Kultur

“Die jungen Sänger haben viel gelernt”

17.08.2021 • 20:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Gespräch: Elisabeth Sobotka. <span class="copyright">Bregenzer festspiele/Anja Köhler</span>
Im Gespräch: Elisabeth Sobotka. Bregenzer festspiele/Anja Köhler

Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka im Interview.

Sie sind wahrscheinlich vor jeder Saison aufgeregt, waren Sie diesmal noch ein wenig aufgeregter?
Elisabeth Sobotka: Das kann man gar nicht vergleichen. Zunächst hatten wir die Sorge, ob wir überhaupt zu 50 Prozent spielen können, und dann kam die großartige Überraschung, dass wir zu 100 Prozent (mit der vollen Zuschauerkapazität, Anm.) spielen können. Dann war auch die Frage, wie wir mit Corona umgehen. Wir haben gehofft, es werden viele Leute geimpft sein, und jetzt haben wir die Gewissheit: Es sind fast alle Darstellerinnen und Darsteller geimpft, das Publikum hat eine hohe Durchimpfungsrate, das wussten wir vorher nicht. Ein großes Glück ist, dass die Leute auch wirklich kommen und sich interessieren. Nicht nur am See, alle Produktionen haben einen großen Zulauf. Die Reaktionen sind unglaublich positiv, darüber bin ich wahnsinnig froh.

„Die Italienerin in Algier“ wurde vom Publikum bereits mit Spannung erwartet. Wie sehr schmerzt Sie es, nun die Aufführungen verschieben zu müssen? Trübt die Absage Ihre Freude über die bislang gelungene Spielzeit?
Sobotka: Die Absage der Vorstellungen schmerzt uns natürlich alle sehr. Es gibt aber einen positiven Aspekt, der davon nicht betroffen ist. Das ist die produktive und energiegeladene sechswöchige Probenzeit, in der die jungen Sängerinnen und Sänger unglaublich viel gelernt haben. Dieser für die jungen Künstlerinnen und Künstler so wichtige Schwerpunkt des Opernstudios konnte ohne Einschränkungen stattfinden. Jetzt werden wir alles versuchen, um den notwendigen Abschluss dieses Prozesses, die Vorstellungen mit und fürs Publikum, nachzuholen

Versuchen Sie, einen Ersatztermin noch vor der kommenden Saison zu finden?
Sobotka: Unser Ziel ist es, die so gelungene Produktion von „L’italiana in Algeri“ noch vor der kommenden Saison mit unserem Publikum teilen zu können.

Sind noch andere Produktionen betroffen, oder betrifft die Absage allein das Opernstudio? Wird nach dem aktuellen Stand „Wind“ am Donnerstag uraufgeführt werden können?
Sobotka: Die Absage betrifft nur „Italiana“ und alle geplanten Vorstellungen, so auch die Uraufführung „Wind“, können stattfinden.

Sind Sie denn auch schon gespannt, wie sich die Oper „Wind“ bei der Uraufführung zeigt?
Sobotka: Ja, sehr! Wir, und ein Teil des Publikums, sind ja ein Stück des Wegs mitgegangen. Die künstlerische Energie in dem Opernatelier wurde erweckt – es ist ja wirklich wie ein Atelier. Jetzt schauen wir, was für ein Stück herauskommt. Ganz sicher ist es eine Belebung für die gesamte Vorstellung von Musiktheater. Es ist etwas, das aus einem anderen Geist kommt, der aus der Inspiration etwas Neues kreieren will, und damit Räume eröffnet – im Kopf, in den Ohren, in den Gedanken

Die Hausoper, Arrigo Boitos „Nero“, war eine vielbeachtete Inszenierung. Haben auch andere Häuser Interesse an der Oper gezeigt?
Sobotka: Ich habe gehört, dass die Oper in den nächsten zwei Jahren wieder zur Aufführung kommen soll. Was mich so gefreut hat, ist, dass sie Diskussionsstoff wurde, auch die Inszenierung. Das ist das Bes­te, was passieren kann, wenn auf einem hohen Niveau Gespräche darüber entstehen, was dieser Boito da wollte, über die Vielgestaltigkeit seines künstlerischen Schaffens. Da ist für einen Künstler noch einmal ein breites Feld aufgemacht worden. Die Produktion der Bregenzer Festspiele wird aber nicht weitergehen, weil sie sehr groß konzipiert war. Wir haben hier im Festspielhaus ideale Möglichkeiten, da wollten wir aus den Vollen schöpfen. Wir haben alles, was das Haus kann, in die Schlacht geworfen, und ich würde sagen, wir haben gewonnen (lacht)

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