Kultur

Getrübte Stimmung vor Weihnachten

02.12.2021 • 22:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zuletzt hatten die Chöre bei den Hohenemser Chor- und Orgeltagen ihren großen Auftritt. <span class="copyright">Hohenemser Chor- und orgeltage</span>
Zuletzt hatten die Chöre bei den Hohenemser Chor- und Orgeltagen ihren großen Auftritt. Hohenemser Chor- und orgeltage

Auch im Advent ist der Amateurbetrieb wichtig. Der Dezember ist ungewiss.

Adventsingen, weihnachtliche Blasmusik, kleine und große Darsteller auf der Bühne – so einiges fehlt dieses Jahr, das sonst selbstverständlicher Teil der Advent- und Weihnachtstradition ist. Wesentlich trägt dazu der kulturelle Amateurbereich bei, der wieder einige Konzerte und Aufführungen geplant hatte, die für vorweihnachtliche Stimmung sorgen sollten. Viele davon wurden bereits abgesagt, einige liegen in der Schwebe. Zu schaffen macht dem Amateurbereich neben der Ungewissheit, dass ein gemeinsames Proben in Chören und Musikverbänden in den vergangenen Wochen nicht möglich war.

Zuhause geübt

Ganz aufgegeben hat Axel Girardelli die Hoffnung nicht, dass im Dezember noch ein paar Konzerte möglich werden, meint der Obmann des Chorverbands Vorarlberg. Voraussetzung sei natürlich, dass der Lockdown im Dezember beendet werde, aber auch ob und unter welchen Umständen danach Veranstaltungen möglich sind, das wisse man noch nicht. Es gebe Chöre, die bereits gut auf die geplanten Konzerte vorbereitet seien. Sie hätten bereits die Chorliteratur einstudiert und Zuhause geübt. Sie könnten auch mit wenig Vorlaufzeit auftreten, doch anderen Chören fehle die gemeinsame Probenzeit.

Chöre sorgen normalerweise in Kirchen für vorweihnachtliche Stimmung.<span class="copyright"> </span><span class="copyright">Stadt Bludenz</span>
Chöre sorgen normalerweise in Kirchen für vorweihnachtliche Stimmung. Stadt Bludenz

Ein Fragezeichen sind noch die genauen Folgeregelungen für den Amateurbereich, der in der Pandemie meist strenger reguliert wird als die professionelle Kulturarbeit. Während Arbeitsplätze mit 3G geregelt sind, galt seit einiger Zeit vor dem Lockdown die 2G-Regelung für die Ehrenamtlichen. Den Chorbetrieb habe das nicht wesentlich beeinflusst, meint Girardelli: „Damit können wir umgehen“ – selbst wenn vereinzelt Mitglieder nicht bei Proben hätten dabei sein können.

Adventkalender

Auf der Website des Chorverbands gibt es einen Adventkalender mit Videos von früheren Auftritten. Ansonsten bereite man sich auf die im nächsten Jahr geplanten Projekte vor, so Girardelli. So ist etwa im Mai ein Festival der jungen Chöre geplant. Ob heuer der Landesjugendchor Voices Ende Dezember in der Kulturbühne Ambach singen kann, ist noch unklar. Weiters noch nicht offiziell abgesagt ist laut Chorverbands-Website etwa das Weihnachtskonzert des Gesangvereins Hohenems am 18. und 19. Dezember im Rittersaal.

Auch die Blasmusik ist vor Weihnachten üblicherweise sehr aktiv. <span class="copyright">Ludwig Berchtold</span>
Auch die Blasmusik ist vor Weihnachten üblicherweise sehr aktiv. Ludwig Berchtold

Die Arbeit in den Blasmusikvereinen stehe still, auch wenn zu Jahresende viele Konzerte geplant waren, informiert Wolfram Baldauf, Landesobmann des Blasmusikverbands. Ob noch im Dezember Konzerte möglich sein werden, bezweifelt er. Die Vereine würden entscheiden, ob sie ihre Auftritte bereits jetzt absagen, so der Obmann. Noch nicht abgesagt wurde laut Website des Verbands das Weihnachtskonzert des Musikvereins Hittisau-Bolgenach am 18. und 19. Dezember.

Spontane Premiere

Ein Weihnachtsstück ist normalerweise im Advent zu sehen, doch als sich abgezeichnet habe, dass die geplanten Aufführungstermine Anfang Dezember ins Wasser fallen, hat sich Lilly Melchhammer kurzerhand dazu entschlossen, das Stück „Krümmelbeins Weihnachtsfahrt“ der Theaterkinder vom Theater am Saumarkt noch vor dem Lockdown auf die Bühne zu bringen. Schon zum zweiten Mal wäre sonst das Stück abgesagt worden, was eine große Enttäuschung für alle gewesen wäre, erklärt die ehrenamtliche Regisseurin und Stückentwicklerin. Spontan eine Premiere auf die Beine zu stellen ist nicht einfach: 25 Personen mussten in kurzer Zeit versammelt werden.

Zum Glück konnten die Kinder im Feldkircher Saumarkttheater noch ihr Stück aufführen. <span class="copyright">Theater am Saumarkt</span>
Zum Glück konnten die Kinder im Feldkircher Saumarkttheater noch ihr Stück aufführen. Theater am Saumarkt

Trotz fehlender Werbung seien bei der Premiere am 21. November im Saumarkttheater rund 80 Zuschauer gekommen, so Melchhammer. Sie sei sehr froh, dass der Einsatz der kleinen Schauspieler noch mit einem Applaus belohnt wurde. Ein paar Proben seien zuvor ins Wasser gefallen, deshalb habe es ein paar kleine Fehler bei der Aufführung gegeben, doch auch dies sei witzig gewesen – und bestimmt auch herzallerliebst.