Kultur

Einfach an den Strand geträumt

17.05.2021 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Mighty Oaks: Claudio Donzelli, Craig Saunders und Ian Hooper. <span class="copyright">Marco Fischer</span>
Die Mighty Oaks: Claudio Donzelli, Craig Saunders und Ian Hooper. Marco Fischer

Ian Hooper von den Mighty Oaks im Gespräch über das neue Album.

Die neuen Songs sprühen eine unglaubliche positive Energie aus. Woher nehmen Sie diese Kraft?
Ian Hooper: Die Lieder sind nicht durchwegs positiv, aber auf jeden Fall steckt viel Hoffnung in ihnen. Ich bin ja nicht unbedingt der Typ, der nur rumsitzt und jammert. Die Musik hilft mir und ich verarbeite viel darin. Für mich ist die Musik manchmal auch eine Flucht aus der Realität.

Das aktuelle Album wurde in Ihrem neuen Homestudio aufgenommen. Wie war diese Erfahrung für Sie als Band?
Hooper: Wir waren schon in sehr vielen bekannten Studios. Ich habe aber daraus gelernt, dass es nicht nötig ist, so viel Geld auszugeben. Ich habe geschaut, was wir an Equipment gut gebrauchen können und habe mir das über die Jahre angeschafft. Es braucht vor allem einen Raum, der gut klingt, und gute Musiker. Die Platte klingt sogar besser als die vorhergehenden und man hört, dass wir Spaß hatten. Für uns war es definitiv ein Prozess, wo jeder viel Selbstverantwortung übernommen hat.

Die Band

Die Mighty Oaks bestehen aus dem Trio Ian Hooper (USA), Claudio Donzelli (ITA) und Craig Saunders (GB). Die drei leben und arbeiten in Berlin. Die Band produziert seit 2010 Folk-Pop-Sound. Ihren Durchbruch feierte sie 2014 mit ihrem Album „Howl“.

Das Titellied heißt „Mexico“. Ist Mexiko ein Sehnsuchtsort?
Hooper: Ja, Mexiko ist ein wunderschönes Land. Im ersten Lockdown habe ich mich einfach nach Mexiko an den Strand geträumt, das war eine kleine Reise in meinem Kopf.

Was hat es mit dem Song „What Are You Fighting For“ auf sich? Ist das eine Anspielung auf die Trump-Ära?
Hooper: Ja, schon. Es handelt von Leuten, die etwas behaupten und dabei mit komplett falschen Informationen argumentieren. Die Welt ist stark polarisiert. Jeder findet im Internet eine Begründung für seine Denkweise. Ich habe im letzten Jahr einige Freunde verloren, die echt extrem schräg drauf waren.

Wofür kämpfen Sie?
Hooper: Es ist mir wichtig, res­pektvoll zu den Menschen zu sein. Man kann immer von anderen lernen. Ich versuche, um Verständnis zu kämpfen, für eine gute Umwelt, für Menschenrechte. Ich denke an die Zukunft, Frauenrechte sind mir auch sehr wichtig. Ich hänge das aber alles nicht an die große Glocke und versuche nicht, das zu predigen. Wenn Leute darüber sprechen wollen, dann ist das okay und ich lass mich auf die Diskussion ein. Wir als Migthy Oaks wollen Donald Trump kein Lied widmen, das ist mir zu blöd. Ich will lieber, dass unsere Musik in 20 oder 30 Jahren noch gut da steht und nicht einem so engen Zeitrahmen zugeordnet wird. Bob Dylan hat das zum Beispiel sehr gut gekonnt.

Sehnsuchtsort Strand. <span class="copyright">Marco Fischer</span>
Sehnsuchtsort Strand. Marco Fischer

Ist der Musikstil dieser Platte ein „Back to the roots“?
Hooper: Da ist sicher mehr Migthy Oaks drin als bei den letzten Alben, die Lieder sind besser, mehr Singer-Songwriter, aber trotzdem nicht so krass abgespeckt, dass es nur Folk ist. Es ist ein Hauch Pop dabei und das Album ist mehr produziert als auf unserem Debüt „Howl“ (2014). Ich habe die Songs in einem Rutsch geschrieben, darum ist es auch als Ganzes sehr harmonisch geworden.

Wie waren die Aufnahmen zur Fernsehshow „Sing My Song“?
Hooper: Viel besser, als ich gedacht hätte. Ich kam mit allen Musikern gut klar und es hat sehr viel Spaß gemacht. Am Anfang kannte ich niemanden, aber es hat super geklappt. Keiner hatte ein riesiges Ego. Das Format an sich ist ein Traum. Man macht Mucke mit einer großartigen Backing-Band und trinkt ein Bier, das hat meine Erwartungen übertroffen. Bei unserer Folge sitze ich viel auf der Couch und erzähle über mich und über die Bandgeschichte. DJ Bobo spielt sogar ein Mighty-Oaks-Lied, ich hätte vorher nicht gedacht, dass er das kann.

Sie waren 2019 beim poolbar-Fes­tival dabei. Haben Sie besondere Erinnerungen an Vorarlberg?
Hooper: Ich liebe die Berge und das Wandern. Beim Festival war ich am Morgen joggen, es war ein echt heißer Tag. Es ist eine super schöne Gegend, wo wir gerne spielen. Das Publikum geht da immer richtig mit.

Daniel Furxer

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