Kultur

Eugen Fulterer, der geschäftige Kulturarbeiter

14.08.2021 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Eugen Fulterer beim Treffen in Feldkirch. Danach gings wieder ins Walsertal. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Eugen Fulterer beim Treffen in Feldkirch. Danach gings wieder ins Walsertal. Dietmar Stiplovsek

Der Weg des Kulturschaffenden zum Walserherbst hat es in sich.

Wenn Eugen Fulterer erzählt, was er schon für Kulturprojekte realisiert hat, tauchen im Gespräch immer wieder spannende Kuriositäten auf. Der 41-jährige Rankweiler war als Gastronom an den verschiedensten Orten unterwegs, er organisierte 100 V-Lesungen, buk in Hohenems einen 50-jährigen Sauerteig, er spielte in Nepal einen australischen Rugbyspieler, machte ein Festival am Liebfrauenberg – und lernte Dietmar Nigsch nicht, wie eigentlich erwartet, in Vorarlberg, sondern in Kärnten kennen. Zusammen mit ihm leitet Fulterer nun den Walserherbst und er ist sehr glücklich darüber, mit dem erfahrenen Kulturarbeiter das Festival auf die Beine stellen zu können, wie er bei einem Treffen in Feldkirch sagt. Und dann muss er auch wieder rein ins Tal – vor dem Fes­tivalstart am 20. August gibt es noch einiges zu tun. Zum Glück gibt es beim musikalischen Programm Unterstützung von Evelyn Fink-Mennel.

Der Gastronom und Kulturarbeiter arbeitete in Wien und Vorarlberg. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Der Gastronom und Kulturarbeiter arbeitete in Wien und Vorarlberg. Dietmar Stiplovsek

Fulterer ist in der Gastronomie groß geworden, schon mit 19 Jahren stieg er in den Familienbetrieb, den Rankweiler Traditionsgasthof Kreuz, ein. Zum Studieren trieb es ihn dann aber nach Wien, nach einem Geografie-Studium und einem Studium an der Boku gelangte er zur Theater-, Film- und Medienwissenschaft: eine gute Wahl, Fulterer spielte selbst Theater und schrieb Stücke. Doch dabei blieb es nicht, im Kollektiv stampfte er das bekannte Wiener Lokal Einbaumöbel aus dem Boden, und realisierte dort innerhalb von zehn Jahren zahlreiche Kulturveranstaltungen. Zusammen mit Stefan Stürzer gründete er das Werk, das heute am äußeren Wiener Gürtel eine große Nummer in der Kulturlandschaft der Landeshauptstadt ist.
Immer wieder kehrte Fulterer von Wien nach Vorarlberg zurück, um sich zusammen mit seinen Brüdern um das Kreuz zu kümmern. 2013 kam der Abschied vom Familienbetrieb, das Lokal wurde verkauft. Es sei keine einfache Entscheidung gewesen, erinnert sich der 41-Jährige zurück. Doch die Freiheiten, die sich dadurch für ihn ergaben, blieben nicht ungenützt.

Der Walserherbst

Der Walserherbst, das „steilste Festival in den Bergen“, findet von Freitag, den 20. August bis 12. September statt. Es gibt Konzerte, Theater, Lesungen, bildende Kunst und Land Art, Diskussionen, Open-Air-Kino, Kulinarik und Volkskultur – sowie Exkursionen, wie eine Wanderung auf die Damülser Brandalpe. Die Festivalzentren sind heuer in Blons und Raggal. Infos gibt es unter www.walserherbst.at.

Zuerst ging der Rankweiler auf Reisen, er reiste nach Tansania, Peru und schließlich nach Nepal. Dort wirkte er bei einem Film mit, wo er eben in die Rolle eines australischen Rugbyspielers schlüpfte – diese Geschichte fand übrigens in abgeänderter Form seinen Weg in das Stück „Immersion“ des aktionstheater ensembles, wie sich manch Zuschauer erinnern mag. Fulterer entschied sich dazu, ver­stärkt in der Kulturarbeit tätig zu werden. 2016 gab es das erste Querbeet-Festival beim Mesnerstüble am Liebfrauenberg, das Gartenkultur und Kulinarik mit einem subversiven Kunstprogramm verband. Sein gastronomisches Potenzial ließ er nicht nur in die Emsiana einfließen, wo er besagten Sauerteig verarbeitete – der wurde extra aus Wien hergebracht, erzählt Fulterer.

Zucker und Schnaps

Zum Walserherbst gelangte er 2016 durch Martin Mackowitz, der ihn als Budiker für den Wanderkiosk anheuerte. Mit Zucker für die Kleinen und Schnaps für die Älteren gewann er schnell die Herzen der Blonser, sagt er verschmitzt. Seit 2018 programmiert und organisiert er zusammen mit Nigsch das Festival. Kennengelernt haben sich die beiden beim Projekt „Hotel Konkurrenz“ von AO& in Bad Kleinkirchheim. Das Künstlerkollektiv war über viele Jahre mit „sehr wilden“ Arbeiten beim Walserherbst vertreten, erzählt Fulterer.

AO&amp; beim Walserherbst. <span class="copyright">Elmar Bertsch</span>
AO& beim Walserherbst. Elmar Bertsch

Das Walsertal hält der 41-Jährige für ein Vorarl­berger „Juwel“, das bislang vom Skitourismus aufgrund der Hanglage weitgehend verschont wurde. Das Thema Verkehr wird heuer im Zentrum des diskursiven Teils des Programms stehen. So steht etwa die Idee eines Radwegs durch das Tal im Raum. Solche utopischen Visionen seien vonnöten, um kleine Schritte in die richtige Richtung anzuregen, meint Fulterer. Heuer gibt es übrigens erstmals eine Nightline, die zwischen Raggal und Ludesch fährt.

Neu erfinden

Das Schöne an dem Zweijahres-Rhythmus des Festivals ist für Fulterer, dass sich der Walserherbst immer wieder neu erfinden könne. Vieles bleibt aber bestehen, so ist auch heuer wieder Stammgast Nikolaus Walter mit seinen Fotografien dabei. Das Festival habe mittlerweile ein „super Standing“.
Fulterer fährt immer noch zwischen Wien und Vorarlberg hin und her – während er hier arbeitet, nutzt er die Zeit in Wien zur Inspiration und Pflege von Netzwerken.

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