Kultur

Ein Fest der Präzision und Geometrie

28.05.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Walter Kölbl in der Ausstellung in Lustenau. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Walter Kölbl in der Ausstellung in Lustenau. Klaus Hartinger

Der Bildhauer Walter Kölbl zeigt neue Objekte in Lustenau.

Jede Komposition hat eine Struktur“, sagt Walter Kölbl, der sich in seinem bildhauerischen Schaffen ganz der konkret-konstruktiven Kunst widmet. Mathematisch-geometrische Strukturen dienen als Grundlage für seine Skulpturen, schlussendlich aber bestimmt der Künstler selbst, welches Resultat eines Konzepts als sinnlich erfahrbares Objekt überzeugt. Sich allein auf die Geometrie und Mathematik zu verlassen, sei für ihn zu wenig, sagt Kölbl im Gespräch. Und so besitzen seine Werke eine große Ästhetik und Qualität in Form, Farbe und Material. Erkennbar ist dies derzeit in einer Ausstellung bei Baumschlager Eberle Architekten in Lustenau.

Die Skulptur "Saturn". <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Skulptur "Saturn". Klaus Hartinger

Der 1948 in Hard geborene Künstler hatte bei der Sommerausstellung im Palais Thurn & Taxis im Jahr 2018 einen großen Auftritt, auch dort waren Werke aus seiner „Bugatti Veyron“-Serie zu sehen: Auf Aluminium wurden die originalen Farben der luxuriösen Sportschlitten in mehreren Lackschichten aufgetragen. Die Farben sind, wie bei den Autos, im Duo angeordnet. Die Idee zur Serie wurde ebenfalls bei einer Schau im Palais Thurn & Taxis geboren, wie Kölbl erzählt: 2005 ging es dort um die 1881 geborende Marchesa Casati, eine Mailänder Adelige mit Vorarlberger Wurzeln, die für ihren ausschweifenden Lebensstil bekannt war. Im selben Jahr brachte Bugatti die „Veyron“ Edition heraus. „Ich weiß zwar nicht, ob die Casati ein Auto gefahren hat, aber wenn, dann wäre es ein Bugatti gewesen“, ist sich Kölbl sicher.

Proportion

Der Bildhauer zeigt auch weitere Lackarbeiten, die mit einem Ferrari-Rot lackiert wurden. In dieser Serie kommt ein Element zu Tragen, das für viele seiner Werke wesentlich ist: Die Proportion. Das erste Wandobjekt hat die Maße DIN A0, dieses wird dann in zwei Hälften geteilt. Eine Hälfte davon wird vom Künstler quergelegt und wieder geteilt. Am gedachten Ende dieser Triptychon-Serie befindet sich eine Fläche so groß wie eine Visitenkarte, sagt Kölbl. Die Proportion ist auch der Schlüssel für die vierteilige Skulptur „3 Schritte vor, ein Schritt zurück“. Basis für die mathematische Struktur dieses Objekts ist das Orthogon, wobei dessen Verhältnis von Breite und Länge das Verhältnis des einen zum folgenden Teil der Skulptur bestimmt.

Kölbl erklärt das Objekt "3 Schritte vor, ein Schritt zurück“.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Kölbl erklärt das Objekt "3 Schritte vor, ein Schritt zurück“. Klaus Hartinger

Für Staunen sorgt immer wieder die sogenannte Fibonacci-Folge, die sich in zahlreichen organischen Strukturen wiederfindet. Kölbl hatte sich vor einigen Jahren bei einem von der FH Dornbirn ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligt, für den er ein Objekt, basierend auf eben dieser Zahlenreihe, einreichte. Knapp hatte er den Bewerb nicht gewonnen, so Kölbl, der sich nun die Realisierung auf eigene Faust „gönnte“. Die „Fibonacci-Folge“ aus Alu-Präzisionsplatten ist nun das Herzstück des hinteren Ausstellungsraums.

Bauklötze

Währenddessen zieht im ersten Raum die liegende „Stele“, ein brandneues Werk, alle Blicke auf sich. Inspiriert von Bauklötzen zum spielen, wirkt diese Cortenstahl-Stele tatsächlich wie ein Bauturm, der – wenn er stehen würde – umzufallen droht, da die einzelnen Quader auf einer Kante gedreht sind: so, wie man es eben noch vom spielen her kennt. Etwas Humorvolles hat auch das Wandobjekt „Horizont“: Während ein Teil waagrecht an der Wand fixiert ist, sind darüber längliche Elemente befestigt, die am Ende durch ihr eigenes Gewicht herunterhängen. Kölbls Werke zeichnen sich eben durch mehr aus als handwerkliche Präzision und Mathematik.

Die Ausstellung ist bis September während der Bürozeiten bei Bauschlager Eberle im Millenium Park Lustenau zu sehen.