Kultur

“Wir spielen die Musik, die uns packt”

21.05.2021 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
V.l.: Johannes Bernhard, ­Lukas Rüdisser und Christoph Lutz. <span class="copyright">Johannes Maria Haslinger</span>
V.l.: Johannes Bernhard, ­Lukas Rüdisser und Christoph Lutz. Johannes Maria Haslinger

Lukas Rüdisser spricht über die neueste CD des Trios Lippentriller.

Orchesterwerke aus dem Klassik-Kanon, der weltbekannte Gospelsong „Amazing Grace“, oder volkstümliche Lieder aus dem Alpenraum: Das Horntrio Lippentriller, bestehend aus Johannes Bernhard, Lukas Rüdisser und Christoph Lutz, schöpft aus diesem breiten Spektrum und verwandelt die Musik-Schätze gekonnt in Arrangements für drei Hörner – und Alphörner. „Telling“ ist feinste Kammermusik, die zu einer Klangreise im Wohnzimmer einlädt.

Welche Idee steckt hinter Ihrem neuen Album?
Lukas Rüdisser: Unser Trio gibt es seit 2010, das heißt, 2020 war eigentlich das zehnjährige Jubiläum von Lippentriller. Unsere Herangehensweise war immer, dass wir die Musik spielen, die uns berührt, die wir auch im Alltag hören. Wir spielen die Musik, die uns packt, und die schneidern wir uns auf den Leib. Das haben wir die ganzen Jahre über so praktiziert. Im vergangenen Jahr entstand die Idee, das auf CD zu bringen. Diese Mischung zeichnet uns aus: Uns fasziniert eine alpenländische Weise oder ein Walzer, der in Richtung Volksmusik geht, genauso wie Werke gro­ßer Meister – von Palestrina angefangen, bis zu Mendelssohn Bartholdy, Richard Strauss oder Mahler. Deshalb entstand diese bunte Mischung. Dieses Album spiegelt uns als Trio und unsere Ausrichtung ganz stark wider.

Zur Person

Lukas Rüdisser wurde 1983 in Bregenz geboren. Erster Hornunterricht bei Murat Üstün, Studium am Vorarlberger Landeskonservatorium und an der Musikhochschule München. Rüdisser ist in mehreren Formationen und Orchestern tätig, auch im Symphonieorchester Vorarlberg. Er lebt in München.

Wie kamen Sie zum vieldeutigen Titel „Telling“? Der hat ja nicht nur etwas mit dem englischen Begriff von „erzählen“ zu tun, sondern auch mit Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“.
Rüdisser: Wir fanden, dass sich mit diesem Titel ein großer Kosmos aufgetan hat. Die Grundintention ist, dass wir die Musik für sich selbst sprechen lassen wollen. Wir wollten gar nicht viel drumherum reden, und so erschien uns dieser Titel als sehr passend. Deshalb haben wir uns auch an der Stelle der CD, wo sich normalerweise das Booklet befindet, für dieses Karl-Valentin-Zitat entschieden („Es ist schon alles gesagt, nur nicht von allen“, Anm.).

Und „Wilhelm Tell“?
Rüdisser: Diese Nummer ist das Herzstück unserer CD. Auch mit dem Gemälde auf dem Cover, das Christoph Lutz von unserem Trio gemalt hat, entsteht eine Verbindung zu „Wilhelm Tell“. Diese ästhetische Gesamterscheinung ist uns immer sehr wichtig.

Wie kam es zu der Gründung des Trios vor zehn Jahren?
Rüdisser: Wir haben alle drei an der Musikhochschule in München studiert, und waren Teil eines Programms des von Yehudi Menuhin gegründeten Vereins „Live Music Now“. Das Programm bietet Studenten Auftrittsmöglichkeiten an Orten, wo es Menschen gibt, die nicht ins Konzert gehen können. Im Zuge dessen haben wir uns als Trio­partner gefunden. Viele Jahre haben wir im Rahmen dieses Förderprogramms Konzerte gespielt, und das auch nachher noch weitergeführt.

Informationen und Bestellmöglichkeit:<a href="http://www.lippentriller.de" data-type="URL" data-id="www.lippentriller.de"> www.lippentriller.de</a>.
Informationen und Bestellmöglichkeit: www.lippentriller.de.

Dann hat dieses Programm Sie als Trio geprägt?
Rüdisser: Dass damit Musik an Orte gebracht wurde, wo die Menschen vielleicht keinen Zugang zu klassischer Musik haben, war für mich sehr prägend. Es geht nicht darum, ob das klassische Musik, Volksmusik, Pop oder Rock ist, sondern es geht darum, dass man die Leute in ihrem tiefsten Inneren erreichen kann. Damit entsteht auch für uns ein wahnsinnig schönes Konzerterlebnis. Diese Faszination haben wir versucht als Trio mitzunehmen. Und das ist noch heute unsere Ausrichtung. Natürlich erreichen uns bei Veranstaltungen besonders Konzertbesucher, aber wir wollen jeden erreichen können.

Aufgenommen wurde die CD im Frühjahr 2020, am Beginn der Pandemie. Wie haben Sie diese Zeit als Musiker erlebt?
Rüdisser: Am Anfang herrschte große Ungewissheit. Aber für uns als Trio war schnell klar, dass Corona zwar einige Konzerte verhindert, aber dass wir uns gleichzeitig diesem Projekt intensiver widmen können. So haben wir die CD-Produktion angetrieben, und arbeiten bereits an einem neuen Programm. Nun hoffen wir, dass es in Bayern ab dem Sommer wieder aufwärts geht, was Konzerte betrifft.

Und wann gibt es wieder Konzerte in Vorarlberg?
Rüdisser: Das wissen wir leider noch nicht. Ich bin regelmäßig in Vorarlberg, als Trio haben wir auch schon einige Male hier gespielt. In meiner Heimatgemeinde Lauterach waren wir einmal beim Kultursommer dabei. Bei den Montafoner Resonanzen haben wir zum Beispiel auch schon gespielt. Der Kontakt zu Vorarlberg ist mir wichtig, und den suchen wir immer wieder.

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