Kultur

Der vorauseilende Lockdown

19.11.2021 • 21:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der vorauseilende Lockdown
Im Montforthaus in Feldkirch wird vor dem Lockdown noch Bach ertönen. Klaus Hartinger

Schon vor dem Lockdown schließen manche Häuser, aber nicht alle.

Ein „erneuter Rückschlag, der sich nicht beschönigen lässt“ stelle die Situation für den Kunst- und Kulturbetrieb dar, sagte die Staatssekretärin für Kunst und Kultur Andrea Mayer nach der gestrigen Bekanntgabe des Lockdowns ab Montag. In den vergangenen Monaten habe der Kulturbetrieb in Österreich wieder an Fahrt aufgenommen, so Mayer, doch sei die Lage auch in der Kulturszene immer schwieriger geworden. So zeigt sich auch die Situation in Vorarlberg: Zahlreiche Premieren und Konzerte fallen ab nächster Woche wieder ins Wasser, doch es gab schon zuvor Absagen, Probleme mit Erkrankungen in Produktionsteams und einem teilweisen Besucherschwund. Jetzt gelte es zuallererst, die Infektionslage wieder in den Griff zu bekommen, heißt es von vielen Seiten.

Getrübte Stimmung

Dabei haben manche Veranstalter und Kultureinrichtungen gar nicht bis zum Montag gewartet, um ihre Konsequenzen aus der Situation zu ziehen. Bereits am Donnerstag gab das Theater Kosmos bekannt, alle an diesem Wochenende geplanten Vorstellungen abzusagen. Gestern zog der Spielboden Dornbirn nach. Ab sofort seien alle Veranstaltungen in Absprache mit den Künstlern abgesagt, man suche Ersatztermine, wurde in einer Aussendung mitgeteilt. Spielboden-Geschäftsführerin Heike Kaufmann erklärt auf Nachfrage die Gründe zu diesem Schritt: Sie habe bemerkt, dass die Menschen bereits vorsichtiger und besorgter geworden sind, die Stimmung sei im Angesicht der steigenden Infektionszahlen und des Lockdowns ohnehin getrübt. Anstatt nun noch Veranstaltungen „auf Biegen und Brechen“ mit Maskenpflicht am Platz durchzuführen, hofft sie, das Programm in einem geeigneteren Rahmen nachholen zu können. Wichtig sei jetzt vor allem, die Infektionszahlen zu reduzieren.
Auch das Conrad Sohm in Dornbirn hat ab sofort seine Türen geschlossen, die Infektionszahlen sind laut Homepage der Grund.

Saisonende mit Bach

Coronabedingt abgesagt ist das am Sonntag geplante Gitarrenkonzert „Venezuela Incognita“ in der Kulturbühne Ambach in Götzis. Doch nicht alle Veranstaltungen diese Woche wurden gecancelt. Die Montforter Zwischentöne bestreiten ihr vorgezogenes Saisonende mit dem Konzert der h-moll Messe von Johann Sebastian Bach, das gestern und heute im Montforthaus Feldkirch zu erleben war bzw. ist – mit reduzierter Zuschauerkapazität und mit Maskenpflicht, sowie ohne den Soziologen Hans Joas, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei ist.

Der vorauseilende Lockdown
Das nächste SOV-Konzert muss noch warten. Mathis Fotografie

Was nicht in nächster Zeit im Montforthaus zu erleben sein wird, ist das dritte Abo-Konzert des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV), das am 27. und 28. November geplant war. Es werde ein Ersatztermin im Frühjahr 2022 gesucht, wie Geschäftsführer Sebastian Hazod bestätigte. Über die wirtschaftlichen Folgen der Absage könne er noch nichts sagen. Für eine Bewertung, inwieweit die Hilfsmaßnahmen der Regierung beim Abfedern des Schadens helfen würden, sei es ebenfalls noch zu früh. Hilfen wie der Härtefallfonds oder der NPO-Fonds sollen bis März verlängert werden, hieß es gestern bei der Regierungs-Pressekonferenz. Die Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg Mirjam Steinbock war gestern für ein Statement nicht zu erreichen.

Der vorauseilende Lockdown
Die Premiere von “Pünktchen und Anton” soll stattfinden. Anja Köhler

Nicht früher schließen wird das Vorarlberger Landestheater, das am Samstagabend „Pünktchen und Anton“ auf die Bühne bringt. Intendantin Stephanie Gräve schließt sich damit nicht den früheren Schließungen an: Jeder könne außerhalb eines Lockdowns selbst entscheiden, ob er eine Vorstellung besuchen möchte, es gebe für das Theater keinen Grund für eine frühzeitige Schließung. „Es gibt Leute, die ins Theater gehen wollen“, ist Gräve sich sicher. Wer jedoch ein Ticket für die Premiere hat und doch nicht kommen möchte, bekomme seine Karte wieder rückerstattet, fügt die Intendantin im Gespräch hinzu.

“Lenz” als Livestream

Nach der Premiere des Familienstücks am Samstag soll am Landestheater weiter gearbeitet werden: Gräve plant einen Livestream der nächsten Produktion „Lenz“, die Möglichkeiten dazu werden gerade geprüft. Jürgen Sarkiss wird die Erzählung von Georg Büchner inszenieren. Nico Raschner wird beim Solostück auf der Bühne stehen, geplant war die Premiere am 28 November.
Die beiden anderen Kuges-Häuser, das vorarlberg museum und das Kunsthaus Bregenz, sind noch bis Sonntag geöffnet.

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