Kultur

Ein würdiger Platz für große Wälder Baukunst

24.09.2021 • 20:27 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Frisch saniert und das Zuhause des neuen Barockbaumeister Museums Au: das Kurathus im Ortsteil Rehmen.  <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Frisch saniert und das Zuhause des neuen Barockbaumeister Museums Au: das Kurathus im Ortsteil Rehmen. Alexandra Serra

Das neue Barockbaumeister Museum ist gelungen: klein aber fein.

Das Bregenzerwälder Handwerk ist damals wie heute gefragt, und so kommt es, dass das neue Barockbaumeister Museum in Au mit tatkräftiger Unterstützung der Auer Handwerkszunft gestaltet wurde – also jener beruflichen Nachkommen, um die es in dem Museum geht. Das Kurathus in dem Ortsteil Rehmen wurde seit dem Sommer 2020 saniert, nun zeigt sich das denkmalgeschützte, 1780 erbaute Gebäude völlig neu, selbst wenn die geschützte Substanz erhalten blieb. Im Erdgeschoss befindet sich nun das Museum, in den Obergeschossen ist der Krankenpflegeverein Au beheimatet, auch die Pfarre hat ihre Räumlichkeiten in dem Haus. Am Sonntag wird das Museum eröffnet, davor gaben die Verantwortlichen einen Einblick in die Ausstellung.

Eine Vitrine im Tisch mit Werken von Tone Fink. <span class="copyright">Alexandra Serra </span>
Eine Vitrine im Tisch mit Werken von Tone Fink. Alexandra Serra

Viel Mut zum Risiko habe die Gemeinde gezeigt, die neben anderen Förderern dieses Projekt unterstützt hat, konkret mit 470.000 Euro, hieß es beim Pressetermin. Anwesend waren unter anderem Bruno Winkler vom Büro Rath & Winkler, welches das Vorhaben begleitet hat, sowie Hotelier Walter Lingg, der sowohl im Museumsteam als auch im Pfarrkirchenrat aktiv ist, und Rainer Muxel, Obmann des Vereins akkurat. Ende 2016 gab es erste Gespräche zu der Initiative, erst 2019 wurde aber der Verein zum Zweck der Realisierung des Museums gegründet, wie Muxel erklärt. Die Gemeinde bewies zudem Mut, da es schon 2005/06 einen Versuch gegeben habe, ein Barockbaumeister Museum an demselben Ort zu realisieren. Dieser Versuch ist gescheitert, nun hat es aber geklappt – und das durch eine einzigartige Kooperation aller Beteiligten, wie betont wurde.

Wirkungsstätten

Einladend wirkt der ebenerdige Eingang zum Museum, der von einem Info-Bildschirm und einem Schaufenster ergänzt wird. In diesem sollen wechselnd aktuelle Akzente gesetzt werden, wie derzeit zu einem Holzprojekt der Auer Zunft. Die hellen Holzböden bestehen – kaum zu glauben – zum Großteil aus der alten Bodensubstanz, die abgesägt wurde. Im Aufenthaltsraum wurde in einem langen Tisch eine Vitrine eingebaut, in welcher aktuell Bilder von Tone Fink zum Thema Barock zu sehen sind: Gut möglich, dass der Künstler mit Wälder Wurzeln auch noch ein dreidimensionales Objekt zeigen wird, verriet Winkler – vielleicht einen barocken Engel? An der Wand angebracht sind eine Karte mit einer Auswahl an Wirkungsstätten der Barockbaumeister aus dem Wald, sowie ein Familienstammbaum.

V.l.: Bruno Winkler, Walter Lingg, Rainer Muxel und Martin Natter (akkurat, Krankenpflegeverein Au).<span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">Alexandra Serra </span></span>
V.l.: Bruno Winkler, Walter Lingg, Rainer Muxel und Martin Natter (akkurat, Krankenpflegeverein Au).Alexandra Serra

Im Ausstellungsraum gibt es mehr zu erfahren über die Hundertschaften von Bregenzerwälder Handwerkern, Stuckateuren und Baumeistern, die in der barocken Hochblüte ab Mitte des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts jeden März auszogen, um Kirchen und andere sakrale und säkulare Bauten zu errichten. Etwa 600 Barockbauten wurden mithilfe von Wälder Handwerkswissen errichtet, wie Lingg ergänzt. Wesentlich für den Erfolg zahlreicher Bauvorhaben sei auch das große Organisationstalent der Baumeister gewesen, so Winkler.

Der Ausstellungsraum. <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Der Ausstellungsraum. Alexandra Serra

Zu Beginn des Museumsprojekts hätte es noch gar keine Objektsammlung gegeben, wie Museumsberater Winkler einräumte. Durch ausgiebige Recherchen und Aufrufe an die Bewohner des Bregenzerwaldes können nun einige spannende Objekte gezeigt werden, wie ein Originalplan, der plötzlich im Gemeindeamt aufgetaucht war. Originale Stuckaturen aus dem schweizerischen Gersau sind zum Beispiel ausgestellt, wo der Auer Stuckateur Johann Josef Moosbrugger (1771 bis 1841) an der dortigen Pfarrkirche arbeitete. Die Stuckatur-Teile sollten die eingebauten ersetzen, falls diese brüchig werden, wie Winkler erklärt.

Benutzerfreundlich

In den zwei Bänden der „Auer Lehrgänge“, die vom vorarlberg museum verwahrt werden, ist das Handwerkswissen der Auer Zunft versammelt, das an die Lehrlinge weitergegeben wurde. Der Vorteil, dass eben nicht die originalen Bücher in Au aufliegen, liegt in der hohen Benutzerfreundlichkeit: Auf einem Bildschirm kann der Besucher in die digitalisierten Blätter zoomen und zusätzliche Infos einholen. Zudem wird die Zunftlade präsentiert, in denen die Schriften der Zunft aufbewahrt wurden.

Das neue Museum

Barockbaumeister Museum Au. Im Kurathus, Rehmen 39. Eröffnung am Sonntag, den 26. September ab 10 Uhr. Öffnungszeiten bis 31. Oktober: Donnerstag, 13 bis 17 Uhr, Freitag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr.

Über den Gründer der der Auer Zunft, Michael Beer, wie auch über prominente Vertreter wie Peter Thumb, der am Kloster St. Gallen tätig war, gibt es mehr zu erfahren – und auch über Bauten wie das Kloster Einsiedeln oder das Kloster Engelburg, das nach einem Brand neu aufgebaut wurde. Zudem werden auch soziale Aspekte beleuchtet: Welche Rolle übernahmen zu Hause die Frauen in jener Zeit, in der die Männer unterwegs waren? Wie lebte man damals in Au?

Identität

In einer Couch ist eine Hörstation eingebaut, in der in drei Sprachen – Deutsch, Englisch und Wälder Dialekt – eine Handwerksreise von Sprechern der Theatergruppe Bizau erfahrbar gemacht wird. Es gibt ausziehbare Schubladen, deren Inhalt tiefere Einblicke gewährt. Präsent ist die Verbindung der Geschichte zur Identität des Dorfes heute, die sich auch im Gebäude selbst manifestiert hat: Beachtlich, was die Museums-Macher und Handwerker auf nur einem Geschoss mit knapp 100 Quadratmetern geschaffen haben.

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