Kultur

Ein Hoch auf Karl-Heinz Ströhles Formen

16.07.2021 • 21:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Werke von Karl-Heinz Ströhle im Erdgeschoss.<span class="copyright"> Petra Rainer</span>
Werke von Karl-Heinz Ströhle im Erdgeschoss. Petra Rainer

Karl-Heinz Ströhles Schaffen in der Bregenzer Sommerschau.

Es „wobbelt“ im Palais Thurn & Taxis, wo zur Sommerausstellung der Stadt Bregenz 63 Werke von Karl-Heinz Ströhle Einzug halten. Doch nicht nur die bekannten Federstahl-Skulpturen des 2016 verstorbenen Künstlers wurden für diese posthume Würdigung ausgewählt. Denn der 1957 in Bregenz geborene Ströhle hinterließ ein beachtliches und vielfältiges Werk. Performances, Videos, Malereien sowie zahlreiche „Kunst am Bau“-Projekte: „Ich bin ein multimedialer Künstler“, habe Ströhle einmal gesagt, so Kulturstadtrat Michael Rauth beim Pressetermin am Freitag.

Ein Schlüsselwerk Ströhles in der Schau. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Ein Schlüsselwerk Ströhles in der Schau. Roland Paulitsch

Zuerst wird der Besucher mit einer riesigen Skulptur in der Einfahrt des Palais begrüßt – eine willkommene Leihgabe von Wilhelm Otten. Ein großformatiges Bild im Obergeschoss ist ein Schlüsselwerk der Schau, wie Pascal Hüppi erklärte. Er ist Ströhles Neffe, der Nachlassverwalter, und er hat zusammen mit Kulturservice-Leiterin Judith Reichart die Ausstellung kuratiert. Es sei ihm auch persönlich sehr wichtig, dass diese Arbeit nun hier hängt, so Hüppi. Bei der Entstehung des Bildes sei er dabei gewesen. Kurz nachdem Ströhle sein Vorarlberger Atelier bezogen habe, im Jahr 2012, habe er sich ans Werk gemacht, für das er zuerst mit Sprühfarbe die bekannten „Blub“-Formen aufgetragen habe. Als Schablone dienten Federstahl-Elemente, erklärte Hüppi. Mit dem Pinsel verfeinert, komme hier die „performative Plastizität“ zur Geltung, die Ströhles Formen eigen sei, so Reichart.

Skizzen zur Golmerbahn. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Skizzen zur Golmerbahn. Roland Paulitsch

Von Ströhles über 400 Werken wurde keine Auswahl getroffen, die eine chronologische Schau erlaube, sondern eine, die die Strukturen, Materialien und die Ästhetik des Künstlers verdeutliche, meint die Kulturservice-Leiterin. Der Besucher trifft auf bekannte „Blub“-Bilder, wie jenes in kräftigem Orange von 1999. Aber auch weniger prominente Werke sind zu sehen, wie ein „Blub“ in einem atemberaubend intensiven Blau. Die runden Formen finden sich auch in einer Bodenarbeit aus Spiegelfolie. Spannend sind auch die „Tokyo“-Bilder auf Baumwolle, die vom Treiben und der Architektur der Megacity inspiriert wurden. Ebenfalls im ersten Obergeschoss in der Black Box zu sehen ist eine Video-Performance der Tänzerin Gerda. Hier kommt das klaustrophobische Moment der runden Federstahlformen zur Geltung: Gibt es innerhalb dieses „Käfigs“ die Möglichkeit, sich zu entfalten? Im Keller wird ein Video mit Ströhle selbst gezeigt, der innerhalb eines Objekts den Raum auslotet. Noch weitere Videos gibt es dort zu entdecken.

Wiederbelebte Projekte

Das Dachgeschoss wiederum widmet sich den „Kunst am Bau“-Projekten Ströhles. Hierzu gibt es eine Publikation, die diese Projekte umfassend dokumentiert, und sehr schön von Andrea Gassner gestaltet wurde. Da gibt es etwa die Gestaltung von vier Liftstationen der Golmerbahn 1995, zu der auch Skizzen gezeigt werden. Zwei besondere Projekte werden nun auch wiederbelebt: Die Bodenarbeit vor dem Kunsthaus Bregenz aus dem Jahr 1997 wird rekonstruiert und am 23. Juli offiziell eröffnet. Außerdem gibt es ein Revival der Intiative „Rette sich wer kann“. Bei einer „Aktionsnacht für die Kunst“ 2006 protestierten Ströhle und Martin Strauß im Wiener MAK-Garten gegen den Verlust der Solidarität in der Gesellschaft – mit einem riesengroßen aufblasbaren Schwimmflügel. Mitte August wird dieser am Kornmarktplatz vor dem vorarlberg museum installiert.

Bis 5. September im Palais Thurn & Taxis. Eröffnungsmatinee am Sonntag, 11 bis 16 Uhr. Führungen: 29. Juli und 19. August, 17 Uhr (Anmeldung: kultur@bregenz.at).

Die Federstahlobjekte bezeichnete sein Lehrer Bazon Brock einmal als „Aformation“. Im Gegensatz zur Deformation kommen sie wieder in ihre ursprüngliche Form zurück, nachdem sie in Schwingung gebracht wurden. Das dürfen die Besucher übrigens selbst testen und die Objekte mit einem Stupser zum Tanzen bringen – damit vielleicht auch sie selbst in Schwingung versetzt werden.