Kultur

Alte Schachteln in Topform

04.06.2021 • 09:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die "Alten Schachteln" von Peter Sandbichler. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Die "Alten Schachteln" von Peter Sandbichler. Lisa Kammann

Peter Sandbichler zeigt seine Werke auch in der Galerie Sechzig.

Während Peter Sandbichlers große Skulpturen im Kunstraum Dornbirn begeistern, zeigt der Bildhauer parallel dazu in der Feldkircher Galerie Sechzig kleinere Formate – im Vergleich zu den für Dornbirn eigens geschaffenen Objekten. In Kooperation mit der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman entstand diese Ausstellung, die sich nicht nur als Ergänzung zum Kunstraum gut besuchen lässt. Denn auch hier trifft der Besucher auf Sandbichlers bildhauerisch spannendes Schaffen, seine klugen Inhalte und auf seinen besonderen Humor.

Origami

Dass sich der in Wien lebende Künstler auch für die Origami-Kunst begeistern lässt, ist etwa in der Schau zu erfahren. Schön gerahmt, hängen gefaltete Wandobjekte in der Galerie. Grundmaterial sind allesamt ausgewählte Zeitungsblätter aus der „Zeit“, die durch die Falttechnik zum dreidimensionalen Objekt werden. Im gemusterten Schattenwurf sind noch politische Größen wie Kurz oder Putin erkennbar.

Aus der Serie "Die Zeit".<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
Aus der Serie "Die Zeit". Lisa Kammann

Eine sehr komplexes Gebilde ist die Holzskulptur aus der Serie „bone“: Das Objekt hängt hier an der Wand, kann aber durch seine zahlreichen verwinkelten Elemente auch auf dem Boden stehend platziert werden, wie Leonie Hirn informiert – zusammen mit Calvin Mechora leitet sie die Galerie. Die Formen der einzelnen Holzteile erinnern tatsächlich an Knochen: Laut Hirn hat sich der Bildhauer hier von der Zubereitung einer Fleischsuppe inspirieren lassen. Das Material stammt aus Überresten aus dem Atelier, auch hier nutzt also Sandbichler bereits bestehendes Material, um nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit etwas Neues zu schaffen. Das auf dem Holz angebrachte Gitterraster betont den geometrischen Wagemut dieser Skulptur.

Die "bone"-Skulptur. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Die "bone"-Skulptur. Lisa Kammann

An die riesige Spirale im Kunstraum erinnert das Objekt „twist“, das jedoch bereits 2020 entstand. Auch hier verwendete Sandbichler gebrauchte Kartons, die von einem Graffitikünstler bearbeitet wurden. Aus zwölf Teilen zusammengesetzt, lässt der Kringel verschiedene Assoziationen des Betrachters zu. Mit über drei Metern Durchmesser passt die Skulptur glücklicherweise gerade noch in den Galerieraum.

Gar nicht fragil

Fast traut sich der Besucher nicht, den „Alten Schachteln“ zu nahe zu kommen, wirken sie doch aus der Entfernung so fragil. Doch die Skulpturen halten einiges aus, denn sie sind nicht aus behandeltem Karton gefertigt, wie es zuerst den Anschein hat. Die „Alten Schachteln“ sind Güsse aus Aluminium, Bronze oder einem speziellen Beton. Die Vorlage zu den witzigen Objekten sucht der Künstler sorgfältig aus, diese werden dann aufwendig gegossen. In der Galerie sind sie schön vor den großen Fenstern zum Garten platziert.

Peter Sandbichler. „Alte Schachtel“. Bis 26. Juni in der Galerie Sechzig, Feldkirch. Donnerstag und Freitag, 16 bis 19 Uhr, Samstag, 12 bis 16 Uhr geöffnet.

Dass Tierschädel in uns archaische Emotionen wecken, beweist schon der große Elefantenschädel im Kunstraum. Das funktioniert auch bei den kleineren Tierschädel-Skulpturen in der Galerie Sechzig. Beeindruckend auch die Strukturen und Oberflächen dieser Kunststoffobjekte, auf denen sich aus der Nähe einige Besonderheiten entdecken lassen. Ein genauer Blick lohnt sich!