Kultur

“Schlafes Bruder” sinnlich erleben

27.04.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Luzian Hirzel und Maria Lisa Huber als Elias und Elsbeth. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Luzian Hirzel und Maria Lisa Huber als Elias und Elsbeth. Anja Köhler

Am Donnerstag feiert das Theaterstück Premiere.

“Schlafes Bruder“ ist weit über die Landesgrenzen hinaus ein wohl bekannter Stoff. Der düster-dramatische Debütroman von Robert Schneider wurde 1992 ein internationaler Erfolg, zwei Jahre später trug der Film von Joseph Vilsmaier Bilder der Vorarlberger Berglandschaft in die Welt hinaus. Ein Musiktheater gibt es auch schon – und nun trägt ein weiteres Theaterstück diesen Titel, am Donnerstag wird am Vorarlberger Landestheater Premiere gefeiert. In welcher Form sich der Roman dabei auf der Bühne zeigt, das erzählte die Regisseurin Teresa Rotemberg im Gespräch.

Teresa Rotemberg. <span class="copyright">Gregory Batardon</span>
Teresa Rotemberg. Gregory Batardon

Rotemberg lebt in der Schweiz, wo sie als Regisseurin und Choreografin arbeitet. Neben der Produktion eigener Tanzstücke mit der Compagnie Mafalda ist sie immer wieder als Gastchoreografin tätig, am Landestheater hat sie unter anderem für „Cold Songs : Rom“ den Prolog mit dem Bürger*innenchor gestaltet. Rotemberg führt aber auch im Schauspiel Regie. „Ich komme aus dem Tanz, aber für mich sind alle Sparten gleichberechtigt“, sagt die in Argentinien geborene Künstlerin. Die Körperlichkeit der Figuren spiele jedenfalls eine wesentliche Rolle in ihrer Arbeit, wie sie erklärt. Und auch in dieser Produktion folgen die Schauspieler einer Choreografie.

Orgelspiel

Musik spielt selbstverständlich auch hier eine wichtige Rolle, geht es doch um das musikalische Genie Elias Alder, welches, in einem kleinen Vorarlberger Bergdorf im frühen 19. Jahrhundert geboren, unfassbar ist für das beengte bäuerliche Umfeld, ja sogar ins Göttliche ragt. Livemusik auf der Orgel wird es naturgemäß keine geben, dafür konnte die Regisseurin den bekannten Orgelspieler Pater Theo Flury für die musikalischen Passagen gewinnen, die in einem Schweizer Kloster aufgenommen wurden und in der Inszenierung eingespielt werden – etwa in der legendären Szene, wenn Elias beim Orgelfest das Publikum überwältigt. Flury habe aber auch andere Geräusche vertont, die die Geschichte begleiten, wie die Regisseurin verrät. Der Bürger*innenchor kommt ebenfalls zum Einsatz.

Unfassbares Genie: "Schlafes Bruder".<span class="copyright"> Anja Köhler</span>
Unfassbares Genie: "Schlafes Bruder". Anja Köhler

Inhaltlich stehe besonders die Dreiecksbeziehung von Elias (Luzian Hirzel), seiner Liebe Elsbeth (Maria Lisa Huber) und deren Bruder Peter (Nico Raschner) im Fokus, erklärt Rotemberg. Elias’ schmerzhafte Liebe zu Elsbeth, die ja bereits beginnt, als er ihr Herzklopfen im Mutterleib hört, oder Peters Eifersucht, die ihn zum Brandstifter macht: Das sind wichtige Elemente in der Inszenierung, meint die Regisseurin. Die Erzählung bleibe dabei stets nahe an Elias und seinen Emotionen. Wenn der Zuschauer mit der Hauptfigur die magischen Passagen erlebt, die sich der Realität entheben, dann gewinne die Choreografie, die bei Elias auch tänzerische Momente aufweise, an Bedeutung.

Emotionalität

Wie wurde nun mit dem Text verfahren? Die Worte aus dem Roman, der bekannterweise in einer besonderen „Kunstsprache“ verfasst wurde, seien nicht verändert worden, informiert die Regisseurin. Dialoge seien übernommen worden – genauso wie auch Textstellen, die in der dritten Person erzählen: Die Zuschauer können gespannt auf diesen Effekt sein, wenn die Darsteller in der dritten Person sprechen. Für Rotemberg besitzt Schneiders Roman eine große Emotionalität und Sinnlichkeit, und ein sinnliches Erlebnis möchte sie auch dem Publikum bieten. Vorlagen für ausdrucksstarke Bilder gibt es im Roman ja genug, Sabina Moncys hat dafür das Bühnenbild geschaffen sowie Kos­tüme, die sich an der regionalen Tradition orientieren. Bei all der Dramatik und trostlosen Traurigkeit der Geschichte gebe es übrigens auch witzige Momente, die uns die Regisseurin zeigen möchte.

Zum Stück

„Schlafes Bruder“ von Robert Schneider. Premiere morgen, 29. April, 18 Uhr am Vorarlberger Landestheater. Insgesamt gibt es 14 Termine, gespielt wird am frühen Abend und nachmittags. Infos und Tickets: www.landestheater.org.

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