Kultur

Plötzlich alleine im „Spa und mehr“

28.06.2021 • 20:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jeanne Devos in "Auf nach Alang!". <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Jeanne Devos in "Auf nach Alang!". Nadine Schütz

„Auf nach Alang!“ des Café Fuerte: Witzig, klug – sehenswert!

Die Situation ist schon ziemlich seltsam, und das merken auch jene zwei Menschen, die sich plötzlich nur noch zu zweit auf einem gro­ßen Kreuzfahrtschiff wiederfinden. Da kommt man aus dem Solarium – im Preis inbegriffen! –, oder wacht aus einem kurzen Nickerchen auf, und die rund 1500 Reisegefährten sind einfach weg. Dies widerfährt einer Frau (Jeanne Devos) und einem Mann (Tobias Fend), die auch noch völlig unterschiedliche Interessen haben. So witzig dieses von Fend geschriebene Stück ist, so sehr regt das Ende von „Auf nach Alang!“ zum Nachdenken an. Denn die Öko-Bilanz dieser fahrenden Riesen-Urlaubstempel ist auch noch bedenklich, nachdem sie ihren Zenit überschritten haben und ausgemustert werden. Das neue Stück des Café Fuerte feierte am Freitag Premiere im Schwimmbad Egg. Regie führte Danielle Fend-Strahm.

Tobias Fend. <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Tobias Fend. Nadine Schütz

An einer Kreuzfahrt kann man aus unterschiedlichen Gründen teilnehmen. Die Frau ist sehr belesen und interessiert an Weltkultur-Stätten, er ist sportlich und nutzt das Angebot im Fitnessbereich und im „Spa und mehr“. Sie ist eine Einzelgängerin und beobachtet die anderen Gäste aus der Distanz, während er sich in der „Atlantik Brasserie“ mit dem Schuhhändler aus Uppsala unterhält. Nun sind sie aber alleine und vertreiben sich die Zeit damit, indem sie über die verschwundenen Gäste reden, wie über die blonde Frau, die ihren Hund im Dekolleté versteckt hielt – oder war die Schnauze doch nur eine Dörrpflaume vom Buffet?

Nie wieder anstellen

Auf den Liegestühlen, die als kleine Hocker das einzige Bühnenrequisit darstellen (Austattung: Matthias Strahm), ergibt sich ein lustiges Zusammenspiel. Die Stimmung zwischen den Übriggebliebenen schwankt jedoch, Ratlosigkeit und Gereiztheit wird abgelöst von hys­terischer Euphorie – nämlich dann, wenn der ziemlich redselige und spießige Sportler realisiert, dass er sich nun nicht mehr am Buffet anstellen oder Regeln befolgen muss. Da kann man schon eine Runde um den Pool drehen.

Premiere war im Schwimmbad Egg. <span class="copyright">Nadine Schütz</span>
Premiere war im Schwimmbad Egg. Nadine Schütz

Die Freude über die neu gewonnene Freiheit hält aber nur so lange an, bis die beiden Land sehen. Es sind die Abwrackwerften im indischen Alang, und bei der Beschreibung der beiden, was sie da sehen, vergeht die Kreuzfahrtstimmung. Ein ruhiges Schlussbild beendet diesen kurzweiligen Abend im Freien. Sehr schöne und passende Musik gibt es dazu von Nikolaus Feinig und Florian Wagner.

Alle Termine und Spielorte unter www.cafefuerte.ch.