Kultur

Der Vater, der immer nur Flausen im Kopf hat

17.03.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der aus Feldkirch stammende Schriftsteller Christian Futscher. <span class="copyright">Magdalena Türtscher</span>
Der aus Feldkirch stammende Schriftsteller Christian Futscher. Magdalena Türtscher

Virtuos und witzig erzählt Christian Futscher von seinem Vater.

Viele Väter machen gelegentlich Blödeleien, die deren Kinder dann mal mehr, mal weniger lustig oder peinlich finden. Doch über all diesen thront der Vater von Christian Futscher – so, wie ihn der aus Feldkirch stammende Autor in seinem neuen Buch „Mein Vater, der Vogel“ nachzeichnet. Mit einer Sammlung von zahlreichen kurzen Kapiteln, bestehend aus Erinnerungs-Schnipseln, Erzählungen und Gedanken lässt Futscher dabei einen Vater erkennen, der anders als gewöhnlich ist. Einerseits ist der „Quatschkopf“, wie die Mutter des Autors ihn öfters bezeichnete, kaum zu erwachsener Ernsthaftigkeit fähig, hat stets Flausen im Kopf, heckt Streiche aus oder liegt wie ein „Faultier“ herum. Andererseits befällt den Vater gelegentlich tiefgründige Wehmut und Weltschmerz, wenn der „Katzenjammer“ einsetzt. Futscher erschuf aus dieser seiner Vergangenheit ein Kaleidoskop von äußert witzigen, aber auch berührenden Miniatur-Erzählungen, die aus dem verrückten Alltag der Kleinfamilie stammen.

Erwachsene und Kinder

Oft erscheint es so, als wäre der Vater das eigentliche Kind gewesen: Er spielt mit dem Essen, schießt mit Papierschnipseln um sich – und bringt den Sohn auch mal in peinliche Situationen gegenüber Freunden, oder wenn er einen Fremden in der Straßenbahn anspricht. Doch er ist auch ein Vater, wenn er dem Sohn beim Schlafengehen Geschichten erzählt, ihn mitnimmt zum Bahnhof, um den ausfahrenden Zügen hinterherzuschauen. Der Vater verschafft einen anderen Blick auf die Welt, verleiht den unscheinbaren Momenten eine gewisse Magie. Der Mutter aber, die im Kontrast dazu besonders erwachsen wirkt, fehlt der vernünftige Gesprächspartner, mit dem sich der Familienalltag bewältigen lässt. Dass der Partner hingegen im Dialog gerne mit Zitaten aus der Weltgeschichte antwortete, hat wohl einiges an Nerven gekostet.

Zur Person

Christian Futscher wurde 1960 in Feldkirch geboren. Er erhielt unter anderem das Literaturstipendium des Landes Vorarlberg 2006 und den Dresdner Lyrikpreis 2008. Futscher lebt seit 1986 in Wien, realisiert jedoch in Vorarlberg regelmäßig Projekte unter anderem mit Schulklassen. Zuletzt bespielte er die James-Joyce-Passage in Feldkirch.

„Ich erinnere mich gern an meinen Vater, der eines Tages einfach fortgeflogen ist…“, schreibt der Autor in einem kurzen Prolog. Was nach diesem „Abflug“ von den Erinnerungen an den Vater bleibt, ist lückenhaft und fragmentarisch. Womöglich kommt aber gerade das Futschers unprätentiöser und doch virtuoser Sprachkunst entgegen, die die kurzen Stücke ausmachen. Der ausgeprägte Humor des Protagonisten setzt sich in Futschers Erzählweise fort. Doch es geht nicht nur um den Witz, sondern auch um die Liebe zwischen Vater und Sohn, und um das Leben, das auch für einen Vogel nicht immer unbeschwert ist. Dieses Buch ist ein kurzweiliges Lesevergnügen!

Christian Futscher. Mein Vater, der Vogel. Czernin Verlag, 112 Seiten, 20 Euro.

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