möglich sei etwa, dass für einzelne Aufführungen Ersatztermine gefunden werden, oder nur ein Teil des Programms gezeigt werde. Das neue Konzept des Abo-Services ließe dies aber einfach und kundenfreundlich abwickeln, meint Reichart. Eine Verschiebung des Tanzfestivals in Richtung Sommer wäre aufgrund der Buchungslage des Festspielhauses nicht möglich gewesen.

Sirenen und Gershwin

Drei vielversprechende Produktionen konnten neu ins Programm geholt werden: kein einfaches Unterfangen, wenn man die Corona-gebeutelte Branche und die kurze Planungszeit betrachtet. Zwei von den insgesamt fünf internationalen Compagnien hätten bereits vergangenes Jahr auftreten sollen. Eine davon ist das Danish Dance Theatre, das – wenn alles gut geht – am 26. und 27. März erstmals in Österreich das Stück „Siren“ von Pontus Lidberg zeigen wird. Behandelt wird dabei jene Passage des Odysseus-Stoffs, als der Seefahrer und seine Gefährten dem Gesang der Sirenen zu widerstehen haben. Damit verbunden sind die Themen Sehnsucht, Kreativität und unerwartete Einsamkeit.

Das Danish Dance Theatre möchte "Siren" zeigen. <span class="copyright">PETER LueDERS</span>
Das Danish Dance Theatre möchte "Siren" zeigen. PETER LueDERS

Am 17. und 18. April soll die 16-köpfige Compagnie Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart die Produktion „Lieben Sie Gershwin?“ präsentieren. Eine Hommage an den US-Komponisten und Pianisten George Gershwin soll das Stück sein, in dem das Leben und die Bewegung zur Musik gefeiert werden soll. Dabei sind Hits wie „Summertime“, „I Got Rhythm“ oder „The Man I Love“ zu hören, aber auch Teile aus Orches­terwerken. Die Choreografie von Marco Goecke konzentriert sich dabei auf die Arme und den Oberkörper der Tänzer – für diesen Stil soll Goecke bekannt sein.

34 Grad

In „Nomad“ (30. April und 1. Mai) setzt Sidi Larbi Cherkaoui seine belgische Compagnie Eastman in eine Wüste. Dabei dient die karge Urlandschaft als Metapher: Sie steht für grenzenlose Freiheit, aber auch für die Unmöglichkeit zu überleben – wenn sich die Kreaturen nicht den Bedingungen anpassen können. Freundschaft und Symbiose soll dabei der Schlüssel zum Überleben sein. Neu im Programm ist auch die renommierte GöteborgsOperans Danskompani mit dem Werk „Skid“ (13. und 14. Mai) von Damien Jalet. Die Tänzer haben es dabei mit einer um 34 Grad geneigten Bühne zu tun. Ein Spiel mit der Schwerkraft, in dem es auch um Halt und Sicherheit geht, wie Reichart erklärt.

Die GöteborgsOperans Danskompani ist mit "Skid" zu Gast. <span class="copyright">Mats Bäcker</span>
Die GöteborgsOperans Danskompani ist mit "Skid" zu Gast. Mats Bäcker

Aus dem Programm 2020 „gerettet“ werden konnte „Chapter 3: The Brutal Journey of the Heart“ der israelischen L-E-V Dance Company unter der Choreografin Sharon Eyal. Elektronische Musik und Bewegungen aus der Techno-Szene spielen dabei eine große Rolle, das Reparieren und Neu-Arrangieren von Liebesbeziehungen ist Thema. Überhaupt dreht sich das Programm um zwischenmenschliche Beziehungen, um große Gefühle wie Liebe, Verlust und Widerstand, erklärt Reichart.

Mit dabei ist, wie berichtet, auch wieder das aktionstheater ensemble mit ihren „Lonely Ballads“. Und die Vorarlberger Choreografin und Tänzerin Silvia Salzmann wird endlich ihr Stück „Alles nur Lemminge“ zeigen – das gilt als gesichert.

Bregenzer Frühling 2021

Danish Dance Theatre. “Siren”: Fr. und Sa., 26. und 27. März.

Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart. “Lieben Sie Gershwin?”: Sa. und So., 17. und 18. April.

Sidi Larbi Cherkaoui/Eastman. “Nomad”: 30. April und 1. Mai.

GöteborgsOperans Danskompani. “Skid”: 13. und 14. Mai.

L-E-V Dance Company. „Chapter 3“: 21. und 22. Mai.

Karten sind als Abos oder Einzelkarten erhältlich, sobald Tanzveranstaltungen wieder möglich sind: tourismus@bregenz.at.

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