Kultur

Vokalmusik als Seelenwärmer

15.11.2021 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Fünf Solisten im Ensemble am Samstagabend in der St.-Gallus-Kirche in Bregenz.  <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Fünf Solisten im Ensemble am Samstagabend in der St.-Gallus-Kirche in Bregenz. Alexandra Serra

Bei den jüngsten Bachkantaten war auch Miriam Feuersinger zu erleben.

Am nasskalten November-Abend erwärmten die Vokalmusik von Bach und ein schwingendes Oboenkonzert von Marcello die Seele: In ihrer Reihe „Bachkantaten in Vorarlberg“ setzten die Sopranistin Miriam Feuersinger und der musikalische Leiter Thomas Platzgummer am Violoncello in der weiträumigen St. Gallus-Kirche in Bregenz mit der Kantate BWV 132 „Bereitet die Wege, bereitet die Bahn“ fort. Wenn sie mit dieser Kantate auch im Kirchenjahr bereits auf den vierten Advent vorausblickten, so passte die fünfstimmige Motette „Jesu, meine Freude“ wunderbar in den November: Möge der Text der letzten Strophe „Weicht ihr Trauergeister“ auch auf die derzeit wieder kräftig aufflammende Pandemie wirken.

Bewegt

Wie schön fünf Solistinnen und Solisten auch im Ensemble singen können, erlebte das Publikum in der Motette „Jesu, meine Freude“, in der sich sechs Strophen eines Kirchenlieds jeweils mit einem Satz aus dem Römerbrief des Apostels Paulus abwechseln: eher schlicht in den Choralstrophen, kontrapunktisch und bewegt in den freien Sätzen.

<span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Alexandra Serra

Mit den Sopranistinnen Feuersinger und Gudrun Sidonie Otto (sie war eingesprungen für Lea Müller), der Altistin Elvira Bill, dem Tenor Daniel Johannsen und dem Bassisten Roland Faust waren freilich auch erfahrene Menschen versammelt, die sich sowohl zurücknehmen als auch strahlend hervortreten können. Getragen von Johannes Hämmerle an der Orgel, Platzgummer am Cello und Armin Bereuter an der Bassgambe (Violone) gaben sie der Motette Transparenz in den teils durchaus virtuos geführten Stimmen, ebenso Fülle und Wärme im Zusammenklang. Feine Dynamik, saubere Intonation, flüssige Tempi und Wortdeutlichkeit waren gleichfalls selbstverständlich.

Aufgeblüht

Da Bachs Kantate in den Arien eine solistisch eingesetzte Oboe und eine Solovioline vorsieht, bot sich als Übergang das bekannte Oboenkonzert von Alessandro Marcello an, das früher Vivaldi zugeschrieben wurde und das J.S. Bach auch zum Cembalokonzert umgearbeitet hat. Die Barockoboistin Saskia Fikentscher, Konzertmeisterin Renate Steinmann und Cosimo Stawiarski und Matthias Jäggi in den Mittelstimmen gaben sich zusammen mit den Kollegen am Generalbass einem schwingenden Dialogisieren hin. Im Mittelsatz blühte die Oboe mit feinen Verzierungen in den langen Melodiebögen auf.

Heuchelei

Vorweihnachtliche Freude gestalteten Feuersinger mit ihrem warm strahlenden Sopran und Saskia Fikentscher in der tänzerischen Eröffnungsarie der Kantate BWV 132. Als Rezitativ mit ariosen Zwischenteilen war der Tenorpart des so plastisch gestaltenden Daniel Johannsen gefasst, während die Arie des Bassisten Roland Faust mit konzertierenden Unterstimmen wie ein Charakterstück voller widerborstiger Intervalle wirkte (Falschheit und Heuchelei drückt Bach entsprechend aus!). Versöhnlich, reich an Figuren, Glanz und Ornamenten der Violine (Renate Steinmann) waren Rezitativ und Arie der Altistin auf die dunkel ausdrucksvolle Stimme von Elvira Bill zugeschnitten. Im schlichten Schlusschoral vereinten sich alle Stimmen.

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Alexandra Serra

Katharina von Glasenapp

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