Kultur

Die Farben der Frida Kahlo

27.12.2021 • 20:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vivienne Causemann wird in dem Solostück zu erleben sein. <span class="copyright">Fabian Ernst Dörler</span>
Vivienne Causemann wird in dem Solostück zu erleben sein. Fabian Ernst Dörler

Am Donnerstag feiert das Stück „Frida“ am Landestheater Premiere.

Frida Kahlos Gesicht schmückt heute allerhand Käufliches wie T-Shirts und Taschen, 2018 wurde sogar eine Barbie-Puppe der berühmtesten mexikanischen Künstlerin nachempfunden – zum Ärger von Kahlos Familie. Denn die Barbie-Puppen stehen für ein Schönheitsideal, und einem solchen wollte sich Kahlo (1907 bis 1954) zeitlebens nicht beugen, in ihren vielen Selbstporträts betonte sie sogar noch ihre zusammengewachsenen Augenbrauen und ihren Oberlippenbart. Die Künstlerin wird heute als feministische Ikone gefeiert, ihre Bilder erzielen am Kunstmarkt Rekordwerte, ihr Antlitz scheint allgegenwärtig. Schauspielerin Maria Lisa Huber möchte den Menschen ein tiefergehendes Bild von der Künstlerin zeigen, als es in dem gegenwärtigen Kahlo-Hype der Fall sei, wie sie sagt. Was macht Frida Kahlo aus, wie ist sie zu dem Menschen geworden, der sie war? Das soll in dem Stück „Frida – Viva la Vida“ Thema sein, für dessen Inszenierung am Vorarlberger Landestheater Huber erstmals auf den Regiestuhl wechselt. Vivienne Causemann wird in dem Solostück auf der Bühne der Box stehen.

Schauspielerin Maria Lisa Huber führt erstmals Regie. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Schauspielerin Maria Lisa Huber führt erstmals Regie. Anja Köhler

Das Stück von Leopold Huber setzt sich aus Teilen von Kahlos Tagebuch sowie aus biografischen Textelementen zusammen, erklärt die Regisseurin im Gespräch. In ihren Tagebüchern habe die Künstlerin ihre Gedanken in einer sehr poetischen und bildhaften Sprache ausgedrückt, wie ein „riesiges Gedicht“ sei deshalb das Theaterstück, so Huber. Eine Herausforderung sei es nun für das Team, einerseits die Emotionen aus diesen Versen herauszufiltern und darzustellen und andererseits die inhaltlichen Sprünge darin zu meistern.

Zerbrechlichkeit

Um zu erzählen, wie sich Kahlo im Lauf ihres Lebens entwickelt hat, ist die Auseinandersetzung mit dem zerstörerischen Busunfall unumgänglich, durch den sie bis zu ihrem Lebensende große Schmerzen und Einschränkungen erlitt. Die Zerbrechlichkeit des eigenen Körpers, die sich in Kahlos malerischer Arbeit widerspiegelt, findet in der Inszenierung auch einen musikalischen Ausdruck: Mit Glas, dem Sinnbild für Zerbrechlichkeit, können schöne Töne entstehen, indem man es zum „singen“ bringt, verrät die Regisseurin.

Entwicklung mit Farben

Huber möchte die Veränderung Kahlos während ihres Lebenslaufs nachzeichnen, und für diese Veränderung gibt es auch eine visuelle Entsprechung: Bühnenbildnerin Ramona Bereiter hat ein weißes Bühnenbild geschaffen, das durch den Einsatz von Farbe eine Entwicklung durchmachen wird – wie auch Kahlo selbst. Causemann sei hier wie die Seele der Künstlerin, die durch ihre Erfahrungen immer mehr zu ihr selbst werde, an Farben dazugewinne. Durch abwaschbare Farben könne dieser Vorgang in jeder Aufführung von neuem wiederholt werden und zeige sich immer wieder etwas anders. Es sei spannend für die Regisseurin zu sehen, wie Causemann nach dem jeweiligen Prozess schlussendlich aussehe.

„Frida – Viva la Vida“. Premiere am Donnerstag, 19.30 Uhr, in der Box des Vorarlberger Landestheaters. Infos: www.landestheater.org.

Kahlo wird immer wieder über ihre Rollen betrachtet: als Künstlerin, als Ehefrau, Geliebte und Liebende, als starke Frau, als politisch Aktive. Um die stolze Mexikanerin nicht nur in Beziehung zu ihrem Mann Diego Rivera und ihren Affären zu betrachten, bezieht Huber auch Kahlos Begeisterung für den Kommunismus in das Stück mit ein – ihre politische Haltung sei schließlich für ihr Leben bestimmend gewesen. Genauso wie übrigens auch die Lebensfreude, die die Künstlerin ausmachte, trotz der Schmerzen, die sie erleiden musste.

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