Kultur

Ein vielgestaltiger Traum in Weiß

18.08.2021 • 10:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Künstlerin Flaka Haliti hat den Raum zur Oper "Wind" gestaltet. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Künstlerin Flaka Haliti hat den Raum zur Oper "Wind" gestaltet. Roland Paulitsch

Warum Flaka Haliti die Farbe Weiß für “Wind” verwendete.

Seit etwa vier Jahren beschäftigt sich Flaka Haliti mit dem Auftrag, den Raum für die Oper „Wind“ zu gestalten, nun ist die Zeit gekommen, um das Projekt abzuschließen: Sie freue sich darauf, bald das Endergebnis erleben zu können, wie die aus dem Kosovo stammende Künstlerin im Gespräch erzählt. Am Donnerstag wird die von Alexander Moosbrugger komponierte Oper erstmals zu sehen sein. Es wird wohl eine neuartige Erfahrung für die Zuschauer sein, und das war auch das Projekt für Haliti: Als bildende Künstlerin war es ihre erste Arbeit für die Bühne.

Flaka Haliti. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Flaka Haliti. Dietmar Stiplovsek

Über die Vermittlung des Kunsthauses Bregenz gelangte Haliti zu dem Projekt, die Freiheit, von ihrer Kunst-Perspektive aus die Oper räumlich zu gestalten, wurde ihr bewahrt. Haliti habe dabei auch einiges von der Theaterwelt gelernt: Viele produktive Begegnungen habe es während des Entstehungsprozesses gegeben. Gerade durch diese Zwischenbereiche, etwa zwischen bildender Kunst und Oper – wie bereits beim zweiten Pressetag der Festspiele gesagt wurde –, sei ein fruchtbarer Dialog entstanden.

Überwältigend

Wie hat sich Haliti nun künstlerisch dem Buch „Hypnerotomachia Poliphili“ angenähert, das Grundlage für die Oper ist? Spannend sei etwa die Frage, wer denn das 1499 erschienene Buch geschrieben hat. Haliti nannte eine Theorie, dass das Werk von Leon Battista Alberti stammt – ein Humanist, der unter anderem als Architekt tätig war: Das würde gut zu den detail- und wissensreichen Architektur- und Landschaftsbeschreibungen passen, meint die Künstlerin. Protagonist Poliphilo will sich mit seiner Geliebten Polia vereinen, so die grundlegende Geschichte. Doch auf seinem Weg zu Polia gelangt er in einer Art Traum im Traum an zahlreiche Orte wie Wälder, Gärten, Grotten und Paläste, und begegnet dabei geheimnisvollen Wesen. In diesen überwältigenden Beschreibungen könne sich der Leser leicht verlieren, so Haliti.

Die Künstlerin verwendet auch verschiedene Lichtstimmungen. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Die Künstlerin verwendet auch verschiedene Lichtstimmungen. Roland Paulitsch

Diese vielen magischen Orte eins zu eins auf die Bühne zu bringen, scheint zum Scheitern verurteilt, die Künstlerin hat denn auch einen abstrakteren Weg gefunden. Der völlig weiß gestaltete Raum könne vieles werden, meint Haliti: Das Weiß wird zum Carrara-Marmor der Tempel, die gewölbten Vorhänge zu deren Säulen. Die Brücken werden zu Toren, die irgendwo hinführen, oder zu Regenbögen, die nirgendwo hinführen. Eine weitere imaginäre Brücke werde von Poliphilo beschritten: Es gehe auch um das, was nicht zu sehen, was nicht repräsentierbar ist, meint die Künstlerin. Die Orgel-Inseln seien einerseits ein klassisches Instrument, aber auch eine futuristische Skulptur im Raum, eine Installation, die spricht und Klänge erzeugt, die sich zum Zuschauer verhält. Kostüme, Make-Up, Licht – jedes ästhetische Detail habe Haliti mitbestimmt, alles sei Teil von Poliphilos Traum.

Das Publikum wird wie die Orgel in den Raum integriert, die Zuschauer werden darin beidseitig verteilt. Es gebe dabei keinen besseren oder schlechteren Platz: Haliti möchte das Geschehen dezentral organisieren, und die Hierarchien innerhalb des Publikums, und zwischen diesem und den Musikern und Sängern aufbrechen.

Intensive Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit Moosbrugger wäre sehr gut verlaufen, der Bregenzerwälder Komponist würde ähnlich über die Musik denken, wie Haliti über die Kunst, wie sie sagt. Beide haben intensiv mit dem Team der Firma Rieger für die Orgeln zusammengearbeitet: Was brauchen die Orgelbauer, was braucht die Musik, wie kann die Künstlerin die Orgeln gestalten? Es sei ein ständiger Prozess der Annäherung und des Auslotens gewesen, erklärt Haliti. Ohne Rieger wäre dieses Stück nicht möglich gewesen.

Haliti bestreitet eine Einzelausstellung im November im Kunstverein Friedrichshafen – zuerst werden aber die Opernzuschauer in ihre Arbeit buchstäblich eintauchen. Karten gibt es noch.