Kultur

Ein Konzert voller Kontraste

21.06.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Symphonieorchester Vorarlberg lieferte vier Auftritte am Wochenende. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
Das Symphonieorchester Vorarlberg lieferte vier Auftritte am Wochenende. Mathis Fotografie

Jubel bei Abo-Konzert zum SOV-Saisonabschluss.

Großes Orchester auf der Bühne, gut 600 Menschen im Publikum – das Publikum könnte fast meinen, das Kulturleben sei wieder zur „Normalität“ zurückgekehrt! Im Feldkircher Montforthaus musizierte das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) unter seinem neuen Chefdirigenten am Wochenende vier Mal ein ungemein dichtes Programm mit Werken von zwei tiefgläubigen Komponisten. Wie bereits in den Konzerten vor seiner Bestellung zum Chef und wie neulich mit kleiner Besetzung in Götzis überzeugte Leo McFall mit seiner großen Klarheit in der Körpersprache und in der musikalischen Gestaltung.

Fegefeuer

Bereits in jungen Jahren hatte der französische Komponist Olivier Messiaen seine persönliche Tonsprache entwickelt, die eigene Skalen und Rhythmen mit der Vorstellung von Farbklängen und Vogelrufen (Messiaen war Synästhetiker und Hobbyornithologe) und einer tiefen Spiritualität verbindet. Die dreiteilige symphonische Meditation „Les offrandes oubliées“ komponierte er zum Abschluss seines Studiums bei Paul Dukas im Alter von 22 Jahren.

Klare Körpersprache: Leo McFall. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
Klare Körpersprache: Leo McFall. Mathis Fotografie

Mit den glänzend disponierten Bläsern arbeitete McFall die besonderen Klangmischungen und Akkorde heraus (etwa die uralte tönende Kreuzsymbolik mit der typischen Chromatik und den Tritonus-Intervallen), während sich die Streicher in langen Melodiebögen verströmten. In die Mitte seines Stücks hat Messiaen mit „la péché“ eine tönende Darstellung von Sünde und Fegefeuer mit pulsierenden Rhythmen und fauchenden Klängen gestellt – der Kontrast zur unendlichen Streichermelodie, die im dritten Teil in verklärte Höhen aufsteigt, könnte nicht größer sein. Konzertmeister Pavel Zalejski und seine höchst motivierten Geiger schufen feingesponnene goldene Klangfäden: das war eine wunderbare und anspruchsvolle Eröffnung zu diesem Konzertabend.

Schlanker Bruckner

Ganz anders hat der Österreicher Anton Bruckner seine religiöse Überzeugung in Töne gefasst. McFall, der die berühmte finnische Dirigierschule absolviert und als Assistent von großen Meis­tern wie Bernard Haitink und Herbert Blomstedt die große Sinfonik in sich aufgesogen hat, hatte die sechste Sinfonie für seinen Einstieg gewählt: In den kommenden Jahren will er mit dem SOV einige Sinfonien von Bruckner erarbeiten, nach dieser ersten gewichtigen „Kostprobe“ darf man gespannt sein. Denn der Engländer versteht es, Bruckners Akkordblöcke und Choralklänge einzubinden in den Fluss der Komposition.

Begeisternder Konzertabend.<span class="copyright"> Mathis Fotografie</span>
Begeisternder Konzertabend. Mathis Fotografie

Steigerungen, die sich durch die Wiederholungen der Motive und Signalrufe ergeben, werden organisch geführt, Kraft und Struktur verbinden sich, ohne dass die Musik nur plakativ klingen würde. Dazu geht der Dirigent gut mit der etwas problematischen Akustik im Montforthaus um, der Klang des Orchesters ist warm und satt. Einen Gegenpol zum Pulsieren der Ecksätze und dem fast dämonischen Treiben im Scherzo setzt McFall wiederum mit dem wunderbaren Melodienfluss der Streichergruppe, den Seufzerfiguren der Solo-Oboe und den gleißenden Klängen der Blechbläser im langsamen Satz. Manchmal, etwa im Trio des Scherzos oder in den kleinen Figuren im Finale könnte der Tonfall noch „österreichischer“ werden, doch die stolzen Punktierungen und die klug differenzierte Dynamik machen diesen schlanker gehaltenen Bruckner sympathisch. Das Publikum bejubelte Dirigent und Orchester gleichermaßen und freut sich auf die kommenden Projekte!

Katharina von Glasenapp

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