Kultur

Große Themen im kleinen Kreis

11.05.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Alle meine Söhne“ am Vorarlberger Landestheater überzeugte bereits beim Probenbesuch. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
„Alle meine Söhne“ am Vorarlberger Landestheater überzeugte bereits beim Probenbesuch. Anja Köhler

Endlich kommt „Alle meine Söhne“ für alle auf die Bühne.

Medienvertreter durften im Februar bei einer Probe dabei sein, eine Livestream-Premiere exklusiv für das Abo-Publikum folgte, nun kommt Arthur Millers „Alle meine Söhne“ wieder auf die Bühne des Vorarlberger Landestheaters – diesmal für alle Interessierten. Heute feiert die Inszenierung von Niklas Ritter im Großen Haus Premiere. Im Gespräch liefert der Regisseur vorab Hintergründe zum Stück und seiner Herangehensweise an den Stoff.

Günter Alt, Luzian Hirzel und Katharina Uhland. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Günter Alt, Luzian Hirzel und Katharina Uhland. Anja Köhler

Miller war ein Meister darin, große gesellschaftliche Themen in einem kleinen Kosmos zu verdeutlichen – so auch in „Alle meine Söhne“, das kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht wurde. Joe Keller und sein Geschäftspartner Steve Deever lieferten fehlerhafte Maschinenteile für Kampfflugzeuge, es gab Tote. Steve Deever ging dafür ins Gefängnis, Joe Keller ist noch frei. Ein Komplex aus Schuld und Verdrängung liegt schwer auf der Familie und belastet auch die nächste Generation. Der Widerspruch des Amerikanischen Traums, sowie das Motiv Profitgier im Krieg zeigen also in dieser familiären Kleinstruktur Wirkung.

Lüge

Dieses Kammerspiel-artige Format sei für Ritters Regiearbeiten eigentlich nicht üblich, wie er sagt. Alles spielt sich an einem Ort ab, in relativ chronologischer Reihenfolge. Der Fokus liegt also ganz auf den Figuren und den Kampf, den sie austragen. „Dafür braucht es gute Schauspieler, und das ist hier der Fall“, sagt Ritter. Die Figur der Mutter Kate etwa, verkörpert von Katharina Uhland, findet der Regisseur spannend. Was weiß sie, was ist ihr bewusst? Ihre Vorgabe, nicht zu wissen, dass der Sohn Larry tot ist, hält die Familie – noch – zusammen. Joe Keller (Günter Alt) hingegen glaube bereits so sehr seine eigene Lüge, dass er die Gefahr aufzufliegen gar nicht mehr erkenne.

Drohnenpilot

Wie bereits berichtet, holt Ritter die Geschichte ins Heute, besonders, was das Kriegstreiben betrifft. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätte das US-amerikanische Militär als Kämpfer gegen den Faschismus noch die moralische Hoheit behaupten können – Miller trat dem entgegen, indem er Profitinteressen thematisierte. Nun, nach dem Vietnamkrieg etwa, sei dieses moralische Manko zwar noch aktuell, aber keine Neuheit mehr, erklärt der Regisseur. Hier ist es der Einsatz von Drohnen, der das Stück in die Gegenwart setzt, denn der junge Mann Chris Keller (Luzias Hirzel) ist einen Drohnenpilot. Die Soldaten kämpfen im Krieg, während die anderen in der Heimat Geschäfte machen – diese Unterscheidung sei heute aufgeweicht, denn die Drohnen werden nicht vom Schauplatz des Angriffs, sondern vom Inland aus gesteuert, so Ritter. Die psychischen Folgen für einen Drohnenpiloten seien jedoch nicht geringer als die eines Soldaten an der Front, fügt er hinzu.

Die Inszenierung wird Corona-bedingt mit Verzögerung gezeigt.<span class="copyright"> Anja Köhler</span>
Die Inszenierung wird Corona-bedingt mit Verzögerung gezeigt. Anja Köhler

Für den Livestream hat Ritter die Inszenierung auf die Aufzeichnung ausgerichtet, und nun wieder für die Bühne umkonzipiert. Geändert habe sich im Vergleich zum Probenbesuch kaum etwas  – und so gibt es auch das Bühnenbild von Ritter und Ines Burisch zu erleben. Musik gibt es von Tilman Ritter und Pauline Jung.

Premiere heute um 18 Uhr im Vorarlberger Landestheater. Infos, Termine: www.landestheater.org.

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