Kultur

Ein Vorarlberg, so wie es einmal war

22.09.2021 • 20:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein tolles Duo: Anna Gross und Stefan Vögel. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
Ein tolles Duo: Anna Gross und Stefan Vögel. Mathis Fotografie

Kabarett „Wo simmer stohbliba?“: ein furioser Figuren-Marathon.

Langsam kehrt wieder „Normalität“ in das Vorarlberger Leben ein, nachdem die vergangenen eineinhalb Jahre ganz im Zeichen der Pandemie standen. Wie war das denn genau „damals“, und wird es wirklich wieder so sein? Stefan Vögel liefert dazu das neue Programm „Wo simmer stohbliba?“, das er im Duo mit Anna Gross auf die Bühne bringt. In vielen kurzen Sketches hat der Autor Vögel einen Reigen an Figuren entwickelt, die – typisch für den Bühnenkünstler – die Vorarlberger Mentalität offenlegen, und dabei das Publikum in kollektives Gelächter versetzen. So war es zumindest bei der Premiere im Alten Kino Rankweil, die mit Applaus und Bravo-Rufen beschlossen wurde.

Missverständnisse zwischen Mann und Frau. <span class="copyright">Mathis Fotografie</span>
Missverständnisse zwischen Mann und Frau. Mathis Fotografie

Es hat die Regisseurin des Stücks Maria Neuschmid wohl einiges an Arbeit gekostet, die vielen kurzen Nummern in Form zu bringen. Und natürlich leisten auch Vögel und Gross Außerordentliches, wenn es gilt, im schnellen Wechsel dutzende Personen darzustellen. Selbst, wenn Vögel es vermeidet, alles um das Thema Corona kreisen zu lassen, gibt es doch Figuren, die uns in die Untiefen der Lockdown-Zeit zurückführen. Da ist etwa der Satteinser Nachbar, der mit dem Feldstecher ganz genau kontrolliert, dass auch jeder die Ausgangsregeln einhält: ein Brüller. Das ist auch die leidenschaftliche Italienerin Giovanna Trapattoni, die in einer Pressekonferenz ihrem Ärger über die Vorarlberger Liebhaber freien Lauf lässt („schwach wie eine Flasche leer“).

Alemannisch-Kurs

Vögel hat es ebenfalls drauf, Dialekte nachzuahmen, das kommt ihm bei einem Alemannisch-Sprachkurs zugute, in dem der Kabarettist ganze zehn Sprachen und Dialekte durchgeht. Was die Beziehung der Vorarl­berger zu Menschen aus dem Ausland betrifft, treibt es jener Sketch auf die Spitze, in dem ein Vorarlberger Ehepaar den Flüchtling sekkiert, der für ein paar Euro in der Stunde in ihrem Garten arbeitet. Oft sind es aber die allseits bekannten alltäglichen Themen, die am besten ankommen: der Vater des Bräutigams, der bei der Hochzeit sturzbetrunken eine Rede hält, oder Missverständnisse zwischen Mann und Frau. Für viel Applaus sorgten auch die dargebotenen Lieder, ein Höhepunkt hier der Song über einen Gasthaus-Besuch mit einem Gucci-Mantel.

Vögel hat erneut seine Meis­terschaft in dem Metier bewiesen, mit Gross hat er eine hervorragende Partnerin zur Seite. Wer sich wieder einmal so richtig amüsieren will, ist hier richtig.

Termine und Karten gibt es unter www.vovo.at.

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