Kultur

Wie die Vögel die Welt beherrschten

26.05.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Schauspieler Sebastian Schulze und Raphael Rubino sind in "Die Vögel" zu erleben. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Die Schauspieler Sebastian Schulze und Raphael Rubino sind in "Die Vögel" zu erleben. Anja Köhler

Aristophanes‘ „Die Vögel“ ist die nächste Landestheater-Premiere.

Sie ist eine der ältesten Komödien der Welt, und hat wohl schon bei der Uraufführung im Jahr 414 vor Christus für zahlreiche Brüller im Publikum gesorgt: „Die Vögel“ von Aristophanes hat alles, was sich Liebhaber des witzigen Theaters wünschen können – eine fantastische Geschichte, groteske Figuren und bissige Satire, derbe Späße und eine ordentliche Portion Frechheit. Was damals bei den Dionysien im antiken Griechenland funktionierte, ist auch heute noch ein beliebter Theaterstoff, denn die zur Gattung der Alten Komödie gehörenden Werke des Dichters kommen immer wieder auf die Bühne. So auch am kommenden Samstag am Vorarlberger Landestheater: „Die Vögel“ feiert in der Regie von Johannes Lepper Premiere.

Johannes Lepper. <span class="copyright">Elias Lepper</span>
Johannes Lepper. Elias Lepper

Laut dem Regisseur handelt es sich bei diesem Werk um die älteste schriftlich überlieferte Komödie überhaupt. Und doch könne man in der einen oder anderen Figur die Züge eines Zeitgenossen wiedererkennen, meint Lepper im Gespräch. Er habe den Text dennoch etwas bearbeitet und aktuelle Bezüge eingebaut. Kürzungen seien ebenfalls vonnöten gewesen, da der original Text recht lang sei. „Der Stoff bietet viel“, sagt Lepper. Zwar könne das Stück am Ende – wie es beim Fest der Dionysien der Fall war – nicht in einer berauschenden Party münden, doch hofft der Regisseur, dass die Zuschauer „nach dem ganzen Ärger“ wieder etwas Spaß haben.

“Wolkenkuckucksheim”

Lepper meint, in der Figur des Peisthetairos einen Populisten zu erkennen, der Menschen geschickt auf seine Seite zu ziehen vermag – so wie wir heutige Demagogen kennen. Zusammen mit Euelpides, der von seinen Gläubigern flieht, zieht Peisthetairos aus Athen, um eine neue Stadt zu gründen, die an Macht und Reichtum nicht zu überbieten ist. Sie begeben sich zu den Vögeln, und versprechen ihnen nichts geringeres als die Weltmacht, um sie zu überzeugen an der Errichtung einer Stadt im Himmel mitzuhelfen. Es ist die Idee von einem „Wolkenkuckucksheim“ – ein Wort, das auch heute noch der Bezeichnung von Luftschlössern dient. Die Überzeugungsarbeit gelingt, und es entsteht eine Stadt zwischen Himmel und Erde. Diese Stadt schwächt einerseits die Götter, da das „Wolkenkuckucksheim“ den Rauch der Opfergaben auffangen kann, durch den sich die Götter ernähren. Andererseits können auch die Menschen für die Anliegen der Stadt gewonnen werden, indem man ihnen mit einer Flutwelle von Vogelkot droht. Die Unliebsamen werden nicht verschont. Die Herrschaft der Vögel über Götter und Menschen gelingt schließlich, und wird im Original mit einem großen Hochzeitsfest gefeiert. Wie sich das Ende in Leppers Inszenierung gestaltet, wird sich noch zeigen.

Fantastisch und satirisch

Chor der Vögel. Aristophanes hat mit „Die Vögel“ eine Politsatire geschaffen, die die damals angespannte Situation in Athen, das unter anderem mit Drohungen seine Machtstellung auszubauen versuchte, überspitzt und in einer märchenhaften Form nachzeichnet. Auch treten, in einzelnen Figuren verkörpert, Berufsstände auf und werden dabei schonungslos vorgeführt, wie Lepper erklärt. Diese Mischung aus fantastischer Erzählung und Satire findet er sehr gelungen. Auch die Arbeit an den Partien mit dem Chor der Vögel sei spannend, denn der Chor würde in dieser Komödie – was damals eine Neuheit war – die Rolle eines eigenständigen Dialogpartners übernehmen.

Zum Stück

„Die Vögel“ von Aristophanes. Premiere am Samstag, 29. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus am Vorarlberger Landestheater. Weitere Vorstellungen am 1., 2., 10., 11., 12. und 13. Juni, jeweils um 19.30 Uhr. Infos und Tickets: www.landestheater.org.

Ein unterhaltsames und humorvolles Erlebnis möchte uns der Regisseur bieten. Dazu gehört auch Leppers Bühnenbild, das mit Bildern der deutschen Fotografin Herlinde Koelbl bereichert wird. Was die für Alte Komödien typische Derbheit betrifft, so sei diese leicht entschärft worden: Man müsse auf der Bühne ja nicht unbedingt mit Exkrementen um sich schmeißen, meint der Regisseur: ein vielversprechender Ansatz.