Kultur

Die Zukunft des Menschen in der Cloud

29.07.2021 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Michel van der Aa ist mit „Upload“ in Bregenz zu Gast. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Michel van der Aa ist mit „Upload“ in Bregenz zu Gast. Oliver Lerch

Bregenzer Festspiele: Philosophische Fragen in der Oper „Upload“.

Auch wenn es in diesem Stück um neue Technologien und künstliche Intelligenz geht, ist es im Grunde doch eine Geschichte über zwei Menschen und über die Liebe zwischen Vater und Tochter. Die Verwendung der und die Auseinandersetzung mit Technik steht in „Upload“ im Dienste des Humanismus, wie Michel van der Aa im Gespräch sagt. Der niederländische Komponist, Librettist, Film- und Bühnenregisseur präsentiert heute und morgen seine Filmoper – erstmals in Österreich – auf der Werkstattbühne im Festspielhaus.

Michel van der Aa im Gespräch. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Michel van der Aa im Gespräch. Oliver Lerch

Grundlegende philosophische Fragen gehen mit dem Thema einher: Was macht uns zum Menschen, gehören körperliche Erfahrungen zum Leben dazu? Der Vater – gesungen und gespielt von Roderick Williams – verlässt nämlich seinen Körper, um sein Bewusstsein in einer Art Cloud hochzuladen, und damit allein in digitaler Form weiterzuleben. Der Anlass dazu ist ein psychisches Trauma, das er erlitten hat. Wie van der Aa erklärt, vollzieht eine Klinik den „Upload“ mit dem Versprechen, dieses Trauma sei nach der Prozedur überwunden. Das klappt natürlich nicht wie gewünscht, und so ist das hochgeladene Dasein alles andere als glückerfüllt. Die Tochter – Julia Bullock – soll nun die Entscheidung treffen, ob der Vater bis zur Unendlichkeit so weiterleben muss. Obwohl, ist dies überhaupt ein richtiges Leben? Mit einem offenen Ende, in der Nacht vor dieser gewichtigen Entscheidung, endet die Oper.

“Stecker ziehen”

Van der Aa möchte, dass sich der Zuschauer beim Hinausgehen Gedanken darüber macht, wie er selbst handeln würde, wie er sagt.
Der Tochter fällt es nicht leicht, einfach „den Stecker zu ziehen“. Umgemünzt auf unsere Gegenwart, kann diese Situation auch als Anlehnung an die Diskussion zur Sterbehilfe interpretiert werden, meint der Schöpfer dieses Werks.

Satelliten

Verschiedene Ebenen hat van der Aa in dieser Oper eingerichtet. Fünf Bildschirme sind auf der Bühne im Einsatz. Vorab wurden Filme gedreht, etwa eine Szene, als das Bewusstsein des Vaters in der Klinik hochgeladen wird. Die große Science-Fiction-artige Maschine, mit der dies geschehen soll, steht in einem Raum in einer Station der European Space Agency in den Niederlanden, wo Satelliten getestet werden, erklärt der Regisseur. Im Film spielt unter anderem Katja Herbers mit, bekannt etwa aus der HBO-Serie „Westworld“.

„Upload“. 29. und 30. Juli, 20 Uhr, Werkstattbühne im Festspielhaus. Tickets gibt es noch unter www.bregenzerfestspiele.com.

Die Sänger auf der Bühne interagieren mit den Geschehnissen auf den Bildschirmen. Raffiniert klingt die zweifache Präsenz des Vaters, wenn dessen digitale Version auf dem Bildschirm live von der körperlichen Präsenz auf der Bühne erschaffen wird: Wie ein Puppenspieler, der sich selbst als Puppe steuert, so van der Aa. Otto Tausk ist der musikalische Leiter der Oper, in der zwölf Musiker spielen werden. Der Fokus wechselt in „Upload“ mehrmals entweder auf den Film, die Musik, oder das Bühnengeschehen, erklärt der Regisseur.
Es ist nicht das erste Stück, in dem sich der Niederländer mit der Thematik von Leben und Tod auseinandersetzt. Genauer gesagt interessiere er sich für den Zwischenbereich zwischen Leben und Tod – wie in seinem Stück „Sunken Garden“, in dem Menschen von einer bösen Macht als Energielieferanten missbraucht werden.

Durchbruch

Was die Entwicklung der künstlichen Intelligenz betrifft, so sei es wichtig, sich mit den damit verbundenen ethischen Fragen auseinanderzusetzen, selbst wenn die Technik vielleicht erst in fernerer Zukunft salonfähig sei. Immerhin seien Forscher bereits dabei, das Gehirn einer Ratte zu scannen. Bei einem Wurm sei es bereits gelungen, erzählt van der Aa. Wann genau die Technik beim Menschen den Durchbruch erreiche, darüber seien sich Experten uneins. Wie viel Macht wir Computern und der digitalen Sphäre verleihen, und was das für unser Menschsein bedeutet, darüber sollten wir aber jetzt schon nachdenken.