Kultur

Über die Folgen des Bestell-Wahns

26.03.2021 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Pakete Pakete". Achtung: Warme Kleidung wird empfohlen. <span class="copyright">Laurenz Feinig</span>
"Pakete Pakete". Achtung: Warme Kleidung wird empfohlen. Laurenz Feinig

“Pakete Pakete” vom Café Fuerte: witzig und absolut sehenswert.

Komplizierte Kunden, unbesetzte Warenannahmestellen, Radarfallen, Zeitdruck, und eine nicht endenwollende Masse an Paketen – Paketzusteller haben es alles andere als einfach. Es ist schon aberwitzig: Es gibt heutzutage nichts, das nicht im Internet bestellt und geliefert wird, vom Luxus-Lippenstift bis zum Katzenfutter. Und eine Kolonne an Paketboten, die wie unzählige Ameisen den weltweiten Warenzyklus aufrechterhalten, fährt Tag für Tag aus, um möglichst schnell die Massen an Päckchen vor die Haustür zu bringen – doch diese werden ohnehin oft wieder zurückgeschickt oder gleich weggeschmissen. Und außerdem bestehen sie sowieso hauptsächlich aus Verpackungsmaterial und Luft.

Gespielt wird in und um einen Lieferwagen. <span class="copyright">Laurenz Feinig</span>
Gespielt wird in und um einen Lieferwagen. Laurenz Feinig

Die Theatergruppe Café Fuerte liefert zu diesem Thema eine rasante Komödie, die in Vorarlberg am Parkplatz des Gasthaus Krone in Hittisau Premiere feierte. Zwar wird dem Zuschauer dabei die tendenziell wachsende Problematik und Absurdität dieses Systems vor Augen geführt, dennoch schafft es das Regieteam, ohne Moralkeule einen witzigen und spannenden Abend zu gestalten. Ein bisschen mulmig wird dem Publikum aber schon angesichts der Tragweite des Bestell-Wahns unserer Gesellschaft. Tobias Fend schrieb das Stück, das vier Lieferanten allerhand Abenteuer erleben lässt. Um und in einem Lieferwagen spielen sich die Szenen ab, in denen sich die Boten im Rhythmus des Schlagzeugs (Musik: Florian Wagner) durch ihren Alltag kämpfen.

Sympathisch

Das Publikum lebt mir den Lieferanten mit, die alle auf ihre eigene Art sympathisch sind. Matteo (Gregor Weisgerber) etwa muss Acht geben, dass er sich nicht mit den Empfängern verquatscht („Wenn du reingehst, hast du verloren!“). Den Zeitrückstand versucht er durch erhöhte Fahrgeschwindigkeit aufzuholen. Leider gerät ihm dadurch eine Katze unter die Räder. Also schnell zum Tierarzt mit dem Katzenbesitzer, einem schweren Kunden, der „Elefant“ genannt wird, und mit dessen Nachbarin mit den „schiefen Haaren“. Silvia (auch Jeanne Devos spielt sehr gut) ist eine sehr gewissenhafte und effiziente Botin. Doch ein Auftrag bei einer reichen Kundin gerät auf absurde Weise außer Kontrolle. Ob das Ärger gibt mit dem Chef, der immer dasselbe Hemd trägt und in seinem Container-Büro zu leben scheint?

Ab in den Häcksler

Harry (Tobias Fend) ist ein ganz besonderer Charakter: Der Feingeist hört gerne Wagner-Opern und hat immer wertvolle Tipps auf Lager. Doch am Ende kommt heraus, dass Harry in einem Schuppen Hunderte Pakete hortet. Irgendwann hat er aufgehört zu versuchen, mit der stetig steigenden Auftragslage mitzuhalten und angefangen, nicht mehr als 160 Pakete täglich zu liefern. Der Rest landet in seinem illegalen Lager, wie er den entsetzten Kollegen erzählt. Die Päckchen stopft er schließlich nach und nach in den Häcksler – außer den Wein, der muss verkostet werden.

Bis Sonntag, jeweils um 18 Uhr in Hittisau zu sehen. Weitere Termine: www.cafefuerte.at.

Dann kommt der Einsatz von Bob (John Kendall): Mit einem betont erotischen Gestus öffnet er genüsslich ein Paket, um dessen kostbaren Inhalt zu offenbaren. Es wird eben nicht nur unnützes Zeugs bestellt, das gleich vermüllt wird, sondern auch wertvolle Dinge, an denen sich viele Menschen erfreuen. Tänzer Kendall hat auch die dynamischen Tanzeinlagen entwickelt, die das Spiel sehr schön ergänzen. Regisseurin Danielle Fend-Strahm hat ein kurzweiliges Stück inszeniert, das den Spagat schafft zwischen Komik und der Behandlung eines ernsthaften Themas. Wie gut, dass es diese kunstvolle Form der Unterhaltung wieder gibt!

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