Kultur

Die Schattenburg in neuem Licht sehen

05.10.2021 • 20:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erster Blick auf das Werk von OchoReSotto am Dienstagabend.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Erster Blick auf das Werk von OchoReSotto am Dienstagabend. Klaus Hartinger

Am Mittwoch startet die zweite Lichtstadt Feldkirch.

Das vergangene Lichtstadt-Spektakel ist schon eine Weile her: 2018 wurde die Feldkircher Innenstadt erstmals in ein großes Lichtkunstwerk verwandelt, 2020 sollte eigentlich die zweite Ausgabe stattfinden. Am Mittwoch ist es nun endlich so weit – ab 19 Uhr werden an insgesamt elf Stationen sieben Künstler und Künstlerkollektive ihre Lichtkunst zeigen. Als eine Hauptbühne hat sich, neben der Marktgasse, die Neustadt mit der Alten Dogana und der Schattenburg hervorgetan. War es 2018 Philipp Geist, der das Montforter Wahrzeichen in ein neues Licht gerückt hat, ist es heuer das Grazer Kollektiv OchoReSotto, das sich der Schattenburg und der Alten Dogana annimmt. Bei der technischen Einrichtung vor Ort sprach das Trio im Vorfeld über ihre Arbeit „Arkestra of Light – Correspond in Pattern“.

OchoReSotto, v.l.: Volker Sernetz, Lia Rädler und Stefan Sobotka-Grünewald. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
OchoReSotto, v.l.: Volker Sernetz, Lia Rädler und Stefan Sobotka-Grünewald. Roland Paulitsch

Seit fast 20 Jahren arbeiten die Grazer als Film- und Projektionskünstler. Stefan Sobotka-Grünewald und Volker Sernetz haben ihre gemeinsame Arbeit im Rahmen eines Vereins begonnen, wie Sobotka-Grünewald erzählt. Größer wurden die Projekte dann, als sie für ein Berliner Musiklabel Projektionen für Liveshows mit Jazz-Größen wie Elvis Costello gestalteten. Schon damals hätten sie sich für die Arbeit an verschiedenen Locations an den Gegebenheiten vor Ort orientiert – und auch heute noch würden sie den Raum, den sie bespielen, in das jeweilige Werk miteinbeziehen, meint das Kunstkollektiv. Bei Großprojekten im Freien – OchoReSotto haben etwa schon die Grazer Oper oder die Staatsoper in Wien in Szene gesetzt – müsse natürlich die Größe und Entfernung der zu bespielenden Gebäude miteinberechnet werden.

Analog und digital

Analog und digital. Künstlerin Lia Rädler, die seit 2012 bei OchoReSotto dabei ist, erwähnt einen wesentlichen Punkt für das Schaffen der international tätigen Gruppe: Analoge Medien sind nach wie vor ein wichtiger Teil der Visuals. So werden dafür auch Filme etwa mit 16-Millimeter-Kameras selbst gedreht, sogar Dias verwendet das Kollektiv: Mit einer Dia-Größe von 18 mal 18 Zentimetern ließe sich tatsächlich eine große Fläche bespielen, meint Sobotka-Grünewald. Analoge Ästhetik trifft auf digitale Technik.
Im Lichtstadtprojekt werden die Projektionen über Beamer ausgestrahlt, die Visuals auf der Schattenburg-Fassade bestehen auch aus Filmmaterial: Menschliche Bewegungen wurden vor einem Greenscreen gefilmt. Die Körper wurden im Zuge der Arbeit immer mehr abstrahiert, beinahe wie Animationen würden sie nun wirken, sagt Rädler. Auf der Schattenburg würden sich die Bewegungen langsam und fein zeigen – laut Verkehrsamt dürften die Autofahrer vor dem Tunnel nicht zu sehr abgelenkt werden, erzählen die Künstler.

Entfernung

Muster zeigen die Projektionen auf der Alten Dogana, diese würden organisch wirken, wenn sie sich – korres­pondierend mit der Architektur des historischen Gebäudes – ebenfalls bewegen und verändern, erklären die drei. Auf Projektionen, die die Straße in der Neustadt selbst und die Nebengebäude bespielen, hat OchoReSotto verzichtet. Dafür werden die Gebäude ins Zentrum gestellt: Die Vorarlberger sollen die Schattenburg neu sehen, so Rädler. Ideal für ihre Arbeit sei die geringe Entfernung zur Neustadt, im Gegensatz etwa zum Grazer Uhrturm, der weit oben über der Stadt thront.

Lichtstadt Feldkirch. 6. bis 9. Oktober, jeweils 19 bis 24 Uhr. Infos: www.lichtstadt.at.

Um das sinnliche Erlebnis zu ergänzen und die Illusion zu verstärken, gibt es auch einen von Musikern eigens komponierten Sound zur Lichtinstallation. Bei einem Probendurchlauf Dienstagabend konnte schon ein Vorgeschmack auf das audiovisuelle Werk gewonnen werden.

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