Kultur

Über Gehälter und leere Häuser

02.03.2021 • 09:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das Montforthaus Feldkirch. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Das Montforthaus Feldkirch. Petra Rainer

Scharfe Kritik der Grünen an Feldkircher Kulturpolitik.

Die Neustrukturierung der Stadtkultur und Kommunikation GmbH, die neue Geschäftsleitung des Montforthauses mit der Montforthaus Feldkirch GmbH, die fragliche Zukunft des Palais Liechtenstein – so einige Kritikpunkte und offene Fragen provozierte in jüngster Vergangenheit die Kulturpolitik der Stadtregierung. Gestern bemängelten Marlene Thalhammer und Laura Fetz von den Feldkircher Grünen die Entwicklungen in einer Aussendung. Unter anderem ist den Politikerinnen die Verwendung der öffentlichen Gelder ein Dorn im Auge, denn mit der Neuorganisation der Einrichtungen geht eine Vervielfachung der Gehälter für Geschäftsführer- und Leitungsposten einher. Außerdem kritisiert wurde eine fehlende kulturelle Linie des Montforthauses, sowie ein Rückschritt durch die neuen Pläne zur Bespielung des Palais Liechtenstein.

Fünf Gehälter

Das Geflecht zeigt sich komplex. Zur Erinnerung: Anfang 2018 wurden das Feldkircher Stadtmarketing und das Montforthaus unter der Stadtkultur und Kommunikation Feldkirch GmbH (SKF) zusammengeführt, die auch als Dachorganisation des Alten Hallenbades, der Montforter Zwischentöne und der Potentiale fungierte. Mit 1. Jänner dieses Jahres wurde jedoch das SKF-Konstrukt wieder zerschlagen. Das Montforthaus und das Alte Hallenbad werden nun von der Montforthaus Feldkirch GmbH geführt, die mit Alexander Maurer und Markus Klebel zwei Geschäftsführer zählt – für die Grünen ein nicht zu rechtfertigender Anstieg an aus öffentlicher Hand zu bezahlenden Gehältern. Doch es geht noch weiter: Auch für den Teilbereich Stadtmarketing wird eine weitere Geschäftsführung gesucht, obwohl der Noch-Stadtmarketing-Chef Edgar Eller vertraglich bis 2024 dort gebunden ist, und dementsprechend ausbezahlt werden muss.

„Es ist eine Katastrophe, wie hier mit öffentlichen Geldern umgegangen wird“

Grüne-Kulturstadträtin Laura Fetz

Ein weiteres, fünftes Gehalt ergibt sich laut Aussendung durch einen sogenannten Meta-Kurator, der sich in Zukunft neben weiteren Akteuren um Ausstellungen im Palais Liechtenstein kümmern soll. Das mache laut Aussendung überschlagsmäßig 400.000 Euro jährliche Kosten rein für Führungspersonal. „Es ist eine Katastrophe, wie hier mit öffentlichen Geldern umgegangen wird“, sagt Fetz.

Laura Fetz. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Laura Fetz. Klaus Hartinger

Am Montagabend äußerte sich vonseiten der Feldkircher Volkspartei der zuständige Stadtrat Benedikt König zu den Vorwürfen. Was das Montforthaus betreffe, so sprach er von einer „absoluten Konsolidierung des Budgets“, das doppelte Führungsgehalt werde an anderer Stelle kompensiert. Man sei trotz Corona-Pandemie aus der „Verlustzone“ herausgekommen, die wirtschaftlichen Ziele seien bislang erreicht worden, wie bei einer Aufsichtsratssitzung vor elf Tagen festgestellt worden sei. Die Grünen-Aussendung bezeichnete er als „Verzweiflungstat einer überforderten Kulturstadträtin“.

Keine Visionen

Neben dem finanziellen Aspekt ist vonseiten der Grünen Kritik an der fehlenden kulturellen Ausrichtung der Häuser zu vernehmen. Die doppelte Geschäftsführung des Montforthauses etwa beschränke sich auf rein operative Tätigkeiten, es gehe allein um die Kontrolle der Finanzen, so die Grünen. Von Kultur, Humanismus, Visionen oder Potenzialen sei laut Aussendung keine Rede mehr. Für Kunstschaffende steht das Haus offenbar derzeit nur zu einem hohen Preis zur Verfügung. Konkret geht es um ein corona-gerechtes Tanzprojekt von Brigitte Walk, die eine Schaufensterperformance plant. Dem Vernehmen nach sollen geplante Gesprächstermine dazu noch nicht zustande gekommen sein, aber soll – in Zeiten der Pandemie – eine dreistellige Summe zur Realisierung von der Künstlerin selbst bezahlt werden.

Benedikt König. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
Benedikt König. Mathis Fotografie

Frustriert vom angeblichen kulturellen Vakuum scheinen einige ehemalige SKF-Mitarbeiter gewesen zu sein, die zuerst in die Montforthaus Feldkirch GmbH aufgenommen wurden, dann aber das Unternehmen verlassen haben. Wie die NEUE in Erfahrung bringen konnte, betrifft der Personalabgang nahezu alle bedeutenden ehemaligen SKF-Mitarbeiter und Projektleiter. Von der Potentiale sind demnach unter anderem Ingo Türtscher und Maya Kleber gegangen. Die Montforter Zwischentöne werden in Zukunft als eigenständiger Verein ausgegliedert.

Die ehemalige Hugo-Schau im Palais Liechtenstein.<span class="copyright"> Alexander Ess</span>
Die ehemalige Hugo-Schau im Palais Liechtenstein. Alexander Ess

Was das Palais Liechtenstein betrifft, so ist offenbar der ursprüngliche Plan von einer Art „Haus der Demokratie“ mit Diskursen zu Stadtentwicklung und Kultur geplatzt. In diesem Jahr ist, wie berichtet, die von Stadtbibliothekar Hans Gruber kuratierte Wolf-Huber-Ausstellung geplant, nächstes Jahr soll es um den heiligen Fidelis von Sigmaringen gehen. Fetz schätze die Arbeit von Kurator Gruber zur Stadtgeschichte sehr, wie sie betonte – nur fehlen der Kulturstadträtin ergänzend dazu zukunftsgerichtete und innovative Projekte. Sie stelle sich diesbezüglich eine Art Feldkircher Museumsquartier vor. Ansonsten bleibe das Palais Liechtenstein ein teuer renoviertes Haus mit je einer Ausstellung pro Jahr, wie die Grünen mitteilten. König verteidigte auf Nachfrage die Feldkircher Kulturarbeit. Viele Künstler seien der Stadt dankbar für die Unterstützung in Krisenzeiten.

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