Kultur

Eine Katze wacht über die Kunst-Fülle

21.12.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Blick in die Ausstellung in Schruns. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Blick in die Ausstellung in Schruns. Lisa Kammann

25 Positionen vereint die zweite Jubiläumsschau des Kunstforum Montafon.

Das Kunstforum Montafon, das neben dem SilvrettAtelier zeitgenössische Künstler auch für Ausstellungen nach Schruns holt, feiert heuer, wie bereits bekannt, ein Jubiläum. Seit 1996 haben in der ehemaligen Lodenfabrik an der Litz zahlreiche Künstler ihre Werke präsentiert. Dementsprechend wollte er mit den Jubiläumsausstellungen die Fülle und Vielfalt der Positionen abbilden, die im Kunstform vertreten waren und sind, wie der langjährige Kurator Roland Haas erklärt. In der zweiten und letzten Jubiläumsschau wurden dafür 25 Positionen aus den Jahren 2010 bis 2019 versammelt. Die Künstler wurden eingeladen, aktuelle Werke zu zeigen.

Eine Katze zeigt das große Gemälde von Herbert Brandl. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Eine Katze zeigt das große Gemälde von Herbert Brandl. Lisa Kammann

Mit Gefühl für die Arbeiten und die räumlichen Bedingungen hat Haas die verschiedenen Arbeiten platziert – es sei eine willkommene Herausforderung gewesen, meint er. Dabei trifft Humorvolles auf Kurioses, Abstraktes auf Gegenständliches, zu sehen gibt es Bilder, Videos, Skulpturen. Eine solche Letztere lenkt beim Eintritt sogleich den Blick auf sich. Was haben die Brüder Severin und Pirmin Hagen da erschaffen? Eine menschengroße „Best“ – nicht Pest – Säule steht auf einem Sockel aus sackförmigen Gipsabgüssen, der Korpus aus Aluprofilen ist mit Devotionalien bestückt, die sich von der übrigen industriellen Machart abheben. Heiligenbilder, ein angeschraubter Ast, Bilder, die an alte Postkarten erinnern: Es ist ein merkwürdiges Objekt, mit dem sich der neugierige Betrachter gerne näher beschäftigt.

Mona Lisa

Die berüchtigte Künstlergruppe Gelitin war 2018 mit Alfredo Barsuglia in Schruns zu Gast, sie zeigt nun eine „Mona Lisa“ als dreidimensionales Wandbild aus Plastilin. „One is too many and a hundred is not enough“ („Eine ist zu viel und Hundert sind nicht genug“) steht dazu im Begleittext. Hier in Schruns muss man für einen Blick auf die Dame nicht, wie beim Original, stundenlange Wartezeiten auf sich nehmen. Barsuglia selbst zeigt eine Zeichnung auf Leinen: Mit „Bite the bullet“ hat der Künstler seinen Sohn porträtiert, der trotz pazifistischer Erziehung mit einer Spielzugpistole spielen will.

Auch ein Werk von Benjamin Vogel ist zu sehen.<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
Auch ein Werk von Benjamin Vogel ist zu sehen. Lisa Kammann

Über das Geschehen im hinteren Teil des Raums wacht eine riesige Katze, die von Herbert Brandls großem Ölgemälde herabblickt. Daneben vertreten ist etwa Liddy Scheffknecht, die Licht und ein Objekt in Symbiose treten lässt. Peter Sandbichler zeigt eine gefaltete „Zeit“-Ausgabe mit dem Titel „Putin läuft“. Michael Goldgruber ist nun schon zum vierten Mal im Kunstforum vertreten. Dass er sich mit der ökonomischen Nutzbarmachung auch des Alpenraums beschäftigt, dafür ist das Video „Gentle Sway“ ein gutes Beispiel.

Geister

An der Wand hin zur rauschenden Litz hängt, passend zum Ausblick, ein Bild von Thomas Feuerstein aus seiner Serie „Harvest“ („Ernte“). Das Gemälde besteht aus bearbeiteter und fixierter Biomasse, tatsächlich wirkt es, als hätte hier etwas Lebendiges gewirkt, das zum Erstarren gebracht wurde, und so eine Art Landschaft erzeugt. Daneben findet sich die spannende Arbeit “Mrs. Conant” von Christian Kosmas Mayer. Die Fälschung ist hier Thema. Eine alte „Geisterfotografie“, die durch Doppelbelichtung entstanden war, lässt der Künstler durch den Einsatz künstlicher Intelligenz mit Bewegungen seines eigenen Gesichts zu einem Video werden. Was uns die Figur auf dem Bild sagen möchte, bleibt rätselhaft.

Zur Ausstellung

25 Jahre Kunstforum Montafon. Zu sehen bis 6. Februar 2022 im Kunstforum Montafon, Schruns. Führung mit Roland Haas am Samstag, 8. Jänner, 18 Uhr. Di. bis Fr., So., 16 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen am 24. und 31. Dezember, 1. Jänner.

Durch Maria Bussmanns ganz eigene Version einer „Times“-Ausgabe darf der Besucher vorsichtig blättern, Informationen sind darin aber keine offensichtlichen enthalten. Auch eine „Femme Fatale“, die Deborah Sengl als tierisches Mischwesen porträtiert hat, findet ihren Platz – so wie einige sehenswerte Schätze mehr.

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