Kultur

Jakob Jehly, der große Bludenzer Maler

28.08.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Sommerausstellung in der Galerie allerArt.<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
In der Sommerausstellung in der Galerie allerArt. Lisa Kammann

Die Sommerschau der Stadt Bludenz widmet sich dem Maler Jakob Jehly.

Der Bludenzer Stadtarchivar Christof Thöny staunte nicht schlecht, als er vor wenigen Jahren eine kleine Kiste erhielt. Darin aufbewahrt waren Skizzenbücher von Jakob Jehly (1854 bis 1897), welche die Urenkelin des Malers dem Stadtarchiv übergab. Jehly gilt als der bedeutendste Bludenzer Maler der Vergangenheit, wie auch innerhalb seiner Familie, die zahlreiche Künstlerpersönlichkeiten hervorgebracht hat. In der diesjährigen Sommerausstellung der Stadt Bludenz in der Galerie allerArt, die Thöny kuratiert hat, wird nun der Maler und seine Familiengeschichte ins Zentrum gerückt. Zu sehen sind Dauerleihgaben an die Stadt, einige Werke in Privatbesitz, besagte Skizzenbücher, Familienfotografien sowie Bilder von Zeitgenossen und Verwandten.

Jakob Jehly um 1885. <span class="copyright">Stadt Bludenz</span>
Jakob Jehly um 1885. Stadt Bludenz

Eine Aufgabe sei es nun, ein Werkverzeichnis von Jehlys Arbeiten zu erstellen, so Thöny bei einem Besuch der Schau. Aus diesem Grund werden all jene Personen dazu aufgerufen sich zu melden, die im Besitz eines Jehly-Werks sind – dies sei sogar bereits geschehen, wie Thöny informierte. Wie viele Bilder der Bludenzer genau gemalt hat, sei schwer einzuschätzen. Es sei zudem eine spannende Frage, wie sich Jehlys Stil weiterentwickelt hätte, wäre er nicht bereits mit 43 Jahren verstorben, merkte der Stadtarchivar an.

Landschaften und Porträts

Porträts und Landschaftsdarstellungen sind der Kern von Jehlys Schaffen. Als Zwölfjähriger musste er in der Ziegelhütte arbeiten, sein Lehrer erkannte jedoch das Talent des jungen Jakob, der 1870 an der Akademie in München zu studieren begann. Vor allem als Landschaftsmaler wurde er bekannt, als Motiv diente ihm oftmals die alpine Umgebung rund um Bludenz. Seine Arbeiten sind vom Realismus geprägt, in manchen landschaftlichen Spätwerken lässt sich aber beinahe ein Anklang des Impressionismus erkennen. In einem Porträt ist zudem eine Beschäftigung Jehlys mit der altmeisterlichen niederländischen Tradition des 17. Jahrhunderts zu erkennen, wie Andreas Rudigier, der Direktor des vorarlberg museums, in einer Publikation festhielt. Es handelt sich um den „Landsknecht“ (um 1875), der einen prominenten Platz in der Schau hat.

"Mann mit Pfeife", 1872. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
"Mann mit Pfeife", 1872. Lisa Kammann

Die spannende Familiengeschichte der Jehlys hat in der Ausstellung ebenso ihren Platz. Das Leben seiner Ehefrau Wanda Douglass-Jehly, geborene Poellnitz, etwa liest sich wie ein Liebesroman: Aus einem Adelsgeschlecht stammend, stieß ihre zweite Heirat mit dem einfachen Maler auf Widerstand in der Familie. Die Tochter des Paares, die als Margarethe Jehly geboren wurde und später Grete Gulbransson hieß, hielt diese Liebesgeschichte in dem Buch „Geliebte Schatten“ fest. Für das Schaffen des Malers Jehly bedeutete die Ehe auch finanzielle Unabhängigkeit und damit weitgehende Freiheit vom Geschmack von Auftraggebern.

Bis 10. September in der Galerie allerArt Bludenz zu sehen. Mi. bis So., 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Es sei besonders den Nachkommen – zu sehen sind auch Porträts von Luise Jehly – und Weggefährten Jehlys zu verdanken, dass sein Werk nicht in Vergessenheit geriet, wie Thöny betonte. Das vorarlberg museum zieht vielleicht nach: Es könnte einmal eine größere Schau in Bregenz geben, verriet der Stadtarchivar.tarchivar.

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