Kultur

Am Ende geht ein iPhone auf

07.05.2021 • 21:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erfolgreich uraufgeführt: "Supa Hell". <span class="copyright">Caro Stark</span>
Erfolgreich uraufgeführt: "Supa Hell". Caro Stark

Kosmodrom: “Supa Hell“ ist ein absurd-witziges Stück.

Es ist sehr heiß. Und es ist sehr hell. Grauer Sand überall, hie und da reckt sich ein verdörrtes Bäumchen in den Himmel. Supernovae spiegeln sich an der Oberfläche, da, wo warme und kalte Luftschichten aufeinandertreffen. Das was da ist, lässt sich genau beschreiben – aber viel ist es eben nicht. In diese irreale Landschaft setzen die Autoren Sophie Blomen und Max Reiniger die Protagonistin X Æ A-12, die in ihrem Marsch auf diesem merkwürdigen Planeten Erde der Zukunft auf zwei ebenso merkwürdige Figuren trifft – um dann mit dem Ende dieser Welt zu einem neuen Leben zu finden. Hauptsache ist aber, dass man nicht alleine ist, so lautet eine Botschaft dieses Stücks, wie Autorin Blomen im Gespräch nach der Uraufführung erklärte.

Simone Loser (l.) mit Jeanne-Marie Bertram.<span class="copyright"> Caro Stark</span>
Simone Loser (l.) mit Jeanne-Marie Bertram. Caro Stark

„Supa Hell“, das am Donnerstag beim Kosmodrom im Theater Kosmos erstmals gezeigt wurde, macht – im Kosmos verortet – diesem Rahmen alle Ehre. Es handelt sich um das Siegerstück des Kosmodrom-Stückewettbewerbs 2020, das unter dem Thema „Life in 2050“ ausgeschrieben wurde. Eigentlich könnte davon ausgegangen werden, dass bei dieser Thematik eine dystopische Vision der nahen Zukunft entworfen wird, die zum Beispiel ein Gesellschaftsbild zeichnet, das als Zuspitzung der Gegenwart erkannt werden kann. Doch das Autorenduo wählte einen anderen Weg: In dieser höchst absurden Welt werden dem Publikum wenig Indizien hinterlegt, die eine direkte Linie zu unserer Gegenwart ziehen.

Ein kosmisches Stück im Kosmodrom.<span class="copyright"> Caro Stark</span>
Ein kosmisches Stück im Kosmodrom. Caro Stark

Ein starkes Indiz dieser Art ist aber der Name der Protagonistin, der nicht zufällig jenem des Sprösslings von Tesla-Chef Elon Musk gleicht, der vergangenes Jahr geboren wurde. Wir sehen nun also eine Vertreterin dieser Generation im jungen Erwachsenenalter, verkörpert von Jeanne-Marie Bertram. Sie quält sich schwitzend durch die Landschaft, und auch ihr scheint die Umgebung ein Rätsel zu sein. Um sich in der kalten Nacht zu wärmen, verheizt sie ein ver­dörrtes Bäumchen – oder die Knochen eines soeben verstorbenen Flamingos, der zuvor noch über die Wellen des Meeres philosophierte (rosa gekleidet und mit Schnabel: Robert Kahr).

Schlüsselmoment

Ein Schlüsselmoment ist die Begegnung mit einem sportlichen Kohlenstoffatom (Simone Loser), für das die Supernovae am Himmel ein Versprechen sind, „dass alles letztendlich doch zusammengehört“. Mit dem sympathischen Atom erlebt dann X Æ A-12 das Ende dieser Welt in einer Art kosmischen Apokalypse – doch ist es wirklich das Ende? Blomen und Reiniger finden einen tröstlichen Schlusspunkt dieses Stücks. In der nachgestellten Apotheose steigt auch schon wieder ein iPhone am Himmel auf: Das ist auch ein sehr reales Element unserer Gegenwart.

Absurd

Statt einer konkreten Dystopie bieten die Autoren von „Supa Hell“ dem Publikum eine witzig-absurde Theaterreise ins Universum an. Und ein wenig absurd ist unsere Welt ja auch – diese Welt, in der einer der bekanntesten Männer seinen Sohn X Æ A-12 nennt. Kosmodrom-Kurator Stephan Kasimir, dem das absurde Theater nicht fremd ist, hat zusammen mit Ausstatterin Caro Stark und den tollen Schauspielern eine schöne Inszenierung dazu geschaffen. Am Samstag ist das Stück noch zu sehen (www.theaterkosmos.at).