Kultur

Wie Ortskerne geknackt werden

12.04.2021 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von links: Marco Tittler, Sarah Rinderer, Lorenz Schmidt (Vorstand der Abteilung Raumplanung und Baurecht), Katharina Ralser und Dieter Egger. <span class="copyright">VLK/Bernd Hofmeister</span>
Von links: Marco Tittler, Sarah Rinderer, Lorenz Schmidt (Vorstand der Abteilung Raumplanung und Baurecht), Katharina Ralser und Dieter Egger. VLK/Bernd Hofmeister

“Raum-Bild-Geschichten“ in Hohenems über Raumplanung.

Wie ein Ortskern wohl so schmeckt, das fragt sich Sarah Rinderer. Die junge, aus Bregenz stammende Autorin hat einen Text für die erste literarische Intervention im Stadtraum von Hohenems geliefert, welche sich mit dem Thema Raumplanung beschäftigt. Mit dem Kooperationsprojekt der Abteilung Raumplanung und Baurecht der Landesregierung und dem literatur:vorarlberg netzwerk soll das Bewusstsein in der Bevölkerung für eine hochwertige Raumplanung gestärkt werden, wie die Verantwortlichen ges­tern bei einer Pressekonferenz informierten. Das komplexe Thema werde nämlich üblicherweise in einer „abstrakten Sprache“ kommuniziert, meinte Raumplanungslandesrat Marco Tittler. Kultur und Literatur sollen hier nun vermitteln und das Abstrakte im Alltag greifbar machen, so der Landesrat.

Die erste Intervention in Hohenems. <span class="copyright">VLK/Frauke Kühn</span>
Die erste Intervention in Hohenems. VLK/Frauke Kühn

Durch diesen neuen kulturellen Zugang erhoffen sich die Initiatoren einen Schub für den zukünftigen Bürgerbeteiligungsprozess, mit dessen Hilfe eine zukunftstaugliche Raumplanung in Vorarlberg entwickelt werden soll. Das 2019 präsentierte „Raumbild Vorarlberg 2030“ ist das Leitbild dieser Entwicklung. Die erste Intervention mit dem Titel „Ortskerne knacken“ an der Bushaltestelle beim Emser Schlossplatz ist der Startschuss für eine längerfristig angelegte Reihe. Im Sommer soll es im öffentlichen Raum in Hohenems um Zwischennutzung gehen, der Begriff „Sichtbeziehung“ gerät im Herbst/Winter in den Fokus. Ähnliche Aktionen sollen in anderen Gemeinden folgen.

Begegnungen

Raum-Bild-Geschichten“ werden die Interventionen genannt, denn als Stilmittel wurde der Graphic Novel gewählt, der als literarisches Comic bezeichnet werden kann. Zu Rinderers sinnlichem Text gesellt sich am Haltestellen-Häuschen eine Arbeit der in Hohenems aufgewachsenen Illustratorin Katharina Ralser. In der Verbindung von Bild und Wort erzählen die beiden die Geschichte einer bereichernden Begegnung und Raumerfahrung – so soll der öffentliche Raum auch in Zukunft Freiräume für Begegnungen bereitstellen. Der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger nannte hierbei die Verdichtung von Ortszentren als „neue Herausforderung“.

“Ungehobene Schätze”

Für Frauke Kühn, Kulturmanagerin und Geschäftsführerin von literatur:vorarlberg netzwerk, ist der öffentliche Raum nicht nur eine „unglaublich attraktive Alltagsbühne“ für Künstler, sondern auch eine sehr niederschwellige und demokratische Plattform. Sperrig klingende raumplanerische Begriffe wie „Verinselung“ oder „Durchwegung“ seien für die Autoren in Wahrheit „ungehobene Schätze für lustvolle Fiktion“.

Marco Tittler bei der Pressekonferenz. <span class="copyright">VLK/Bernd Hofmeister</span>
Marco Tittler bei der Pressekonferenz. VLK/Bernd Hofmeister

Weitere Programme und Begleitprojekte sind geplant. Nach rund drei Wochen folgen Bildsequenzen auf den Screens in den Bussen. Außerdem werden Schüler der Mittelschule Hohenems Herrenried im Herbst mit den Autoren Ruth Schmiedberger und Amos Postner den Geschichten ihrer Lieblingsorte nachspüren. Das Ergebnis werden Audiodateien sein, die an den jeweiligen Orten abrufbar sind, erklärte Kühn.

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