Kultur

Böller-Bilder, Reifen und Betonmischer

25.05.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hubert Dobler in seiner Schau in der Galerie c.art in Dornbirn. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Hubert Dobler in seiner Schau in der Galerie c.art in Dornbirn. Wolfgang Ölz

Künstler Hubert Dobler zeigt Werke der vergangenen 25 Jahre.

Hubert Dobler (Jahrgang 1966) stammt aus Fraxern und lebt in New York, wo er als Bautechniker seine Brötchen verdient und als Künstler von der Opensource Gallery in Brooklyn von seiner Studienkollegin Monika Wuehrer vertreten wird. In Österreich betreuen ihn Belinda und Johannes Boch von der Galerie c.art in Dornbirn.

Hubert Dobler. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Hubert Dobler. Wolfgang Ölz

Dobler hat in Vorarlberg im Künstlerhaus Bregenz 2016 durch seine großflächigen Bilder, die er mit durchgedrehten Motorradreifen gemalt hat, Bekanntheit erlangt. Bereits in seiner Wiener Zeit hat er mit seinem Motorrad sogenannte „Burnouts“ produziert. Alles was Krach macht, lässt die Augen des Wahl-New-Yorkers aufleuchten. Dabei hat er 1998 entdeckt, dass der heiße Gummi nicht nur innert Minuten qualmt und quietscht, sondern am Boden veritable Spuren zieht und dies für sich als ultimative Maltechnik entdeckt. Dass das Motorrad in die Kunst überführt werden könnte, hat er schon beim Techno-Künstler Aaron Young gesehen. Ein Auftritt auf der Art Bodensee 2017 und die Aktion „On the road Again“, bei der Dobler seine Honda CB750 von Brooklyn zur Art Basel Miami fuhr, scheinen ihn als maskulinen Benzinkünstler auszuweisen, der den amerikanischen Traum von Freiheit auf dem Highway und einem Tank zwischen den Schenkeln glorifiziert.

Böller-Bilder sind auch zu sehen. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Böller-Bilder sind auch zu sehen. Wolfgang Ölz

Im Gespräch weist Dobler aber darauf hin, dass er zwar als Mensch dieser motorisierten Freiheitsglorie nicht unzuträglich ist, aber als Künstler die klimazerstörende Komponente fossiler Brennstoffe dazu kritisch in den Blick nimmt. Deswegen fahren die Motorräder ja im Kreis oder werden schlichtweg stranguliert – genauso wie in der Verkeilung zweier Bohrmaschinen („readyforbattle3“).

Kinetische Kunst

Der Künstler geht gerne im Baumarkt durch die Regale, wie ein anderer in den Museen zwischen den altmeisterlichen Schinken flaniert, und sucht sich dort seine Inspirationen. Das Stichwort lautet kinetische Kunst: Jean Tinguely, Roman Signer und die Ursache und Wirkung persiflierende Nonsens-Maschine „Der Lauf der Dinge“ von Peter Fischli und David Weiss sind Künstler bzw. Kunst, die Dobler begeistern. In der aktuellen Schau bei den Bochs geht Dobler noch einen Schritt weiter: Statt zwei Motorräder, deren Kraft ad absurdum geführt wird, hat er zwei Betonmischmaschinen aufeinander geschweißt. Diese Maschinen sind ein Problem, weil sie täglich in Österreich die Fläche von rund 20 Fußballfeldern versiegeln und damit die Natürlichkeit der Böden zerstören.

Hubert Dobler. „Dobler 25“. Bis 14. Juni in der Galerie c.art, Dornbirn. Mi. bis Fr., 10 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Weil man aber eine Ausstellung nur mit zwei aufeinander gekreuzigten Bohrmaschinen nicht bestreiten kann, hat Johannes Boch Dobler vorgeschlagen, dessen Abschlussarbeiten an der Akademie von 1995 auszustellen. Die großformatigen Gemälde spielen mit Akt und Abstraktion – einmal männlich-weiblich, einmal Geschwindigkeit und unsterblichen Ruhm thematisierend. Eine Wand voller sogenannter Böller-Bilder aus dem Jahr 2000 und Motorradgummiabrieb-Bilder vervollständigen die Schau.

Wolfgang Ölz

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