Kultur

Theater im Dunst zwischen Traum und Realität

11.01.2022 • 20:32 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Programmpräsentation beim Sponsor Raiffeisenlandesbank in Bregenz. V.l.: Augustin Jagg, Benjamin Blaikner und Hubert Dragaschnig. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Programmpräsentation beim Sponsor Raiffeisenlandesbank in Bregenz. V.l.: Augustin Jagg, Benjamin Blaikner und Hubert Dragaschnig. Klaus Hartinger

„Traum und Wirklichkeit“ ist heuer das Motto des Theater Kosmos. Vier Uraufführungen sind geplant.

Dass die vergangene Pandemie-Zeit mit zahlreichen Absagen, Verschiebungen Dass die vergangene Pandemie-Zeit mit zahlreichen Absagen, Verschiebungen und erneuten Planungen für die Mitarbeiter des Theater Kosmos keine einfache war, daraus macht Hubert Dragaschnig keinen Hehl. Zu Beginn der Spielplanpräsentation schlug der Theaterleiter pathetische Töne an – und dafür werde er sich nicht entschuldigen. Ein Teil unseres gesellschaftlichen Lebens sei verlorengegangen, das gehe an die Substanz. „Auch wir sind verletzlich. Wir sind keine Helden“, so Dragaschnig. Dennoch blicke man zuversichtlich in dieses Jahr, meinten er und Kosmos-Leiter Augustin Jagg. Trotz einer durchwachsenen Bilanz von rund 4000 Besuchern bei 54 Veranstaltungen im Vorjahr sei das Haus dank Unterstützungshilfen und Sponsoren gut durch die Krise gekommen – was jedoch weniger für die vielen freischaffenden Mitarbeiter im Theaterbereich gelte.

Halbwissen und Fake-News

Das dichte Programm, das vier Uraufführungen beinhaltet, steht diesmal unter Das dichte Programm, das vier Uraufführungen beinhaltet, steht diesmal unter dem Motto „Traum und Wirklichkeit“, wobei weiterhin gesellschaftspolitische Diskussionen angeregt werden sollen. Die Frage des Programms 2021, wie „in Zeiten wie diesen“ Theater gespielt werden soll, etwa im Angesicht von Klimakrise und Migration, gelte weiterhin. Außerdem bringen die Theatermacher das aktuelle Motto in Verbindung mit der Pandemie: Wie agieren, wenn „Gewissheiten umstritten sind und Lügen Erfolge versprechen“, wenn „Halbwissen und Fake-News das politische Miteinander bestimmen“? „Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen oft in einem Dunst aus Information, Desinformation, Polemik und Kritik“, meint Jagg.

"Wir sind keine Helden": Hubert Dragaschnig. Klaus Hartinger
"Wir sind keine Helden": Hubert Dragaschnig. Klaus Hartinger

Diesen Donnerstag geht es los mit einer Produktion, die bereits seit etwa eineinhalb Jahren in der Warteschleife harrt: „Limbus“ (zu deutsch „Vorhölle“) von Florentina Hofbauer, das aus dem Stückewettberwerb 2019 hervorging, kommt erstmals unter der Regie von Dragaschnig auf die Bühne. Dabei treffen zwei Frauen aus vermeintlich gegensätzlichen Welten aufeinander: Swetlana Allilujewa, die Tochter von Josef Stalin, und Nelly Mann, die Frau von Heinrich Mann. Die erste flieht aus einem kommunistischen Regime, die zweite ist eine Anhängerin des Kommunismus. Es spielen Johanna Tomek und Nicola Trub. Parallel zum Stück wird im Theaterfoyer und im Kosmos Atelier eine posthume Ausstellung mit Werken der Feldkircher Künstlerin Sigrid Hutter gezeigt.

Entführung

Ein weiterer rEin weiterer roter Faden im Programm zeigt sich auch bei der folgenden, für 24. Februar geplanten Uraufführung: die Befragung des Sozialismus, der „Linken“ damals und heute. In dem Auftragswerk „Die Entführung des Thomas G.“ nimmt sich Benjamin Blaikner der Biografie von Thomas Gratt an – der Vorarlberger war Mitglied der Bewegung 2. Juni und an der Entführung von Walter Palmers im Jahr 1977 beteiligt. Blaikner habe intensiv zu Gratt recherchiert, sein Stück sei jedoch nicht dokumentarisch und wahrheitsgetreu. Der Österreicher ist im Bereich Musik, Tanz und Schauspiel tätig, er wird neben mehreren Darstellern auch Live-Videoprojektionen und Musik auf die Bühne bringen.

