Kultur

Peinliche Populisten und singende Vögel

31.05.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
"Die Vögel" feierte erfolgreich Premiere. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
"Die Vögel" feierte erfolgreich Premiere. Anja Köhler

Witzig und aktuell: „Die Vögel“ amüsiert am Landestheater.

Mit viel Musik und Witz, zahlreichen Referenzen auf die Gegenwart, einem dynamischen Ensemble und pfiffigen Ideen bringt Johannes Lepper „Die Vögel“ auf die Bühne des Vorarlberger Landestheaters. Die antike Komödie von Aristophanes wirkt dabei alles andere als alt: Zusammen mit dem Protagonisten-Duo Pistethairos und Euelpides macht sich das Publikum nicht nur auf in das Reich der Vögel und das „Wolkenkuckucksheim“, sondern auch in die Niederungen unseres eigenen Staats. Dabei treffen wir auf ebenso skurrile und peinliche Figuren, wie sie der griechische Dichter in seinem Werk skizzierte. So simpel und einfach gestrickt manche Scherze in einer Komödie auch wirken – damit sie gelingen, braucht es viel Fingerspitzengefühl. Hier hat es offenbar geklappt, starken Applaus gab es jedenfalls am Ende des Premierenabends.

Sebastian Schulze ist ab Herbst neu im Ensemble.<span class="copyright"> Anja Köhler</span>
Sebastian Schulze ist ab Herbst neu im Ensemble. Anja Köhler

Lepper hat sich alle Freiheit genommen, den Text in die Gegenwart zu transferieren. Das muss kein Schaden sein, denn ein wichtiger Kern dieses Stücks ist durch die Bearbeitung deutlich zu erkennen. Es sind die vermeintlichen Lichtgestalten des Populismus, die damals wie heute ihre Verführungskunst einsetzen, um andere für ihre eigenen Zwecke einzunehmen. Macht und Reichtum stehen dabei auf der Motivationsliste ganz oben. Auf der Klaviatur der Emotionen spielen dafür die beiden Athener, die zu den Vögeln ausziehen um ihnen ein eigenes Reich einzureden – nicht aus Liebe zu den gefiederten Gesellen, versteht sich.

Glitzer

Als Gast am Landestheater gibt sich Raphael Rubino in der Rolle des Pistethairos sehr geschickt, wenn es darum geht, die Vögel zu ihrem neuen Staat zu überreden. Im Verlauf des Stücks zeigt er den Zuschauern sein tolles Spiel mit Körper und Mimik, aber auch seine Wandlungsfähigkeit. Ob mit Kochschürze und Unterhose am Grill, oder im goldigen Generalsmantel seine Macht ausspielend: Rubino passt sehr gut in diese Inszenierung. Als Pistethairos‘ Gefährte, später auch in weiteren Rollen amüsiert Sebastian Schulze, der übrigens ab Herbst als fixes Ensemblemitglied tätig sein wird. Auch er beweist Flexibilität und bietet dem Publikum so einiges. Dem steht auch der Chor der Vögel um nichts nach, in den sich David Kopp, unter anderem als Wiedehopf im Einsatz, gelegentlich einfügt. Der Sprechchor bereichert mit viel Gefühl für Rhythmus und mit präziser Ausführung die Inszenierung, und übermittelt dabei auch originale Textpassagen sehr schön. Die Glitzer-Outfits von Sabine Wegmann sorgen für die richtige Portion Glamour.

Zoe Hutmacher führte den Chor an. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Zoe Hutmacher führte den Chor an. Anja Köhler

Glamour braucht es auch, um das Ibiza-Video stilgerecht wieder aufleben zu lassen. So mancher Österreicher möchte diese beschämende Peinlichkeit lieber verdrängen, hier kann er der Szene noch einmal ins Auge blicken, als betreffende Politiker das Verscherbeln der Nation verhandelten – aber darüber lachen kann man gleichzeitig eben auch. Mit guten Ideen wird diese Passage gemeistert, die auch so gut zu dieser Thematik passt.

“Luschtgewinn”

Als das „Wolkenkuckucksheim“ errichtet ist, treffen neben Politikern noch andere merkwürdige Figuren ein, die sich allesamt entblößen und wieder fortgejagt werden. Da ist der Priester (Vivienne Causemann), der sich nicht an die neuen Verhältnisse anpassen kann und immer noch die „alte Litanei“ betet. Aus dem Dichter wird der rappende „MC Prolo“ (Rahel Jankowski). Darauf folgt die schwäbische Finanzberaterin Christine Kempten (Causemann), die von „Luschtgewinn“ spricht. Alle Darsteller tragen viel zum Gelingen dieser Inszenierung bei, nicht zuletzt Zoe Hutmacher, die unter anderem souverän den Chor der Vögel anführt.

Schöne Bilder erzeugt das Bühnenbild.<span class="copyright"> Anja Köhler</span>
Schöne Bilder erzeugt das Bühnenbild. Anja Köhler

Musikalisch tun sich viele Facetten auf, von Sinatra bis Tschaikowski reicht das Spektrum. Lepper zeichnet auch für die Bühne verantwortlich, die zwar mit den Bildern von Herlinde Koelbl schöne Bilder erzeugt, aber auch gelegentlich offene Fragen hinterlässt. Nichtsdestotrotz: eine runde Sache, und vor allem unterhaltsam und lustig.

Infos und alle Termine im Juni: www.landestheater.org