Kultur

Hinter der Kulisse der großen Show

21.01.2022 • 20:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Stars des Abends: Susanne Brandt (l.) und Michaela Bilgeri. <span class="copyright">Gerhard Breitwieser</span>
Die Stars des Abends: Susanne Brandt (l.) und Michaela Bilgeri. Gerhard Breitwieser

Bevor Martin Gruber als Ehrenstaatsbürger angelobt wurde, sprach er über „Die große Show“.

Gestern war ein besonderer Freudentag für Martin Gruber: Der Gründer des aktionstheater ensembles, der 1967 als italienischer Staatsbürger geboren wurde, ist seit dem vergangenen Freitag auch österreichischer Staatsbürger – und zwar „aufgrund außerordentlicher Leistungen im besonderen Interesse der Republik“. Bereits im Herbst 2021 wurde das Ansuchen gestellt, die Verleihung wurde dann vom Bundesministerium für Kunst und Kultur empfohlen, im Ministerrat in Wien beschlossen und von der Vorarlberger Landesregierung bestätigt. Im Landhaus fand auch die Verleihung statt.

Martin Gruber ist jetzt österreichischer Ehrenstaatsbürger. <span class="copyright">Apollonia Theresa Bitzan</span>
Martin Gruber ist jetzt österreichischer Ehrenstaatsbürger. Apollonia Theresa Bitzan

Der frischgebackene Doppelstaatsbürger freut sich zudem, mit seinem Ensemble wieder eine Vorarlberg-Premiere bestreiten zu können. „Die große Show“ war coronabedingt zuerst in Wien zu sehen, ab kommendem Dienstag wird das Bühnen­ereignis am Spielboden Dornbirn steigen. Erneut habe das Team bei der Erarbeitung dieses Stücks „nichts anbrennen lassen“, sagt Gruber im Gespräch. Komik und Unterhaltung scheinen garantiert – aber wer das aktionstheater kenne, der wisse, dass unter dieser Oberfläche die Tragödie schlummert, fügt der Theatermacher hinzu. „Alles nur Show“, das sei eben zu wenig.

Aktivierung des Zwerchfells

Denn es wäre nicht das aktionstheater, wenn nicht auch gesellschaftliche Krisen in das Stück hineinspielen, die in einer gnadenlosen Selbstbefragung der Akteure ihren Ausdruck finden. Diesmal vertraute Gruber vor allem auf die „anarchische Kraft des Humors“, die im Publikum eine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umwelt auslösen soll. Durch die Aktivierung des Zwerchfells sollen also auch andere Bereiche im Zuschauer in Bewegung kommen.

Auch Zaubertricks sind zu erwarten. <span class="copyright">Gerhard Breitwieser</span>
Auch Zaubertricks sind zu erwarten. Gerhard Breitwieser

Verschiedene Themen sind laut Gruber in dieses Stück eingeflossen. Grundsätzlich stelle sich die Frage, auf welche Weise „in Zeiten wie diesen“ grundlegende Problematiken angesprochen werden sollen. Eine dieser „Nöte“ ist für den Regisseur und Theaterautor der verstärkte Narzissmus in unserer Gesellschaft. Auf politischer Ebene zeige sich dies etwa, wenn eine Gruppierung für ihre „Egoshow“ ein ganzes Land in Geiselhaft nehme. Auf individueller Ebene ist es die permanente Selbstoptimierung. Diese hat natürlich Auswirkungen auf unser Zusammenleben, wie wir in dieser „Show“ erleben werden. Der Begriff wird doppeldeutig genutzt: Es ist nicht nur das Format einer künstlerischen Darbietung gemeint, sondern auch unser konstruiertes „Ich“ ist eine Show – und letztere machen wir allein für die anderen, nicht für uns selbst, ist Gruber überzeugt.

Die Show verläuft nicht reibungslos. <span class="copyright">Gerhard Breitwieser</span>
Die Show verläuft nicht reibungslos. Gerhard Breitwieser

Die Handlung ist folgende: Die „Show“ findet für Susanne Brandt statt. Die Schauspielerin, die schon seit Mitte der 1990er-Jahre beim Ensemble dabei ist, feiert ihren 60. Geburtstag, eine große Party ihr zu Ehren ist angesagt. Das sollte eigentlich ein Anlass für Kollegin Michaela Bilgeri sein, ihr eigenes Ego zurückzuschrauben: Das wird nicht reibungslos gelingen. Es ist auch ein Spiel mit den Klischees aus dem Genre Theater, wie das des selbstbezogenen, eitlen Schauspielers. Zudem taucht eine Klischee-Figur aus der Unterhaltungsbranche auf: der Zauberer, der gespielt wird von einem Schauspielschüler Brandts.

Selbstliebe

Die humorvolle Reflexion auf das eigene Genre bleibt aber nur ein Teil des Inhalts, erklärt Gruber. Die Selbstliebe gehöre zu jedem Menschen dazu, wie bei den Menschen am Theater. Jedoch würde es nicht schaden, ab und an einmal „runterzukommen“. Der Narzissmus sei Ausdruck eines gestörten Verhältnisses zur Selbstliebe. Hinter jedem aufgeblasenen Ego versteckten sich vor allem Einsamkeit, Leere und Unsicherheit. Die Zuwendung zum Anderen würde dem entgegenwirken. „Narziss­mus ist die Antithese zum Miteinander“, sagt der Regisseur.

Tickets gibt es für Do., Fr., Sa., 19.30 Uhr am Spielboden Dornbirn. Premierentickets sind evtl. als Restkarten an der Abendkasse erhältlich. www.spielboden.at

Musik und Überraschungsgäste sind in dieser Show selbstverständlich inbegriffen. Die Texte wurden von Gruber unter anderem auf Basis von Interviews verfasst, ein Textfragment stammt zudem von Autor Elias Hirschl. Na dann bleibt nur noch eines – Vorhang auf!

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