Kultur

Kultur-Öffnung weiter in der Schwebe

02.03.2021 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Stephanie Gräve im leeren Zuschauerraum des Landestheaters. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Stephanie Gräve im leeren Zuschauerraum des Landestheaters. Roland Paulitsch

Unklarheiten über Öffnung. Vorwurf der Ungleichbehandlung

Mit einer Kombination aus Fassungs- und Ratlosigkeit reagierten Vorarlberger Kulturschaffende und Interessensvertreter auf die wechselhaften Aussagen von Landeshauptmann Markus Wallner zu den regionalen Öffnungsschritten im Kulturbereich. Am Montag betonte der Landeschef in der Regierungs-Pressekonferenz allein die Bedeutung von Lockerungen für Kinder und Jugendliche in Sport und Kultur – wie es generell mit dem Kulturbereich für alle Menschen, mit Theater und Kino etwa, weitergehen wird, blieb offen. Im nachfolgenden NEUE-Interview erteilte Wallner dann der Möglichkeit von Veranstaltungen eine Absage: „Die generelle Öffnung der Kultur muss man noch hinten anstellen.“

Landeshauptmann Markus Wallner. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Landeshauptmann Markus Wallner. Klaus Hartinger

Gestern dann eine Richtungsänderung. Im Pressefoyer hieß es vonseiten des Landeshauptmanns, ein „gewisser Gleichklang“ in der Regelung von Gastronomie und Kultur sei sehr wohl angedacht. Damit sollten auch „kleinere“ Indoor-Kulturveranstaltungen ab Mitte März möglich sein – unter welchen Bedingungen, soll in den kommenden „zwei, drei Tagen“ in Gesprächen eruiert werden, so Wallner am Dienstag. Die Öffnung des Kulturbereichs habe für Vorarlberg „größte Bedeutung“, versicherte er. Der Eindruck einer Bevorzugung der Gastronomie täusche.

Gleichbehandlung

Kein Verständnis für den ungleichen Informationsstand bei Gastronomie und Kultur gibt es in der Kulturszene. Die Öffnung der Gasthäuser scheint nämlich bereits ausgeprägter besprochen zu sein, über den Kulturbereich starten offenbar erst ernsthafte Gespräche. Das stößt sauer auf, ist es doch bereits seit Monaten österreichweit ein bekanntes Anliegen der Kulturvertreter, dass sobald die Gastronomie wieder öffnen könne, ebenso wieder Kulturveranstaltungen möglich sein sollen.

„Wenn die Gastronomie öffnet, soll auch die Kultur öffnen.“

Stephanie Gräve, ­Landestheater-Intendantin

Denn die Sicherheitskonzepte in der Kultur wirken laut Studien sehr gut, wie auch Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, im Gespräch betonte. Die penibel ausgearbeiteten und strengen Hygienebestimmungen sind vorhanden, mit zusätzlichen Eintrittstests würde die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung „gegen Null“ gehen, ist Gräve überzeugt. Eine Ungleichbehandlung gegenüber der Gastronomie sei durch nichts zu rechtfertigen.

Kommunikation

Die Kommunikation der Landespolitik ließe ebenfalls zu wünschen übrig. Die Intendantin erkennt auf Bundesebene eine Verbesserung des Austauschs zwischen Kultur und Politik – umso mehr sieht sie sich durch das Vorgehen von Wallner vor den Kopf gestoßen. Die anfängliche Betonung von Kindern und Jugendlichen sei für Gräve zwar noch verständlich, auch sie sorge sich um die jungen Menschen. Nur sei nicht klar, was der Landeshauptmann mit der Konzentration auf diese Gesellschaftsgruppe gemeint habe. „Sollte das bedeuten, wir können nur für Schulklassen öffnen?“, fragt Gräve irritiert. Sie sieht die Kulturszene weder berücksichtigt noch verstanden. „Wir stehen wieder vor dem Nichts.“

„Viel zu knapp“

Die Intendantin kann sich bei einer Öffnung Mitte März ein kleines Übergangs-Programm zum Beispiel für 100 Zuschauer vorstellen, eine längerfristige Lösung sei das aber nicht. Sollte nach Ostern im Hinblick auf das Infektionsgeschehen weiterhin ein gesellschaftliches Leben möglich sein, sollten auch die bislang vom Bund kommunizierten Bestimmungen in Kraft treten, und zwar eine 50-prozentige Belegung der Zuschauerplätze, mit FFP2-Masken und genügend Abstand. Auch für Testmöglichkeiten ist am Landestheater, wie berichtet, gesorgt.

Am Theater Kosmos in Bregenz wartet die fertige Produktion „Wunschloses Unglück“ auf das Publikum. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Am Theater Kosmos in Bregenz wartet die fertige Produktion „Wunschloses Unglück“ auf das Publikum. Roland Paulitsch

Bislang können sich aufgrund fehlender Informationen Kulturveranstalter nicht auf eine Öffnung vorbereiten, wie etwa Theater-Kosmos-Leiter Augustin Jagg gestern festhielt. Das kritisiert auch Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg: „Bis die politisch Verantwortlichen die Details ausgearbeitet haben, bleiben uns in diesem Fall vielleicht noch sieben Tage Zeit zur Umsetzung. Das ist viel zu knapp, so kann man vielleicht Politik machen, Kunst und Kultur aber nicht. Selbst bei der kleinsten Kultur­initiative steckt ein Riesenapparat dahinter, bevor die Künstler die Bühne betreten. Das ist nicht lediglich ein Schlüsselumdrehen, damit verkennt man die Arbeitsabläufe in der Kultur total.“
Der Hinweis auf reduzierte Zuschauerzahlen trübt indessen die Hoffnung auf den Bregenzer Frühling und Orchesterkonzerte im März.

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