Kultur

Architektin und Gärtnerin in einem

01.10.2021 • 21:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mehrfach ausgezeichnet: Krimiautorin Alex Beer. <span class="copyright">Pamela Russmann</span>
Mehrfach ausgezeichnet: Krimiautorin Alex Beer. Pamela Russmann

Autorin Alex Beer im Interview über ihr neues Buch “Der letzte Tod”.

Worüber handelt Ihr neuer Krimi „Der letzte Tod“, ohne zu viel zu verraten?
Alex Beer: Es geht zurück in der Zeit. Wir gehen nach Wien ins Jahr 1922. Wien ist zu der Zeit ganz kaputt. Es gibt viel Arbeitslosigkeit, Hunger und Kälte. In diesem Jahr ist die Hyperinflation schon sehr stark zu spüren, ein Ei kostet so viel wie früher ein Auto. Es ist alles morbide und düster. Mitten in dieser Zeit wird eine Leiche gefunden, die schon länger in einem Tresor liegt. August Emmerich ermittelt dabei zynisch und brachial wie immer.

Wie charakterisieren Sie den Kommissar August Emmerich?
Beer: Er ist ein totales Raubein, sehr zynisch und ein Kind seiner Zeit. Er hat es geschafft, indem er sich immer durchgeschlängelt hat. Emmerich kann lügen, ohne rot zu werden, und hat eine eigene Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit, obwohl er bei der Polizei arbeitet. Er steht auf der Seite der Underdogs. Außerdem hat er keine Manieren und keinen Anstand und eckt damit öfters an. Es ist für mich bisher der spektakulärste Roman, weil die Morde sehr düster sind, und weil es Emmerich mit seinem alten Erzfeind Xaver Koch zu tun bekommt.

Alle Ihre Emmerich-Romane spielen in der Vergangenheit. Wie sind Sie auf das Genre des historischen Krimis gekommen?
Beer: Ich habe früher unter meinem bürgerlichen Namen Daniela Larcher schon Krimis veröffentlicht. Das waren regionale Krimis und „cosy crime“. Mich reizte dann eine neue Art. Da ich Historikerin bin, habe ich geschaut, welche Epochen in der österreichischen Geschichte spannend sind und bin in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hängengeblieben. Sie zeigt Wien und auch Österreich von einer Seite, die man überhaupt nicht kennt. Die Demokratie war noch ganz jung, die Monarchie gerade erst abgeschafft.

Alex Beer. Der letzte Tod. Ein Fall für August Emmerich. Random House/Limes, 384 Seiten, 20,60 Euro.

Ihre Figuren wissen nicht, dass sie in einer historisch wichtigen Zeit leben. Gibt es einen Trick, diesen allwissenden Erzähler zu umgehen?
Beer: Ich versuche einfach, mich ganz fest in die Köpfe dieser Menschen einzufühlen. Ich mache sehr viel Recherche für meine Bücher und bin daher emotional sehr in dieser Zeit drinnen. Ich lese viele Biografien, verbringe oft Monate in der Nationalbibliothek und wälze Bücher und alte Stadtpläne.

Warum ist dieser große Aufwand nötig?
Beer: Bei historischen Romanen gibt es eine kleine Gruppe an Lesern, die lesen das Buch, um einen Fehler zu finden. Das ist dann ihre Freude, neben der Unterhaltung des Krimis. Die können sehr kritisch sein. Ich probiere ihnen aber kein Futter zu geben und alles wasserdicht zu machen. Gleichzeitig schulde ich den Lesern die historische Exaktheit, da sie sich von einem historischen Krimi gute Recherche erwarten. Sie sollen das Bestmögliche bekommen.

Plotten Sie die Geschichte (die komplette Handlung vor dem Schreiben festlegen, Anm.), oder schreiben Sie drauflos?
Beer: Ich probiere jedes Kapitel zu plotten, ansonsten schreibe ich mich in Sackgassen hinein und verliere sehr viel Zeit, da wieder rauszukommen. Ich tue mir leichter, wenn ich vorher schon ein Grundkonstrukt habe. Für mich ist es so wie Reisen. Wenn ich von A nach B möchte, ist es auch besser, wenn ich einen Stadtplan dabei habe. Es gibt die Einteilung in den Gärtner und den Architekten bei den Schriftstellern. Der Architekt beginnt erst zu bauen, wenn alles passt. Der Gärtner streut mal die Samen aus und schaut was wächst. Ich bin so eine Mischform.

Werden Sie die Emmerich-Reihe fortsetzen? Wenn ja, wann erscheint das nächste Buch?
Beer: Ja, auf jeden Fall, der sechste Band ist schon vom Verlag bestellt worden und wird voraussichtlich im Frühjahr 2023 erscheinen. Wenn es den Lesern gefällt, wird es noch viele Teile geben.

Daniel Furxer

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