Kultur

Des Wilden Zähmung

10.05.2021 • 18:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Kaspar“ in der Wildpark-Kulisse. <span class="copyright">Heidi Salmhofer</span>
„Kaspar“ in der Wildpark-Kulisse. Heidi Salmhofer

Applaus bei der Premiere von Handkes „Kaspar“ im Wildpark.

Das Wetter meinte es am Freitag gut mit der Premiere von Peter Handkes „Kaspar“ im Wildpark. Rechtzeitig endete der Regen, womit das Publikum bei Sonnenschein der Menschwerdung von Kaspar beiwohnen konnte. Andreas Jähnert inszenierte das im wahrsten Sinne des Wortes sprachgewaltige Werk auf eine sehr spezielle und wirkungsvolle Art. Auch die Kulisse im Steinwildgehege, mitsamt den Geräuschen der Umgebung, sorgte für ein besonderes Theatererlebnis, dass das Publikum mit starkem Applaus würdigte.

Auch sehr körperlich wird Kaspar auf seinen Platz verwiesen.<span class="copyright"> Heidi Salmhofer</span>
Auch sehr körperlich wird Kaspar auf seinen Platz verwiesen. Heidi Salmhofer

Nach der Vorlage der historischen Figur Kaspar Hauser erschuf Handke ein Werk, das die Domestizierung eines Menschen durch Sprache nachzeichnet. Sprache lässt uns nicht nur kommunizieren, sie lässt uns auch die Dinge benennen, voneinander unterscheiden und ordnen. Diese Aneignung und Taktung der Welt geschieht auch mit dem Menschen selbst, der mittels der Sprache kategorisiert und nutzbar gemacht wird. Diese Kernthematik des Stücks bringen die Schauspieler eindrücklich und präzise zur Geltung. Sascha Jähnert überzeugt als Kaspar, der zuerst unbeholfen aus seinem Baumhaus-Zelt klettert. Selbst der Körper funktioniert noch nicht ganz, als er sich zuerst steif bewegt. Ausgestattet ist der „Wilde“ anfänglich nur mit einem Satz. Doch das ändert sich, als mit dem Pkw das restliche Ensemble ankommt.

Weiße Kittel

Gänsehaut. Deutlich, bestimmt und in strenger Manier lässt die „Einsagerin“ (sehr gut: Virginia V. Hartmann) den Wortschatz von Kaspar anwachsen. Die Gewalt der Unterdrückung wird noch verstärkt durch die Gehilfen Zaman Rahimi und Muhammad Nedib, die Kaspar auch körperlich auf seinen Platz verweisen. Dass die Darsteller in weißen Kitteln gekleidet sind, sorgt zusätzlich für Gänsehaut. Musikalische Einlagen und Gesänge in einer fremden Sprache verleihen dem Stück eine zusätzliche Dimension.

Weitere Termine: 14., 15. und 16. Mai, 18 Uhr. Reservierung: kaspar.wildpark@gmail.com.

Gegen Ende der Inszenierung verteilt ein weiterer Gehilfe Pflanzen an die Zuschauer, während die Lage auf der Waldbühne bedrückender wird. Kaspar kann sich nun ausdrücken, doch die Konformität seiner selbst lässt das Herz schwer werden („Ich will still sein“). Manche Elemente dieser insgesamt sehr gelungenen Inszenierung hinterlassen offene Fragen, am stärks­ten wirkt das Stück, wenn die Schauspieler mit ihrem sprachlichen Können diesem großartigen Werk Handkes Leben einhauchen: eine Empfehlung!

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