Kultur

Lichtkunst-Spektakel auf hohem Niveau

06.10.2021 • 22:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lichtstadt-Eröffnung bei der Alten Dogana mit OchoReSotto. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Lichtstadt-Eröffnung bei der Alten Dogana mit OchoReSotto. Oliver Lerch

Bis Samstag läuft noch Lichtstadt Feldkirch: Unbedingt hingehen!

Mit einem Spektakel, das für jeden einfach zugänglich ist und einen immer wieder neuen Blick auf die Feldkircher Innenstadt ermöglicht, möchte die Lichtstadt Feldkirch den Menschen hochwertige zeitgenössische Kunst näherbringen – und der Plan geht voll und ganz auf. Staunen und Begeisterung war am Mittwochabend bereits kurz nach der Eröffnung unter den Betrachtern bemerkbar, als mit Peter Kogler in der Johanniterkirche und OchoReSotto bei der Alten Dogana und Schattenburg das Lichtkunstfestival eröffnet wurde. Pure Sinnlichkeit und hohe künstlerische Qualität finden bei der diesjährigen Lichtstadt mit Leichtigkeit und auf verschiedene Weise zusammen. Die künstlerischen Leiter sind Thomas Häusle und Arno Egger.

Peter Koglers Arbeit in der Johanniterkirche. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Peter Koglers Arbeit in der Johanniterkirche. Oliver Lerch

Vor der Eröffnung wurde zur Pressekonferenz geladen, bei der Lichtkunst-Obmann Stefan Marte, Co-Geschäftsleiterin Sina Wagner und Bürgermeister Wolfgang Matt über die Lichtstadt und ihr Programm informierten. Matt räumte ein, dass er damals, als in seiner Zeit als Finanzreferent das Projekt erstmals an ihn herangetragen wurde, zuerst Bedenken ob des Aufwands gehabt hätte – nun sei er froh und dankbar über die gelungene Überzeugungsarbeit der Initiatoren. Im Gegenteil zur ersten Ausgabe hätte das Team diesmal mehr Zeit für die Programmgestaltung gehabt, erklärte Wagner. Das Resultat sei ein „ausdifferenziertes, feines Programm“, das sich heuer kompakt im innersten Kreis der Innenstadt zeigt, denn das Reichenfeld wurde diesmal ausgelassen. Der Verantwortung gegenüber der Stadtbewohner sei man sich bewusst. Ein Vorteil der Lichtkunst sei zudem, dass der öffentliche Raum großflächig bespielt werden kann, ohne die Bausubstanz zu beanspruchen. Als Budget hatte Lichtstadt Feldkirch 400.000 Euro zur Verfügung.

"Cubed Dream" von artificialOwl in der Marktgasse.<span class="copyright"> Oliver Lerch</span>
"Cubed Dream" von artificialOwl in der Marktgasse. Oliver Lerch

Bereits am frühen Abend konnten einige Besucher die Lichtinstallation des renommierten österreichischen Medienkünstlers Peter Kogler erleben – und es ist in der Tat ein Erlebnis: Linien aus Licht werden zu Rastern, Raster zu Wellen, die den Raum abtasten und neu vermessen. Wände werden schief, verschieben sich, heben sich in die Höhe. Zusammen mit dem effektvollen Sound von Franz Pomassl zieht dieses Werk den Betrachter gänzlich in den Bann. Ein gewisses Mindestmaß an Schwindelfreiheit kann hier jedenfalls nicht schaden. Bei einer kurzen Ansprache erzählte Kogler, dass er eine familiäre Verbindung zu Vorarlberg habe und auch künstlerisch sei er mit der Region vor allem durch seine Schau im KUB im Jahr 2000, verbunden. Die Kirche sei ein Ort der starken emotionalen Ereignisse: Da passt dieses Werk ohne Titel ganz gut.

Zwei Vertreter von Neon Golden im "Circle" im Hof des Palais Liechtenstein. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Zwei Vertreter von Neon Golden im "Circle" im Hof des Palais Liechtenstein. Oliver Lerch

Bei der Alten Dogana hatte sich um 19 Uhr bereits ein schaulustiges Publikum versammelt, das darauf wartete, dass der Bürgermeister und Wagner in einem symbolischen Akt den Lichtstecker aktivieren. Das Licht ging an und zwei Hände vereinten sich auf der Fassade der Alten Dogana. Um die Auflösung von Gegensätzen in der Kommunikation drehe sich die Arbeit von OchoReSotto, meinte Häusle. Körper klettern aus den Fenstern des Gebäudes, schwarz-weiße Phasen wechseln ins Bunte. Tatsächlich hat sich das Kollektiv intensiv mit der Architektur auseinandergesetzt und auch hier ist es das Zusammenspiel von Licht und Sound, das die Wirkung abrundet. Intelligent und raffiniert bis ins Detail zeigt sich dieses Werk, auch die Schattenburg wird wunderbar bespielt: auf jeden Fall ein Höhepunkt.

Träumen

Musik spielt auch bei artificialOwl am Churer Tor eine Rolle, wo die Gruppe die neue Arbeit „Sinus 1.0 Classic Edition“ zeigt. Hier hat der Vorarl­berger Komponist Herbert Willi eine Komposition beigesteuert, die für die Arbeit neu abgemischt wurde. Sinuswellen sind die Grundlage der Visuals. Ein Kubus in der Marktgasse von artificialOwl soll den Betrachter ins Träumen versetzen. Willis Musik spielt hingegen auch in dem Film „geraume Zeit“ eine Rolle, der in der Zeit des Festivals kostenlos im Rio-Kino läuft. Brigitte Kowanz bespielt Raiffeisenplatz und Kunstbox mit leiseren Arbeiten, an ersterem Ort kann das Wort „recover“ durch die Morse-Sprache entziffert werden. Die Künstler von Neon Golden haben das Palais Liechtenstein in Beschlag genommen, David Reumüller hat hinter dem Montforthaus ein interaktives Werk geschaffen, das sich parasitär von der Montforthaus-Fassade ernähren soll, wie Wagner erklärte. Die größte bewegliche und bespielbare Puppe, der „Gigant des Lichts“ von Dundu, ist nur am Samstag zu Gast. Doch auch so gibt es genug zu sehen!