Kultur

Reifen, Federn und Polster im Bildraum

17.09.2021 • 20:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Judith P. Fischer hinter ihren Polster-Skulpturen im Bildraum Bodensee.<span class="copyright"> Petra Rainer</span>
Judith P. Fischer hinter ihren Polster-Skulpturen im Bildraum Bodensee. Petra Rainer

Judith P. Fischer kreiert verschiedene Objekte aus einfachen Formen.

Leicht und luftig wirken die Objekte von Judith P. Fischer, die sich im Bildraum Bodensee zu einem stimmigen Ensemble vereint haben. Mit reduzierten Formen, die alle auf die Linie zurückzuführen sind, kreiert die in Wien lebende Bildhauerin ihre Werke, die den Raum, in dem sie platziert sind, unaufdringlich und spielerisch mitgestalten. In der Schau „Hula Hoop“ zeigt die Künstlerin hauptsächlich neuere Arbeiten, die seit Beginn der Coronapandemie entstanden sind. Bei einer Führung am Freitag geleitete sie ein interessiertes Publikum durch die Ausstellung.

Die Hula Hoop Reifen dienen der Künstlerin als Module. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Die Hula Hoop Reifen dienen der Künstlerin als Module. Petra Rainer

Ein bisschen zugelegt habe sie während des Lockdowns im vergangenen Jahr, weshalb sie sich zum Training einen Hula-Hoop-Reifen gekauft habe, erzählt Fischer. Mit ihrem Training konnte sie zwar „keinen Erfolg vorweisen“, aber der Holzreifen inspirierte die Künstlerin zu jener Skulptur, die nun im seeseitigen Raum platziert ist. Die Reifen aus Buchenholz fungieren als Module, die sich mit Kabelbindern nach Belieben immer wieder neu zusammenfügen lassen. In ihrer Arbeit verändert sie gerne Formen und erschafft neue Muster und Strukturen, wie sie sagt.

Vorarlberg-Bezug

Federobjekte aus Rundstahl verteilen sich im Hauptraum. Hier erzeugt die Linie Raum, etwa als Spindel, oder in Form des Diabolo-Spiels. In dem Vorarlberger Betrachter werden unweigerlich Assoziationen zu Karl-Heinz Ströhles Federstahlskulpturen wach. Tatsächlich hätten sich die beiden gekannt, erzählt Fischer: Eine spannende Begegnung habe es etwa bei der Gruppenschau „Reigen im Park“ im niederösterreichischen Baden 2013 gegeben. Fischer sei froh gewesen über die gegenseitige Wertschätzung der Arbeit des anderen, wie sie hinzufügt. Ströhle ist nicht die einzige Verbindung Fischers mit der Vorarlberger Kulturszene: Die Bildhauerin war hier schon in mehreren Ausstellungen vertreten, und hat eine Schau im Künstlerhaus Bregenz kuratiert. Fischers „Evola“, das nun beim Eintritt in den Bildraum platziert ist, ist sonst in der Geburtskultur-Schau im Frauenmuseum Hittisau zu sehen.

Federskulpturen im Hauptraum. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Federskulpturen im Hauptraum. Petra Rainer

Doch auch in dem Material, das die Künstlerin für einige Arbeiten verwendet, gibt es einen Bezug zur Region. So hat sie zum Beispiel mit einem Band Vorarlberger Spitze ein Wandobjekt erschaffen. Fixiert hat Fischer die Rolle mit Epoxidharz, und dabei darauf geachtet, dass das Muster sichtbar bleibt. In kleinen Objekten hat die Künstlerin Trachtenspitze mit Epoxidharz ummantelt.

Polster in Objekt und Zeichnung. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Polster in Objekt und Zeichnung. Petra Rainer

Fischers „Kreidekreis“ am Boden besteht nicht aus Kreide, sondern aus Federstahl. Inspiriert wurde sie dabei von Bertolt Brechts Stück „Der kaukasische Kreidekreis“, in dem es um den Streit einer leiblichen und einer Ziehmutter um ein Kind geht. Die Distanz zum Boden erzeugt, wie in vielen anderen Arbeiten auch, mit dem daraus entstehenden Schattenspiel eine zusätzliche Dimension. Ein Federobjekt steht auf einem runden Spiegel, woraus sich ein Lichtspiel an den Wänden ergibt.

Obdachlose

Polster sind das Thema im stadtseitigen Raum. In ein Metallgerüst hat Fischer Federpolster, die zuerst in Epoxidharz getränkt wurden, hineingepresst: humorvolle Objekte, die den Spaß, den die Künstlerin bei der Arbeit hatte, sichtbar machen. Polster und Bettdecken finden sich auch auf großen Bleistiftzeichnungen von Fischer wieder, die übrigens an der Angewandten in Wien Aktzeichnen unterrichtet. Ein Sujet hebt sich von den anderen ab: Die Zeichnung „Obdachlos“ zeigt einen mit Säcken überfüllten Einkaufswagen. Während der Pandemie seien die Obdachlosen in Wiens Straßen noch präsenter gewesen, so Fischer, die den Wagen bei einem Spaziergang durch die Porzellangasse abgelichtet, und dann gezeichnet hat.
Dies ist eine spannende Ausstellung – besonders für Freunde der reduzierten Form.

Judith P. Fischer. „Hula Hoop“. Bis 28. Oktober im Bildraum Bodensee, Bregenz. Di., Do., 13 bis 18 Uhr, Fr., Sa., 11 bis 16 Uhr geöffnet.

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