Kultur

Mit spanischem Zauber in die Silvesternacht

03.01.2022 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Das "richtige Signal": die jungen Talente im Einsatz. <span class="copyright">Philipp Steurer </span>
Das "richtige Signal": die jungen Talente im Einsatz. Philipp Steurer

Bestens eingestimmt war das Jugendsinfonie­orchester Dornbirn zum Jahreswechsel.

Zu Beginn des Silvester- und Neujahrskonzertes heißt ein sichtlich gelöster Hausherr Roland Jörg das Publikum im Dornbirner Kulturhaussaal mit den Worten willkommen: Er sei froh, dass dieses Konzert trotz aller Schwierigkeiten stattfinden kann, denn den jungen Musikerinnen und Musikern ihren gut vorbereiteten Auftritt zu ermöglichen, sei sicherlich das richtige Signal in dieser schweren Zeit.

Verblüffende Leistungen wurden mit Applaus belohnt. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Verblüffende Leistungen wurden mit Applaus belohnt. Philipp Steurer

Auch Dirigent Ivo Warenitsch meint noch vor dem Auftritt, gerade die junge Generation würde von der Pandemie besonders hart getroffen: So vieles sei abgesagt, verschoben oder könne nicht unter normalen Bedingungen stattfinden. Da sei dieses Konzert eine schöne Gelegenheit, die gewissenhafte Arbeit zu präsentieren und mit Applaus belohnt zu bekommen. Er gehe nun gelassen auf die Bühne, das Orchester sei hochmotiviert, und die vorangegangenen Konzerte in Horn und Zwettl seien beide sehr schön gelungen. So müsste es nun auch in Dornbirn sein, lächelt er erwartungsvoll.

Drei Mal trat das Orchester zum Jahreswechsel auf. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Drei Mal trat das Orchester zum Jahreswechsel auf. Philipp Steurer

In der zunächst von geheimnisvoll bläulichem Licht beleuchteten Bühne zeigt sich das junge Orchester dann in überraschend großer Besetzung. Maestro Warenitsch hebt den Taktstock und führt mit einem beherzten Aviso in die Welt spanischer Musik. Das Orchester folgt den eleganten, sparsamen aber immer deutlich und klar gesetzten Gesten des Dirigenten akkurat: Es spielt sauber und präzise, auf Schönklang und feine Phrasengestaltung bedacht, mit Feuer und Temperament; die Streicher silbern, zart, die Holzbläser mit erfrischender Leichtigkeit, das Blech majestätisch und kraftvoll, das Schlagwerk gut ausgewogen und punktgenau.
Mit geschlossenen Augen hätten die Zuhörer das Ensemble fast für ein Profi-Orchester halten können, denn es kann die heikle Akustik des Saales bes­tens meistern und kommt den Erwartungen des verwöhnten Dornbirner Publikums in jeder Hinsicht entgegen.

Zwei große Talente

Fiona Warenitsch und Laura Purin präsentieren nun Pablo Sarasates Konzertstück „Navarra“. Scheinbar mühelos gelingen den beiden jungen Geigerinnen die schwierigsten Passagen. Glockenreine Flautando-Klänge, perlende Kaskaden, flirrende Tremoli, all das kostet den beiden gerade einmal ein Lächeln. Ein großer Applaus belohnt diese verblüffende Leistung herzlich und anerkennend.

Schöne Entdeckungen

Aram Khatschaturjans „Die Witwe aus Valencia“ erweist sich im weiteren Verlauf als schöne Entdeckung, als Rarität, die in ihrem Klangzauber dem Jugendorches­ter wie auf den Leib geschneidert ist. Auch „El Camino Real“ – der Königsweg – von Alfred Reed, gekonnt für Orchester arrangiert von Orchester-Mitglied Matthias Seewald, entpuppt sich als flüssige, transparente Musik voller folkloristischer Farben. Schmissige Stücke von Tomás Bretón, Émile Waldteufel, Franz von Suppé und Johann Strauss beenden das gelungene Konzert und entlassen das Publikum bes­tens gestimmt in die Silvesternacht.

Thomas Thurnher

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