Kultur

Volle Kraft voraus in die nächste Saison

10.11.2021 • 19:44 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
 Im Festspielhaus wurde das Programm der Bregenzer Festspiele 2022 präsentiert. <span class="copyright">Bregenzer festspiele/Anja Köhler</span>
Im Festspielhaus wurde das Programm der Bregenzer Festspiele 2022 präsentiert. Bregenzer festspiele/Anja Köhler

Ruhigeres Bühnenbild auf dem See, David Pountney kehrt zurück.

Zwei Mal Opernstudio und zwei Mal Schauspiel, neues Musiktheater, Junge Festspiele, erste Opernatelier-Einblicke, eine Orchester-Akademie, Festspiel-Klassiker und natürlich das neue Spiel auf dem See: So einiges erwartet die Besucher der 76. Ausgabe der Bregenzer Festspiele, die bereits vor der Saison, die mit „Madame Butterfly“ am 20. Juli eröffnet wird, ein paar Vorboten aussenden. Über das üppige Programm informierten am Mittwoch Intendantin Elisabeth Sobotka mit dem kaufmännischen Direktor Michael Diem und dem Festspielpräsidenten Hans-Peter Metzler. Regisseur Andreas Homoki gab erste Einblicke in die Seeproduktion.

Intendantin Elisabeth Sobotka.<span class="copyright"> Bregenzer festspiele/Anja Köhler</span>
Intendantin Elisabeth Sobotka. Bregenzer festspiele/Anja Köhler

Mit dem – nicht zuletzt finanziellen – Rückenwind der vergangenen Spielzeit arbeite man mit viel Energie und mit „vollem Speicher“ am kommenden Programm, so die Verantwortlichen. Dass das Spiel auf dem See die kleineren und neuen Produktionen wesentlich mitfinanziert, zeige sich bei der Planung für 2022 besonders, meinte Sobotka. „Rigoletto“ war vergangenes Jahr zu 99 Prozent ausgelastet, auch mit der Auslastung im Haus zeigte man sich zufrieden. Insgesamt sind nächstes Jahr 84 Aufführungen geplant, 26 davon auf dem See. Ziel sei es, das Festival erneut zu rund 75 Prozent mit Ticketeinnahmen zu finanzieren, so Diem. Derzeit sind rund ein Viertel der See-Tickets gebucht.

Intimität

Wichtig für den deutschen Opernregisseur Homoki ist, dass sich der Zuschauer mit der Figur auf der Bühne identifizieren kann: Nur so würden die großen Emotionen einer Oper Wirkung zeigen. Diese soll vor allem plausibel und glaubwürdig sein, wie er betonte. Um der Intimität und der Subtilität der Figuren in Puccinis „Madame Butterfly“ Rechnung zu tragen, brauche es ein Bühnenbild, das die Figur auch in der Distanz groß erscheinen lässt, sie ins Zentrum stellt. Ein überladenes, unruhiges Bühnenbild, das mit Spektakeln von der Titelpartie Cio-Cio-San ablenkt, kann also nicht erwartet werden. Bühnenbildner Michael Levine wird sich dieser besonderen Aufgabe annehmen. Thematisch sieht Homoki die Oper als eine „ganz große Tragödie“ in einer Zeit des Umbruchs Anfang des 20. Jahrhunderts. Der traditionsbewussten Kultur Japans wird eine US-amerikanische, unsensible, materialistisch-kolonialistische Arroganz gegenübergestellt.

Andreas Homoki inszeniert "Madame Butterfly". <span class="copyright">Bregenzer festspiele/anja Köhler</span>
Andreas Homoki inszeniert "Madame Butterfly". Bregenzer festspiele/anja Köhler

Eine große italienische Gesangsoper, gepaart mit sibirischer Kargheit und russischen Klängen erwartet die Zuschauer im Festspielhaus mit Umberto Giordanos „Sibirien“. Dass mit Valentin Uryupin ein Talent aus dem Opernstudio die musikalische Leitung übernimmt, freue die Intendantin besonders. Das Opernstudio wiederum wird nächstes Jahr zwei Mal in Erscheinung treten: Nachgeholt wird „Die Italienerin in Algier“, das bereits am 8. Juli Premiere feiern wird. Es folgt Joseph Haydns „Armida“. Beide Male dirigiert Jonathan Brandani das SOV.

Pountney kehrt zurück

Auf der Werkstattbühne wird es zwei neue Musiktheater-Stücke zu sehen geben. Erstmals in Österreich gezeigt wird „Kapitän Nemos Bibliothek“ von Johannes Kalitzke. Brigitta Muntendorfs „Melencolia“ wird bei den Bregenzer Festspielen, als Auftragswerk derselben und des Ensemble Modern, uraufgeführt. Einen ersten Einblick in die Opernatelier-Kreation, die für die Saison 2024 geplant ist, gibt es bereits im Jänner im Kunsthaus Bregenz – und zwar mit der belgisch-irischen Komponistin Éna Brennan und mit dem ehemaligen Festspielintendanten David Pountney. Dieser wird die Regie des noch namenlosen Stücks übernehmen.

Akademie

Japanische und russische Motive finden sich in den Orchesterkonzerten, die wie gewohnt von den Wiener Symphonikern und dem SOV übernommen werden. Eine Neuheit ist die Orchesterakademie Bregenz: In Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium werden junge Musiker, nach einer Woche Probenarbeit, unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada die Abschlussmatinee gestalten.

David Pountney führt beim Opernatelier Regie. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
David Pountney führt beim Opernatelier Regie. Philipp Steurer

Stark vertreten ist das Schauspiel, einerseits mit einem weiteren Gastspiel des Wiener Burgtheaters. Schon zu Ostern im April zu erleben gibt es Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ in der Inszenierung von Martin Kušej. Das Deutsche Theater Berlin feiert in Bregenz die Premiere von Shakespeares „Sturm“. Regie führt Jan Bosse, der schon den „Don Quijote“ inszenierte. Neu übersetzt von Jakob Nolte, soll der Shakespeare-Klassiker in einer „neuen Poesie“ erscheinen, so Sobotka.

Zeitreise

Auch für das junge Publikum gibt es nach der Corona-Pause wieder etwas zu erleben. Die crossculture-Schiene wurde in „Junge Festspiele“ umbenannt, wie die Intendantin informierte. Das Konzept und die Formate bleiben aber dieselben. So gibt es etwa im Festspielhaus auch wieder eine Oper für Kinder und Jugendliche: „Die Zeitreisemaschine“ von Detlef Heusinger handelt vom „Popstar“ Gioachino Rossini. Die beliebte Musicbanda Franui kommt nächstes Jahr wieder – diesmal mit Maschek. Nikolaus Habjan ist bei „Musik und Poesie“ zu Gast.

Bregenzer festspiele 2022

Juli bis 21. August 2022. Eröffnung mit „Madame Butterfly“, für das aktuell knapp 189.000 Tickets aufliegen, 25 Prozent davon sind gebucht. Insgesamt sind 220.000 Tickets aufgelegt. Für alle Termine gibt es noch Karten: www.bregenzerfestspiele.com.