Kultur

40 Jahre Berge, Bagger und Gletscher

19.01.2022 • 20:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Roland Haas bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Dienstag. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Roland Haas bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Dienstag. Lisa Kammann

Roland Haas zeigt im Rathaus Bludenz einen Querschnitt seines bisherigen Schaffens.

igentlich hätte diese Ausstellung genau 40 Jahre nach Roland Haas’ erster Schau im Bludenzer Rathaus eröffnet werden sollen. Nun hat die Pandemie bereits einige Jubiläumsveranstaltungen zeitversetzt stattfinden lassen – so auch diese. Der 1958 in Bludenz geborene Künstler zeigt nun, wieder im Rathaus, einen Querschnitt aus seines langjährigen Schaffens, das er seit Jahrzehnten eng mit der Region Montafon vernetzt. Bei der in kleinem Rahmen gehaltenen Eröffnung am Dienstag blickte Haas zurück und zog Vergleiche von damals mit der Gegenwart: ganz getreu dem Ausstellungstitel „dann und jetzt“.

“Frecher Student”

Mit 22 Jahren kam der damalige Kunststudent Haas ins Rathaus, um seine Werke zu zeigen. Seine Einstellung sei in dieser Zeit eine andere gewesen: Als „frecher Student“ hätte er noch gemeint, er könne mit seiner Kunst die Welt erobern, sagte er bei dem Eröffnungsgespräch mit Wolfgang Maurer. Immerhin seien seine Bilder damals gut verkauft worden, erzählt Haas schmunzelnd. Außerdem sei das Rathaus Anfang der 80er Jahre quasi die einzige Ausstellungsmöglichkeit in der Alpenstadt gewesen. Von einer Galerie wie die allerArt in der Remise gab es noch keine Spur.

Der Künstler malt auch ins Abstrakte gehende Werke, wie beim Bild rechts zu sehen ist. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Der Künstler malt auch ins Abstrakte gehende Werke, wie beim Bild rechts zu sehen ist. Lisa Kammann

Was in den vier Jahrzehnten geblieben ist und was sich verändert hat, das lässt sich in dieser Schau gut nachvollziehen. Bis heute hält jedenfalls Haas’ Leidenschaft für das Aquarellieren an. Das älteste ausgestellte Werk stammt von 1982 und zeigt das Drusentor im Aquarell. Ein praktischer Vorteil sei, dass diese Technik beim Freilichtmalen im Gebirge weniger Zeit brauche, erklärt der Schrunser. Auch die Liebe zu den Bergen und Gletschern ist dem Landschaftsmaler bis heute geblieben. Wobei Haas nicht nur in den Alpen unterwegs war: Drei Bilder zeugen von seiner Faszination, die eine Islandreise 1984 ausgelöst hatte, und er berichtete von weiteren beeindruckenden Erlebnissen zum Beispiel auf Neuseeland.

Auch Gletscher sind ein beliebtes Motiv, wie im linken Bild der Litzner Gletscher. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Auch Gletscher sind ein beliebtes Motiv, wie im linken Bild der Litzner Gletscher. Lisa Kammann

Nach vielen Reisen kehrte Haas nach Vorarlberg zurück. Seit bald 25 Jahren leitet der Kurator des Kunstforums Montafon das SilvrettAtelier, und lädt dabei Künstlerkollegen ein, sich mit der alpinen Landschaft im Montafon auseinanderzusetzen. Haas tut dies schon seit Langem, doch mit der Veränderung der Alpen durch menschliche Eingriffe veränderte sich auch das Motiv seiner Kunst: Neben einsamen Gipfeln begann Haas auch jene Baustellen zu malen, die immer weiter in die Höhe vordringen.

Schneekanonen

Natürlich sei dies Ausdruck eines kritischen Blicks auf den Umgang mit dem Alpenraum, aber so eine Baustelle besitze durchaus auch eine eigene Art von Schönheit, meint der Künstler. Schneekanonen sind ebenfalls ein beliebtes Motiv. In seiner „Portrait“-Serie von 2018 werden die abgedeckten Kanonen zu Skulpturen, beinahe zu Figuren mit Gesichtern, so Haas.

Zur Ausstellung

„Roland Haas – dann und jetzt“. Bis 8. März im Rathaus Bludenz. Mo. bis Do., 7.30 bis 16.30 Uhr, Fr., 7.30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Am 3. Februar sowie am 8. März hält Roland Haas jeweils um 19 Uhr den Vortrag „Von Anfang an…“. Anmeldung zu den Vorträgen: kultur@bludenz.at.

Indem der Landschaftsmaler dasselbe Motiv im Lauf der Zeit mehrmals abbildet, wird im Fall der Gletscher auch deren Schmelze ersichtlich. Der Ochsentaler Gletscher gehört dabei zu den Favoriten. Dass dieses Naturphänomen dem Untergang geweiht ist, wird übrigens auch Thema der nächsten Sommerausstellung im Kunstforum Montafon sein. „Vom Schmelzen und Schwinden“ nennt sich die geplante Gruppenschau.

Besucher bei der Eröffnung. Lisa Kammann
Besucher bei der Eröffnung. Lisa Kammann

In den „Jahrbüchern“ malt der Künstler dieselbe Perspektive jeden Tag neu, und das innerhalb eines Jahres. Die kleinen Bilder werden als Sequenz auf einer Leinwand aneinandergereiht, unterschiedliche Wetterverhältnisse verändern dabei die Stimmung. Im „Jahrbuch 2006“ habe er aber bei einem der 365 Bilder geschummelt: An dem Tag sei seine jüngste Tochter geboren – eine gute Entschuldigung. Das jüngste Werk der Schau ist übrigens ein Acrylbild aus dem Jahr 2020, das sich dem Thema Flucht widmet. Zu sehen sind zwei Schauspielerinnen des teatro caprile, die jedes Jahr die Theaterwanderung „Auf der Flucht“ anbieten.