Kultur

Bludenz: Viel Applaus für “Souvenir” von Silvia Salzmann

04.11.2021 • 21:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Silvia Salzmann in "Souvenir".<span class="copyright"> Stefanie Momo beck</span>
Silvia Salzmann in "Souvenir". Stefanie Momo beck

Tanzstück feierte am Mittwochabend in der Remise Premiere.

Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, Liebeslieder aus der Schulzeit, Postkarten aus fremden Ländern, Bilder, die uns in Erinnerung bleiben: Gerüche, Geräusche, Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, Liebeslieder aus der Schulzeit, Postkarten aus fremden Ländern, Bilder, die uns in Erinnerung bleiben: Gerüche, Geräusche, Musik und kleine Gegenstände können uns unsere Vergangenheit wieder lebhaft vor Augen führen und spürbar machen. Diese „Souvenirs“ rufen mal schmerzhafte, mal liebevolle Gedanken und Ereignisse ins Gedächtnis. Die neue multimediale Performance der Tänzerin und Choreografin Silvia Salzmann und der Foto- und Videokünstlerin Sarah Mistura lädt das Publikum dazu ein, eine Auswahl dieser „Souvenirs“ mit allen Sinnen zu erleben und auch seine eigene Vergangenheit zu befragen – Interessierte können sich nämlich auch nach der erfolgreichen Uraufführung des Stücks selbst einbringen. In der Remise Bludenz feierte „Souvenir“ am Mittwochabend Premiere.

Dynamischer Einstieg in das Stück. <span class="copyright">Stefanie Momo Beck</span>
Dynamischer Einstieg in das Stück. Stefanie Momo Beck

Salzmann lädt für ihre Produktionen meist weitere Künstler ein, um sich am Stück zu beteiligen. Dementsprechend vielfältig zeigen sich auch hier die Erzählweisen, die zu einer Art Reise ins Innere eines kollektiven Ichs führen: Die Vorarlberger Tänzerin zeigt uns zwar viele persönliche Elemente, vermischt diese aber auch mit den „Souvenirs“ anderer. Zuerst aber ertanzt Salzmann ihre eigenen Emotionen und Erinnerungen, wenn sie die auf der Bühne verteilten weißen Elemente intensiv bespielt. Dynamisch und mit einer Portion Hip-Hop-Akrobatik bewegt sie sich von einer Form zur nächsten, von schrägen Flächen zu Ecken und Kanten. Wie es ist, wenn Vergangenes die Handlungsfähigkeit in der Gegenwart einschränkt, zeigt sie uns, indem sie im verkehrt getragenen Männersakko agiert. Den Pferdeschwanz im Gesicht, ist es beinahe unheimlich, wie sie den bis zum Maximum angespannten Körper mit minimalen Bewegungen formt. Diese innere Spannung steht im Gegesatz zu der weiblichen Stimme aus dem Off, die wie in einem Meditations-Hörspiel zur Entspannung aufruft.

Eigene Wurzeln

Die mobilen Elemente auf der Bühne dienen weiters als Projektionsfläche für Misturas Videoarbeiten. Kombiniert mit Spiel und Gesang der Sound-Designerin Cornelia Baumgartner, wird die Performance im Bludenzer Buchenwald mit Kolleginnen (etwa Marina Rützler) zu einer berührenden Geschichte von Nähe und Trennung, vom Scheitern und der heilenden Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. In einem zweiten Video, das von Baumgartner live mit Geräuschen begleitet wird, scheint sich eine Beziehungsgeschichte abzuzeichnen. Ein Mann verspeist am See einen Gugelhupf – er ist das Markenzeichen des Stücks – in mehreren Wiederholungen, zuerst genüsslich, dann weniger achtsam, schließlich wütend und deprimiert. Nicht nur das was bleibt, auch Verlust ist offenbar ein Thema.

Cornelia Baumgartner sorgt für Live-Sound.<span class="copyright"> Stefanie Momo Beck</span>
Cornelia Baumgartner sorgt für Live-Sound. Stefanie Momo Beck

Gegen Ende verdichten sich die „Souvenirs“, Sounds und Erzählungen aus dem Off beschreiben sensuelle Erfahrungen aus der Vergangenheit: Der Geruch von Oma und Opa, das Deo eines Schulkameraden, Reiseerinnerungen, alte Hits aus Jugendjahren vermischen sich zu einem rasanten Medley. Salzmann fügt die einzelnen Bühnenteile zu einer Gugelhupfform (Bühne: Roland Adlassnigg) zusammen, aus einer Ruheposition setzt sie zum Finale an. Schon zuvor konnte sie das Sakko geschickt abstreifen, nun scheint sich die Tänzerin ganz zu befreien.

„Souvenir“ von Silvia Salzmann und Sarah Mistura. Termine: Fr., 12. November, 20.30 Uhr, Kammgarn Hard. Mi., 24. November, 20 Uhr, Spielboden Dornbirn. Infos: www.silviasalzmann.com/souvenir/.

„Souvenir“ ist nicht zuletzt geprägt von Salzmanns eigenem Tanzstil: Manchmal kommen die Bewegungen aus dem Inneren, manifestieren sich als ein Beben des Körpers. Dann wieder zeigt uns die Tänzerin ihren weiten Bewegungsradius, wenn sie den Raum mit einer wunderbaren Leichtigkeit und Virtuosität einnimmt. An Emotionen, Witz und inhaltlichen Impulsen fehlt es ebenso wenig: ein schönes Zusammenspiel!
Wer noch seine eigenen „Souvenirs“ einfließen lassen will, kann sich der Künstlerin auf ihrer Website mitteilen.

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