Kultur

“Asterix ist nicht politisch”

24.10.2021 • 13:40 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Jean-Yves Ferri ist der Autor der Asterix-Abenteuer
Jean-Yves Ferri ist der Autor der Asterix-Abenteuer Christophe Guibbaud/ Egmont Ehapa

Der Franzose Jean-Yves Ferri ist der Autor der Asterix-Abenteuer.

Ist das neue Album „Asterix und der Greif“ Ihre „Ausweitung der Kampfzone“ in Bezug auf die Eroberung neuer Grenzen im Universum der Gallier?
Jean-Yves Ferri: Ich hoffe so, es ist zuletzt ja auch ein Versuch, die Serie zu erneuern.


Ich spiele damit auch auf die Figur des Globulus an, der nach dem französischen Autor Michel Houellebecq gezeichnet ist?
Ich bin ja eigentlich kein Leser von Houellebecq, ich habe ihn eher aufgrund seines physischen Erscheinungsbilds ausgewählt, weil er aussieht wie ein römischer Geograf.


Das neue Album ist eine Reise in den Osten, in ein kaltes und weites Land. Was war für Sie der Grund, dieses Abenteuer und die Sarmaten als Charaktere auszuwählen?
In Frankreich und in Österreich wird es nicht anders sein, weiß man sehr wenig über die Sarmaten. Deshalb habe ich mich für sie entschieden. Ja, es war mein Weg, ein eigenes, realistisches Königreich zu erfinden. Dadurch ist man freier, es war dadurch keine Kritik von real existierenden Ländern zu erwarten. Ich borgte mir aber viel von der slawischen Folklore, so sind zum Beispiel die Holzhäuser aus Ungarn und Polen entlehnt. Das Essen im Album ist zum Beispiel mongolisch.


In Asterix geht es um Tradition und gleichzeitig um Weiterentwicklung. Wie schwierig ist es, die Story weiterzuentwickeln, ohne die lieb gewordenen Eigenheiten zu vernachlässigen?
Es gibt dafür kein magisches Rezept. Die Herausgeber von Asterix dachten, dass zwei Autoren (Ferri und Didier Conrad, Anmerkung) die Geschichte von Asterix weitererzählen könnten. Am Ende ist es für uns alle ein kleines Wunder.


Wie wichtig ist es, in den Abenteuern der Gallier den Zeitgeist zu verhandeln?
Ja, es ist wichtig über Dinge, die aktuell sind, zu sprechen. Aber auf subtile Art und Weise. Asterix ist nicht politisch. Man muss über aktuelle Geschehnisse schreiben, das tat auch schon René Goscinny. In diesem aktuellen Album spielt die Umwelt eine große Rolle, darüber muss man sprechen.


Könnte man Asterix im 21. Jahrhundert noch einmal erfinden?
Das ist eine gute Frage. Nicht wirklich. Asterix entspricht einer typischen Periode der Zeit. Aber weil Asterix so populär geblieben ist, ist es möglich, dieses klassische Format weiterzuerzählen. Wie bei jedem anderen Erbe auch. Asterix überlebt aufgrund seiner eigenen Popularität.


Wird der Wendelring, ein wichtiges Symbol für die Gallier, der am Ende des Albums „Die Tochter des Vercingetorix“ am Grund des Sees abtaucht, noch einmal eine Rolle spielen?
Vielleicht wird er eines Tages heraufgetaucht und spielt noch einmal eine Rolle. Wie auch der Coronavirus, diesen Namen gab ich einmal in „Asterix in Italien“ einer Figur.


Was bedeuten Ihnen die Gallier persönlich?
Bei mir spielte Asterix schon in der Kindheit eine Rolle. Dass daraus einmal ein Beruf werden würde, ist eine für mich ziemlich beeindruckende Sache.

Klaus Jöken übersetzt Asterix und Lucky Luke
Klaus Jöken übersetzt Asterix und Lucky LukeFotograf

Die Kunst der Sprechblasen

Wenn Klaus Jöken nicht gerade die Abenteuer der unbeugsamen Gallier aus Aremorica übersetzt, zieht er sich in seine Garage zurück, um dort alte Möbel zu restaurieren. „Wenn man sägt und schleift, kann das den Kopf leeren“, sagt Jöken. Auch das neueste gerade eben im Egmont Ehapa Verlag erschienene Album „Asterix und der Greif“ hat er mit viel Gespür übersetzt. Und natürlich unter höchster Geheimhaltungsstufe: Während er übersetzt, darf keine Notiz sein Büro verlassen. Jedes Blatt Papier muss danach geschreddert werden. Und wenn er mit Autor Jean-Yves Ferri oder dem Verlag kommuniziert, passiert das über geheime Server. Bei einer weltweiten Startauflage von fünf Millionen, davon um die 1,5 Millionen im deutschen Sprachraum, versteht man die Geheimniskrämerei.
Für Jöken war es das Abenteuer mit den meisten neuen Figuren: Aber bis die Namen von Figuren wie Gladiator Ausdiemaus, Zenturio Brudercus oder dem römischen Geografen Globulus zu lesen sind, muss Jöken immer wieder einmal an seinen Möbelstücken werken. „Im Französischen heißt Globulus Terrinconus. Wie das unbekannte Land, eine Terra incognita. Man sucht also einen Namen, der mit Geografie zu tun hat“, erklärt Jöken. Immer wieder wird mit dem Egmont Ehapa Verlag sowie dem Autor kommuniziert. „Meine Übersetzungen werden nach Paris geschickt.“ Der Druck, eine gute Übersetzung abzuliefern, ist groß. In „Asterix in Italien“ erdachte sich Szenarist Ferri einen römischen Wagenlenker namens Coronavirus: „Ferri hatte einen Bösewicht gesucht und dachte sich: Schau ich doch einmal in die Liste der Viren. Ich machte daraus Caligarius, weil der an das „Cabinett des Dr. Caligari“ erinnert, den ersten großen Bösewicht im deutschen Film.“ Und im neuen Abenteuer, wo nomadische Kriegerinnen im Land der Sarmaten das Sagen haben, hat sich Jöken Namen wie Kalaschnikowa ausgedacht.

Ferri/ Conrad. Asterix und der Greif, Egmont Ehapa, 46 Seiten, 7,10 Euro.
Ferri/ Conrad. Asterix und der Greif, Egmont Ehapa, 46 Seiten, 7,10 Euro.Fotograf

Hintergrund

Jean-Yves Ferri wurde am 20. April 1959 in  Algerien geboren, wuchs ab seinem dritten Lebensjahr in Frankreich auf. Mit Pilote, der Zeitschrift, in der Asterix erstmals erschien, lernte er lesen. Seit „Asterix bei den Pikten“ (2013) ist Ferri Texter, Didier Conrad der Zeichner.

Die Franzosen Albert Uderzo (1927 bis 2020) und René Goscinny (1926 bis 1977) haben die Abenteuer der rauflustigen Gallier 1959 für das Jugend-Magazin Pilote erfunden.


Namen spielen in den Asterix-Abenteuern immer eine bedeutende Rolle: Der kleine Gallier selbst leitet sich von Asterisk, dem griechischen Wort für „Sternchen“ (*) ab. Im neuen bei Egmont Ehapa erschienenen Band „Asterix und der Greif“ tritt der römische Geograf Globulus auf, der eine Karikatur des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq (rechts) ist.

Asterix und Obelix zieht es nach Osten - im Land der Sarmaten leben die Frauen als kriegerische Reiterprinzessinnen
Asterix und Obelix zieht es nach Osten – im Land der Sarmaten leben die Frauen als kriegerische ReiterprinzessinnenFotograf

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