Kultur

Projekt-Abschluss mit Film statt Theater

26.11.2021 • 21:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In der Lorünser Villa war schon alles bereit, am 21. November war die Premiere geplant. <span class="copyright">Sandra Münchow</span>
In der Lorünser Villa war schon alles bereit, am 21. November war die Premiere geplant. Sandra Münchow

„places to be“: Jugendliche beschäftigen sich mit Erfahrungen in Pandemie.

Brigitte Walk musste in den vergangenen Wochen miterleben, wie das ko­operative länderübergreifende walktanztheater-Projekt „places to be“ Schritt für Schritt „zerbröselt“, wie sie in einem Gespräch sagt.

Dabei geht es in der Produktion genau darum, was die Pandemie mit jungen Menschen macht: Jugendliche aus Vorarlberg, aus dem zypriotischen Nicosia, aus dem türkischen Izmir und aus Ostjerusalem haben sich dabei online zusammengetan, um sich auszutauschen und Videos zu erarbeiten. Hierzulande wurde außerdem eine Performance unter der Regie von Walk erarbeitet. Diese Woche hätte die Premiere in der Lorünser-Villa in Bludenz stattfinden sollen. Nun wird stattdessen ein Film produziert, um das Projekt zum Abschluss zu bringen und die Ergebnisse der Arbeit der Jugendlichen präsentieren zu können. Walk hofft, den Film vor Weihnachten oder im Jänner zeigen zu können.

Hier hätten die Jugendlichen performt.<span class="copyright"> Sandra Münchow</span>
Hier hätten die Jugendlichen performt. Sandra Münchow

Eigentlich hätten in Vorarlberg nicht nur Schüler, sondern auch andere Jugendliche wie Flüchtlinge und Lehrlinge teilnehmen sollen. Als sich die Pandemie­situation verschärfte, plante Walk, ein Schulprojekt daraus zu machen. Doch viele Schüler oder ganze Schulklassen seien derzeit in Quarantäne, die Projektarbeit stehe so gut wie still, erklärt die Theatermacherin. Das erschwert derzeit die Fertigstellung des Films: Die jungen Teilnehmer sollten dafür ihren Text einsprechen, das ist derzeit nur schwer möglich. Eine Verschiebung der Premiere ist laut Walk keine Option: Sie könne es sich nicht leisten, das Team doppelt zu honorieren, auch ob die Villa, die derzeit zwischengenutzt wird, später noch verfügbar ist, sei nicht sicher.

Raumübergreifend

Autor Amos Postner hat aus den Texten der Jugendlichen, die sich mit ihren Erlebnissen und Gedanken zur Pandemie beschäftigten, Ideen extrahiert, in Form gebracht und teilweise ergänzt. Der porträtierte Zeitraum erstreckt sich dabei vom ersten Lockdown im März 2020 bis Ende September dieses Jahres. Postner habe dafür eine Art Kalender erstellt, erklärt Walk. Ausstatterin Sandra Münchow hat in einem ganzen Stockwerk der Villa Installationen eingerichtet, inklusive Texten und Videoprojektionen an den Wänden. In vier Gruppen sollten die Jugendlichen in den Räumen agieren, zudem wurden Bewegungs-Choreografien entwickelt, so Walk. Das ausgeklügelte System, mit dem über weite Blickachsen hinweg die Zuschauer ein raumübergreifendes Erlebnis erfahren hätten, kommt nun nicht zum Zug. Dafür soll in der Villa ein filmisches Porträt mit dem eingesprochenen Text, ergänzt mit Videos von Teilnehmern aus anderen Ländern, entstehen.

Brigitte Walk. <span class="copyright">Mark Mosman</span>
Brigitte Walk. Mark Mosman

Laut Walk ist das Stimmungs- und Erfahrungsbild, das sich mit dem Projekt abzeichnete, nicht homogen. Manche jungen Menschen hätten positive Erfahrungen mit dem Distance Learning gemacht, anderen hätte die dafür notwendige Hardware gefehlt. Manche berichteten von Einsamkeit, eine Jugendliche hingegen berichtete, sie hätte im Lockdown endlich mehr Zeit mit ihrer Schwester verbracht. Familienstreitigkeiten oder lustige Erlebnisse im Backkurs – sogar eine Liebesgeschichte ist dabei, erklärt die Regisseurin.

Kontakt per WhatsApp

Beteiligt waren Schüler des Bundesgymnasium Bludenz, wie zum Beispiel die 15-jährige Anika. Schon seit Sommer 2020 arbeitet sie mit ihren Kollegen an dem Projekt, wie sie im Gespräch erzählt. Es sei sehr schade, dass die Premiere nicht stattfinden könne, aber man könne eben nichts machen, so die Schülerin. Per WhatsApp standen die Bludenzer Schüler in Kontakt mit den Jugendlichen aus anderen Ländern. Die Kommunikation sei nicht immer leicht gewesen, manche hätten sich nicht richtig getraut, sich mitzuteilen, meint die 15-Jährige. In Gruppen oder zu zweit erhielten sie Fragen und erarbeiteten Texte, die ebenfalls in das Stück eingeflossen sind.

Viel Spaß

Die gemeinsame Probenarbeit in der Villa habe viel Spaß gemacht, die recht komplexe Choreografie und die Monologe und Dialoge zu erarbeiten sei aber eine große Herausforderung gewesen, wie die Schülerin erklärt. Nun sei sie dabei, für den Film Videos und Sprachnachrichten zu erstellen – lieber sei ihr aber die Probenzeit mit ihren Mitschülern gewesen. Sie selbst erlebt den Unterricht im Distance Learning als schwieriger, wie sie sagt: Es sei einfacher, den Stoff mit den Lehrern vor Ort zu lernen. Anika fehlen zudem im Lockdown die sozialen Kontakte.

Während die Premiere in Bludenz ins Wasser fiel, sind in den anderen teilnehmenden Ländern Aufführungen geplant, wie etwa eine Freiluftaufführung in Nicosia, wo sich die Rooftop-Theatre-Group beteiligt, erklärt Walk.

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