Kultur

Kulturakteure fordern Wertschätzung

09.04.2021 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Barbara Schöbi-Fink ist eine der Adressaten des Schreibens. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Barbara Schöbi-Fink ist eine der Adressaten des Schreibens. Oliver Lerch

Offener Brief an Landesregierung hat rund 90 Unterzeichner.

“Wir müssen über Verteilung reden!“ – das ist der Titel eines offenen Briefs, den die Regisseurin und Kulturarbeiterin Brigitta Soraperra als eine von mehreren Initiatoren verfasst hat. Gestern gelangte das Schreiben via Mail an Landeshauptmann Markus Wallner, Kulturreferentin Barbara Schöbi-Fink und den Vorarlberger Landtag. Unterzeichnet wurde es von rund 90 Kunst- und Kulturschaffenden, die in Vorarl­berg in den verschiedensten Bereichen, als Selbstständige oder innerhalb von Institutionen tätig sind. Die Unterzeichner sehen die Kultursparte im Vergleich zu anderen Bereichen benachteiligt und fordern eine Gleichstellung. Neben höheren Investitionen fordern sie eine größere Wertschätzung ihrer Arbeit seitens der Politik.

Brigitta Soraperra ist eine der Initiatoren der Aktion. <span class="copyright">Hartinger</span>
Brigitta Soraperra ist eine der Initiatoren der Aktion. Hartinger

Kritik am Stellenwert von Kultur in der Landespolitik gab es bereits vor der Corona-Pandemie. In der Krise würden sich nun die bereits bestehenden Problematiken deutlicher zeigen, meint Soraperra im Gespräch. „Das Fass zum Überlaufen gebracht“ habe die Ankündigung von Wallner und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler am 23. März, heuer 9,5 Millionen Euro an Wirtschaftsförderung bereitzustellen – mehr als im Vorjahr. Im Dezember wurde außerdem eine Erhöhung der Investitionen auf insgesamt 102 Millionen Euro beschlossen. Das Kulturbudget wurde hingegen gekürzt. „Angesichts dieser Zahlen und Maßnahmen bleibt uns, den Vorarlberger Kulturschaffenden, buchstäblich die Spucke weg“, heißt es in dem offenen Brief.

Wertschöpfung

Dass der Kulturbereich bei diesen Investitionen in die „Zukunftsfähigkeit des Landes“, wie es vonseiten der Politik hieß, nicht berücksichtigt werde, lasse nach Meinung der Unterzeichner des Briefs erkennen, wie es um die Wertschätzung ihrer Arbeit bestellt sei. „Wir fordern endlich Gleichstellung und Gleichbehandlung des Kultursektors mit allen anderen Bereichen, denn wir sind ein genauso wichtiger Wirtschaftsfaktor wie Handel, Tourismus, Gastronomie, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Straßenbau“, ist in dem Brief zu lesen. Verwiesen wird nicht nur auf die Wertschöpfungseffekte des Kultursektors – diese werden laut einer Studie auf rund 9,8 Milliarden Euro österreichweit geschätzt –, sondern auf die Bedeutung von Kunst und Kultur für die psychische und seelische Gesundheit von jungen Menschen und Erwachsenen.

Auch Monika Helfer hat den Brief unterzeichnet. <span class="copyright">Isolde Ohlbaum</span>
Auch Monika Helfer hat den Brief unterzeichnet. Isolde Ohlbaum

Gefordert wird in dem Brief eine langfristige und ernstzunehmende Investitionsstrategie, mehr Bemühungen für „Fair Pay“ sowie die Verdopplung des aktuellen Kulturförderbudgets.

Ausgespielt

Die Adressatin des Briefs, Schöbi-Fink, verteidigte sich im Gespräch mit der NEUE gegen die Kritik. Grundsätzlich habe sie ein Problem damit, wenn einzelne Bereiche gegeneinander ausgespielt werden würden. Die Kulturreferentin würde sehr wohl die Bedeutung von Kunst und Kultur erkennen, und diese keinesfalls als verzichtbares Luxusgut oder Hobby sehen. Es würde ihr persönlich sehr leid tun, wenn dies nicht so gesehen werde.

“Einigermaßen vertretbar”

Das Kulturbudget sei einstimmig beschlossen worden, bewusst sei bei den Kürzungen, die etwa bei der Kuges „einigermaßen vertretbar“ seien, die freie Szene verschont worden. 2020 und 2021 wurden beziehungsweise werden wegen der Corona-Krise insgesamt 1,4 Millionen Euro zusätzlich bereitgestellt – für Soraperra stellt dies eine wichtige, aber eben nur kurzfristige Hilfe dar. Sie möchte die Kunst nicht als Bittsteller sehen, sondern als investitionswürdiger Innovationsmotor der Gesellschaft.

“Ergebnisoffen”

Was das Kulturbudget betrifft, betont Schöbi-Fink, dass dieses nicht zur Existenzsicherung dienen kann, sondern zur Förderung für Kultur – für Ersteres gebe es andere Mittel. „Fair Pay“ sei jedenfalls ein wichtiges Thema, man wolle es aber „genau wissen“, und warte diesbezüglich noch die Ergebnisse der FH-Studie zum Thema Prekariat in der Kultur ab. Dies sei ein „ergebnisoffener Prozess“.