Kultur

Das eigene Frausein als Tanz

02.11.2021 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Acht Frauen haben das neue Stück „=[mujer]*“ gestaltet. <span class="copyright">daniella.o.photography</span>
Acht Frauen haben das neue Stück „=[mujer]*“ gestaltet. daniella.o.photography

Rachel Robin-Bowman zeigt im Palast Hohenems ihr neues Stück.

Was es heißt, eine Frau zu sein, das erkunden acht Tänzerinnen in einem neuen Stück, das am 18. November im Palast Hohenems uraufgeführt wird. Flamenco-Expertin Rachel Robin-Bowman vom Verein Jaleo hat das Tanztheater mit dem Titel „=[mujer]*“ zusammen mit den teilnehmenden Tänzerinnen entwickelt. Die vielen Facetten des Frauseins zeigen sich dabei in individuellen Lebensgeschichten, die in einen großen Rahmen – den Flamencotanz – gesetzt wurden, wie Robin-Bowman im Gespräch erklärt. Auch sie sei in der Arbeit an der Performance als Tänzerin und Choreografin neue Wege gegangen.

Rachel Robin-Bowman.  <span class="copyright">daniella.o.photography</span>
Rachel Robin-Bowman. daniella.o.photography

Robin-Bowman arbeitet schon seit März 2020 an dem Stück, durch die Pandemie musste die Premiere verschoben, viele Proben online durchgeführt werden. Viele der Frauen würden schon lange Flamenco tanzen, sie versuchten nun etwas Neues: Denn um die eigene Geschichte in Bewegungen zu übersetzen, wurden auch Elemente aus dem Ausdruckstanz verwendet, wie die Leiterin des Projekts informiert. Diese von den Tänzerinnen eigens entwickelten Choreografien werden jedoch von der großen Klammer Flamenco umrahmt. Es sei erstaunlich, wie natürlich sich diese individuell gestalteten Bewegungen wieder zu dem spanischen Tanz zurückführen ließen, sagt sie. Die originale Flamencomusik gibt dabei den Rhythmus vor, den Tänzerinnen ist Robin-Bowman bei der Choreografie beratend zur Seite gestanden.

Ausloten

Auch die künstlerische Leiterin selbst ist Teil des Ensembles, sie hat sich wie alle Tänzerinnen intensiv mit ihren eigenen Erfahrungen und Emotionen auseinandergesetzt. Dabei lernte man sich gegenseitig, und wohl auch sich selbst noch besser kennen, so die Tanzlehrerin. Der Prozess, der damit in Gang gesetzt wurde, sei immer noch nicht abgeschlossen: Vieles könne tanztherapeutisch noch weiter erforscht werden. Zu der Arbeit an dem Stück gehöre auch ein Ausloten, wie viel die Frauen von sich preisgeben wollen, dazu. Es brauche Mut, die eigene Geschichte auf die Bühne zu bringen.

Gewinn

Neben den individuellen Erzählungen ginge es aber auch um die Frage, ob etwas, und wenn ja, was allen Frauen gemein sei, so Robin-Bowman. Das in dem Titel enthaltene Gendersternchen sei hier besonders wichtig: Dass sich der Begriff des Frauseins weiter öffne, sei ein Gewinn für alle, ist die Tänzerin überzeugt. Jede der Tänzerinnen hätte sich übrigens ihr eigenes Kostüm mit einer selbstgewählten Farbe designen können – und trotz aller Unterschiede würden die Kostüme nun perfekt zusammenpassen.

„=[mujer]*“. Do., 18. November, 19.30 Uhr, Palast Hohenems. Reservierung: Tel. 0699 1815 0302.

Zur Erforschung des Frauseins gehört für Robin-Bowman auch das Nachdenken über Männer dazu, und so geht es beim nächsten Flamenco Festival im kommenden Jahr um das vermeintlich „starke Geschlecht“. Das Interesse an den Frauengeschichten scheint groß: Es empfiehlt sich eine baldige Kartenreservierung.

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