Kultur

Fotografisches und Werkstatt-Schätze

28.01.2022 • 21:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Blick in die Schau von Roland Adlassnigg.<span class="copyright"> Florian Raidt</span>
Blick in die Schau von Roland Adlassnigg. Florian Raidt

Mit vier Ausstellungen ist das Künstlerhaus wieder gefüllt mit einer Vielfalt an Positionen.

Mit der Präsentation der neuen Mitglieder, einem neuen Format und zwei weiteren Ausstellungen im Künstlerhaus Bregenz startet die Vorarlberger Berufsvereinigung bildender Künstler ins Jahr. Erneut wurde das Haus von unten bis oben genutzt, um dem Besucher eine Vielfalt an Positionen zu zeigen.

Kilopreis

Spannend ist die neue Schiene „ … im Erdgeschoss“, die ebendort mit dem Künstler, Bildhauer und Ausstellungstechniker Roland Adlassnigg seinen Anfang nimmt. Er scheint genau der Richtige dafür zu sein, um aufzuzeigen, dass Kunst mehr ist als ein fertiges Produkt. Denn hier sollen Künstler im Zwei-Wochen-Rhythmus Unfertiges, Verworfenes und Nicht-Realisiertes zeigen und damit einen Austausch mit den Kollegen in Gang setzen. Bis 4. Februar verschafft Adlassnigg den Besuchern einen Eindruck seines Schaffens im vergangenen Jahr. In einer Art „Alles muss raus“-Aktion schuf er aus Restbeständen in seiner Werkstatt die „End of Season Sculptures“ und preist nun zum Kilopreis an: Arbeitshosen, die trotz Waschung stehen können, Skulpturen, die durch Unfälle mit Polyurethanschaum-Spritzen entstanden, Bühnenteile von Silvia Salzmanns Stück „Souvenir“, Skizzen, Kunst aus Coladosen.

Werke von Reinold Amann. <span class="copyright">Florian Raidt</span>
Werke von Reinold Amann. Florian Raidt

Nach Adlassnigg werden ab 5. Februar Severin und Pirmin Hagen, Christine Katscher und Ronja Svaneborg das Erdgeschoss bespielen. Das Kollektiv möchte mit einer begehbaren Installation den „verführerischen Zauber des Overheadprojektors“ erlebbar machen, heißt es in einer Ankündigung.

Strukturen

Bis zum 6. März sind die übrigen Ausstellungen zu sehen. Die Werke von Reinold Amann begegnen dem Besucher im ersten Obergeschoss. Der in Röns lebende Autor und Künstler war als Lehrer für Mathematik, Physik und Biologie tätig. Dieses Interesse zeigt sich nun in Amanns Arbeiten. Unter dem Titel „Ordnung und Chaos“ legt er, meist mit digitaler Fotografie, Strukturen in der Natur und im Universum offen. Naturwissenschaften und ebendiese Strukturen basieren auf Gesetzen und Ordnung, doch immer wieder scheint das Chaos, aus dem überhaupt alles entsprang, in kleinen Details aufzublitzen.

Wasser zwischen Ordnung und Chaos. <span class="copyright">Florian Raidt</span>
Wasser zwischen Ordnung und Chaos. Florian Raidt

Unter anderem lässt der erfahrene Fotograf ein Pendel schwingen und zeichnet mit Licht und Langzeitbelichtung dessen Bahnen nach. Oft ist auch der Maßstab entscheidend: Amann stellt etwa lineare Wasserstrahlen aus der Ferne dar, erst im Detail sind die dynamischen Formen des Wassers zu sehen. Die Fraktal-Struktur darf bei dem Mathematiker auch nicht fehlen, sie zeigt sich aber auch verpixelt. Etwas aus der Rolle fällt eine Skulptur mit Barbie-Puppen: Sie thematisiert veraltete Rollenbilder.

Elternhaus

Marko Zink arbeitet ebenfalls mit Fotografien, jedoch in einem völlig anderen Kontext. Der in Wien lebende Künstler zeigt Auszüge aus vier seiner Serien unter dem Titel „Contact Yourself“. Aus der Serie „Innerer Film“ stammen zwei Arbeiten in der Black Box, in der sich Zink, wie so oft, selbst mit Maske präsentiert. Eine großformatige Fotografie zeigt ihn in seinem Elternhaus in Gaschurn. Weitere, etwas unheimlich anmutende Selbstporträts wurden auf kleine Spiegel gedruckt.

Werk von Marko Zink. <span class="copyright">Florian Raidt</span>
Werk von Marko Zink. Florian Raidt

Zink ist ein „Konstrukteur von Wirklichkeit, fügt Dinge zusammen, die einander zuvor fremd waren. Elfriede Jelinek ist eine Dekonstruktivistin. Sie zerlegt Vorgefundenes und angeblich Untrennbares in die Einzelteile, macht dadurch verborgenes Innenleben sichtbar“: So wird im Begleittext die Zusammenarbeit des Künstlers mit der Autorin beschrieben. Im Dachgeschoss wird – neben Bildern aus der Serie „Ich habe dir niemals was versprochen“ – diese Kollaboration erfahrbar gemacht. Die beiden widmen sich in der Arbeit „in der Maschine“ von 2004 dem Thema Maschine. Jelinek hat dafür einen Text eingesprochen, ein Plattenspieler ist zu sehen. In der Maschine befindet sich Zink dann tatsächlich – in seinen humorvollen Fotografien.

Zu den Ausstellungen

Roland Adlassnigg, „End of Season Sculptures“. Bis 4. Februar.

Neue Mitglieder/Marko Zink. „Contact Yourself“/Reinold Amann. „Zwischen Ordnung und Chaos“. Bis 6. März im Künstlerhaus Bregenz. Geöffnet Mi. bis Sa., 14 bis 18 Uhr, So., 11 bis 17 Uhr. Am Sonntag, den 6. Februar, führen Zink (11 Uhr) und Amann (12 Uhr) durch die Ausstellungen. Am Samstag, den 5. Februar, ist Zink von 17 bis 19 Uhr anwesend. Um 18 Uhr gibt es die Performance „Overhead Diffusion“ mit Pirmin und Severin Hagen, Christine Katscher und Ronja Svaneborg.