Kultur

„Freidimensional“ im Raum aufgetaucht

04.01.2022 • 20:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
14 Betonbüsten tauchen aus dem Boden der Johanniterkirche auf. <span class="copyright">Wikimedia/Asurnipal</span>
14 Betonbüsten tauchen aus dem Boden der Johanniterkirche auf. Wikimedia/Asurnipal

Max Grüter bespielt die Johanniterkirche mit Beton-Tauchern, im März folgt Elke Maier.

Sie tauchen aus dem offenen Boden der Johanniterkirche auf, ihre Oberkörper ragen schief aus den Schichten der Grablandschaft heraus, in der Kirche schauen sie sich neugierig um: Wo sind wir denn hier gelandet, scheinen sich die 14 „Erdtaucher“ des Schweizers Max Grüter zu fragen. Der 1955 geborene, in Zürich lebende Künstler lässt in seiner Intervention in der Feldkircher Kirche seine Taucher aus Beton an einer weiteren Expedition teilnehmen. Bei einem Besuch in dem Kunstraum erzählt Kurator Arno Egger mehr über die aktuelle Schau – und gibt einen Ausblick auf die weiteren Projekte im neuen Jahr.

“Erdtaucher”

Grüters Betongüsse sind zwischen 75 und 250 Kilogramm schwer, ins Leben gerufen wurden die „Erdtaucher“ vor rund fünf Jahren für eine Installation auf dem Gotthardpass, erklärt Egger, der sich über die starke Präsenz der Taucher in dem Kirchenraum freut. Schon vor rund 20 Jahren sei Grüter bei einer Ausstellung von KunstVorarlberg dabei gewesen, und seitdem immer wieder in Vorarl­berg zu Besuch, erinnert sich der Kurator.

„Ich bin der erste selbsternannte virtualisierte Raumfahrer“: der schweizer Künstler Max Grüter. <span class="copyright">Max Grueter</span>
„Ich bin der erste selbsternannte virtualisierte Raumfahrer“: der schweizer Künstler Max Grüter. Max Grueter

„Ich sehe diese Erdtaucher als Wanderer, die an verschiedenen Orten mit der Umgebung in Dialog treten. In dieser Ausgrabungsstätte durchwirken sie wie ein Quergedanken Religion, Geschichte und Archäologie“, sagt Grüter in einer Aussendung. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich hier auf den Boden, der einst für Grabungen geöffnet wurde, und seitdem – gleich einer offenen Operationswunde – das Kirchenschiff charakterisiert. Nun scheinen sich die vielen Schichten des Grunds verflüssigt zu haben, die Naturgesetze scheinen ausgehebelt. „Mit meinen Skulpturen lehne ich mich gegen die Schwerkraft auf. Es ist eine subversive Befragung des Seins“, so Grüter.

Virtueller Astronaut

Das Schaffen des schweizer Künstlers ist aber nicht nur von Tauchgängen, sondern auch durch das Motiv der Weltraumfahrt geprägt. Seit 1995 widmet sich Grüter intensiv der digitalen Kunst, er arbeitet etwa mit 3D-Programmen. Damit schuf er einen virtuellen Astronauten als sein Alter Ego. „Ich bin der erste selbsternannte virtualisierte Raumfahrer und mein Atelier ist die tiefgelegenste Raumstation im Erd­orbit“, sagt Grüter. Sämtliche seiner Bilder, Videoanimationen und Plastiken, wie auch die „Erdtaucher“, haben seitdem ihren Ursprung im virtuellen Raum. Sie tauchen, quasi aus den digitalen Untiefen, in der physischen Welt auf – und das ganz „freidimensional“, so eine Wortkreation des Künstlers, der damit unter anderem sein freies Agieren zwischen virtueller und realer Welt bezeichnet.

Licht und Drucke

Eggers Blick auf das vergangene Jahr fällt weitgehend positiv aus: Wenn die Pandemie eine Öffnung der Johanniterkirche zugelassen habe, seien viele Besucher gekommen. Auch die Lichtstadt Feldkirch, bei der Medienkünstler Peter Kogler die Kirche spektakulär bespielte, war ein Erfolg. Im März 2022 folgt zuerst die in Kärnten lebende Künstlerin Elke Maier. In ihren raumfüllenden Installationen spannt sie Fäden im Raum, wodurch ein von Leichtigkeit geprägtes Spiel von Licht und Materie entstehen soll.

Max Grüter. „Freidimensionale Tauchgänge“. Bis 19. Februar in der Johanniterkirche Feldkirch. Di. bis Fr., 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Die Sommerschau muss noch fixiert werden, so Egger, doch im Herbst kündigt sich ein besonderes Projekt an: Vertreter der Vereinigung Xylon, die sich dem Holzschnitt verschrieben hat, sind die Akteure dieser Schau, so Egger. Künstler aus der Schweiz und Vorarlberg werden dabei in einen kreativen Dialog treten mit sakralen Figuren aus der Sammlung des vorarlberg museums. Das Ergebnis sollen riesige Drucke sein.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.