Kultur

Ein Tanzfestival geht neue Wege

23.03.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Liquid Loft bereichert die März-Ausgabe von tanz ist mit "Stranger Than Paradise". <span class="copyright">Chris Haring</span>
Liquid Loft bereichert die März-Ausgabe von tanz ist mit "Stranger Than Paradise". Chris Haring

Das tanz ist Festival startet im März mit einer Online-Ausgabe.

Die neuesten Lockerungen im Vorarlberger Kultursektor möchte Günter Marinelli nicht unbedingt als „Öffnung“ bezeichnen. Denn vieles sei immer noch nicht möglich, sagt der Choreograf, Tänzer und künstlerische Leiter des tanz-ist-Festivals, im Gespräch. Auch er freue sich, dass es wieder kleinere Veranstaltungen gibt, was aber kaum Erwähnung finden würde, sei die Tatsache, dass Gastspiele und sonstige „Kunst, die von außen kommt“ immer noch draußen bleiben. Für die international verknüpfte Tanzszene und sei dies ein großes Problem, so Marinelli. Auch österreichische Compagnien hätten derzeit kaum eine Möglichkeit aufzutreten.

Günter Marinelli.<span class="copyright"> tanz ist</span>
Günter Marinelli. tanz ist

Zum Glück hat der tanz-ist-Kurator für dieses Jahr vorgesorgt: Statt zwei Festival­ausgaben gibt es 2021 vier Tanzprojekte, um bei einer eventuellen Absage nicht gleich ein großes Programm zu verlieren. Los geht es schon heute mit der Schiene „tanz ist exceptional“, bei der zwei besondere Filmproduktionen online und kostenlos zu sehen sind. Das nächste Programm im Juni soll wieder analog am Spielboden Dornbirn stattfinden. Doch ob dabei wie geplant die belgische Compagnie Mannès/Turine/Lemaître ihr Stück „Forces“ das erste Mal in Österreich zeigen wird, sei alles andere als sicher, meint Marinelli. Unterkunftsmöglichkeiten oder die Frage der Quarantänepflicht: Vieles sei noch offen, so der Choreo­graf, der dem Vorarlberger Publikum gerne die „hochkarätige“ Produktion zeigen würde. Alternativ werde man auf eine heimische Compagnie zurückgreifen.

Tanz und Film

Heute um 18 Uhr startet das erste Streaming, das danach 30 Stunden lang abrufbar ist. Zu sehen ist der Film „Shirley – Visions of Reality“ des österreichischen Filmemachers Gustav Deutsch, der 2019 verstarb. Die Hauptrolle spielt die Tänzerin und Darstellerin Stephanie Cumming, die schon mehrmals bei tanz ist zu Gast war. Als Inspiration für das Werk dienten Bilder des Malers Edward Hopper: Anhand belebter Hopper-Bilder wird die Geschichte der Frau Shirley erzählt, die die Wirklichkeit um sich herum nicht als Gegebenheit ansieht, sondern als gemacht und veränderbar. Sie bewegt sich selbstbewusst im Amerika der 1930er- bis in die frühen 60er-Jahre.

Liquid Loft ist ein gern gesehener Gast bei tanz ist. <span class="copyright">Chris Haring</span>
Liquid Loft ist ein gern gesehener Gast bei tanz ist. Chris Haring

Ab Freitag zu sehen ist eine Tanz-Filmproduktion, die extra für die Corona-Situation kreiert wurde. Auch die österreichische Compagnie Liquid Loft mit dem künstlerischen Leiter Chris Haring ist ein regelmäßiger Gast beim Tanzfestival. In Kooperation mit dem Tanzquartier Wien hat die Truppe die neueste Produktion in ein filmisches Werk verwandelt. „Stranger Than Paradise“ wurde als eine Kombination von Bühnenperformance, Ausstattung und Live-Videoschnitt aufwendig produziert, und soll die Atmosphäre eines Road-Movies vermitteln – entliehen ist der Titel einem Jim-Jarmusch-Film von 1984.

Thematisch hat das Stück jedoch mit der Idee unseres Körpers als „Biomaschine“ beziehungsweise einer tier-menschlichen Existenz zu tun. Menschliche Kapazitäten werden erweitert in das „Mechanische, das Animalische, auch das ,Monströse‘“, wie Stefan Grissemann über das Stück schreibt.

Bühnen für junge Tänzer

Zum tanz ist Festival gehören auch Workshops und Projekte mit Jugendlichen. Dieses Jahr wollte man ein großes Projekt mit 500 jungen Tänzern realisieren. Aus dem Plan wurde nichts, aber Marinelli hat eine Alternative parat, um in das Leben der jungen Menschen wieder Schwung und Lebensfreude zu bringen: Im Sommer soll es an mehreren Orten Tanzbühnen im Freien geben, die von Schülern und Jugendlichen bespielt werden. Geplant sei auch ein Finale im Außenbereich des Spielbodens, informiert der Kurator. „Im Sommer werden wir das Land betanzen“, sagt Marinelli voller Vorfreude.

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