"Limbus" wird am Donnerstag uraufgeführt. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
"Limbus" wird am Donnerstag uraufgeführt. Roland Paulitsch

Philip Jenkins ist einigen wohl durch sein Stück „Odyssee – Ein Stück (über) Heimat“ bekannt, das 2019 zu sehen war. in seinem neuen Stück widmet sich der Regisseur einer weiteren Größe der Weltliteratur: „Don Quijote – ein Stück (weg) von der Wahrheit“ soll im Mai uraufgeführt werden. Auch hier sollen wieder Philip Jenkins ist einigen wohl durch sein Stück „Odyssee – Ein Stück (über) Heimat“ bekannt, das 2019 zu sehen war. In seinem neuen Stück widmet sich der Regisseur einer weiteren Größe der Weltliteratur: „Don Quijote – ein Stück (weg) von der Wahrheit“ soll im Mai uraufgeführt werden. Auch hier sollen wieder Laien und Profis auf der Bühne zusammenkommen, so Dragaschnig, der den Sancho Panza übernimmt. Don Quijote lebt in seiner eigenen Traumwelt, in der er der edle Ritter ist. „Und alle, die ihm nicht zustimmen, sind entweder Feinde oder Marionetten einer mächtigen Weltverschwörung. Solche Menschen gibt es natürlich nicht wirklich. Außer man schlägt morgens die Zeitung auf“, wird Jenkins zitiert.

Philip Jenkins kehrt ans Theater Kosmos zurück. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Philip Jenkins kehrt ans Theater Kosmos zurück. Klaus Hartinger

Die letzte große Uraufführung des Jahres stammt aus der Feder der Die letzte große Uraufführung des Jahres stammt aus der Feder der Vorarlbergerin Kathi Klein, die das Stück „Little Italy“ im Rahmen des Drama Ateliers entwickelt hat – aus diesem entsteht übrigens 2023 das Drama Lab, das erneut in Zusammenarbeit mit Autor Bernhard Studlar, sowie den von diesem mitbegründeten Wiener Wortstaetten realisiert wird. Vier Plätze für Nachwuchsdramatiker werden nächstes Jahr ausgeschrieben, informieren die Theaterleiter.

“Dramatisches Gedicht”

Kleins Stück, als „dramatisches Gedicht“ untertitelt, sei ein „Plädoyer für die Illusion“, so beschreibt es Regisseur Stephan Kasimir. Protagonistin ist Elisa, die als Touristin nach Palermo reist. Doch ist sie tatsächlich dort, oder hat sie sich Palermo nur zusammenfantasiert – aus den bekannten Klischees und Erwartungen, wie dieser Ort zu sein hat? Im September soll das Werk auf die Kosmos-Bühne kommen. Im Monat darauf ist die letzte Premiere geplant: In „Escorial“ von Michel Ghelderode, einem Einakter aus dem Jahr 1927, tauschen König und Narr die Rollen. Das Stück wird von Augustin Jagg inszeniert, Schauspieler und Musiker Haymon Maria Buttinger wird dabei auch selbst geschriebene Lieder zum Besten geben.

Was gibt es sonst noch? Landestheater-Schauspieler Nico Raschner präsentiert im Herbst sein Stück beim Kosmodrom-Weekend. Es gibt wieder Gastspiele, eine neue Konzertreihe, Diskussionen, Theater für die Kleinen mit Kosmolino – und ein verlockendes Angebot: Menschen unter 30 Jahren können für nur 30 Euro zu allen Kosmos-Veranstaltungen des Jahres.

Der Spielplan 2022

„Limbus“ von Florentina Hofbauer. Premiere am Donnerstag, 13. Jänner, 20 Uhr im Theater Kosmos, Bregenz. Tickets: www.theaterkosmos.at.

„Die Entführung des Thomas G.“ von Benjamin Blaikner. Uraufführung am 24. Februar.

„Don Quijote – ein Stück (weg) von der Wahrheit“ von Philip Jenkins. Uraufführung im Mai.

„Little Italy“ von Kathi Klein. Uraufführung im September.

„Escorial“ von Michel de Ghelderode. Premiere im November.

Das nächste Gastspiel gibt es im Februar: Mit „Die Vertriebenen“ wird ein Stück des Bregenzer Autors Martin Wanko gezeigt. Eine Produktion des Theater im Keller Graz.

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